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CSU-Politiker veralbert Verschwörungstheorien auf Facebook

Er hat seine ganz eigene Art, mit Dingen umzugehen - 06.06.2020 05:57 Uhr

In seinem Video erklärt Michael Frieser, dass es den Virologen Christian Drosten, Berater der Bundesregierung, angeblich gar nicht gebe. Es handle sich bei dem Mann in Wahrheit um "Hausmeister Klaus". © Screenshot Facebook


Aber der Justiziar der Unionsfraktion im Bundestag hat nicht etwa die Seiten gewechselt und ist unter die Corona-Demonstranten gegangen. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Er unternimmt mit seinen Videos einen originellen Versuch, den zum Teil ziemlich absurden, im Internet kursierenden Geschichten über eine geplante Weltverschwörung etwas entgegen zu setzen.

Irgendwann war es Michael Frieser zu viel geworden, all die Geschichten lesen und hören zu müssen von den bevorstehenden Zwangsimpfungen der Bevölkerung, den Umsturzplänen eines Bill Gates und dem Untermischen von Beruhigungsmitteln in das Berliner Trinkwasser. Rein sachlich, als Politiker, hatte er schon oft dazu Stellung genommen und erklärt, warum das alles gar nicht stimmen kann. Doch er wollte auch noch anders darauf reagieren. Bildhaft und mit Humor.


Bizarre Verschwörungstheorien: Was Corona (angeblich) mit 5G zu tun hat


Und so entstand vor etwa fünf Wochen das erste Video. Demnächst werden es fünf sein. In einem erzählt er mit Augenzwinkern von dem Gerücht, Bill Gates habe schon längst die Herrschaft in Berlin übernommen. Das sehe man daran, dass auf den Fenstern (englisch: "Windows") der Berliner U- und S-Bahnen ein durchsichtiges Muster kleiner Brandenburger Tore (englisch: "Gates") abgebildet seien. In diesem Video hat der CSU-Politiker anfangs ein buntes Hütchen auf. In einem anderen Beitrag erklärt er, dass es den Virologen Christian Drosten, Berater der Bundesregierung, gar nicht gebe. Es handle sich – geheim, geheim – bei dem Mann in Wahrheit um "Hausmeister Klaus".

In den sozialen Netzwerken wird Frieser sehr gelobt für seine Aktion. "Ganz vorzüglich" und "genial" heißt es in den Kommentaren. Eine Frau schreibt, das sei eine "sehr charmante und originelle Idee zum Umgang mit dieser Art von Theorien". Er selbst erklärt sich den Erfolg damit, dass er eben auch bereit sei, sich selbst nicht immer ganz so ernst zu nehmen. Er wolle "im besten loriot´schen Sinne" zum Nachdenken anregen. Hinzu kommt eine gewisse kabarettistische Ader, über die der Abgeordnete verfügt. Seit Jahren schon tritt er mit Politikerkollegen beim Nürnberger CSU-Ball auf und ahmt dabei – zum Beispiel – die legendären Blues Brothers nach.


Rechte spielen in Coronakrise mit Verschwörungstheorien


Es gab natürlich auch kritische Stimmen von Menschen, die die Auftritte des Abgeordneten verunsichert haben. Michael Frieser hat dafür durchaus Verständnis. Er fühlt sich aber in seiner Absicht bestätigt, wenn es überhaupt erst zu einem Gespräch kommt. "Vernunftbegabt und logisch lässt sich da oft kein Zugang mehr finden", sagt er. Manche hätten sich mit ihren Theorien so verrannt, dass es wie bei einer falsch zugeknöpften Jacke sei. Wenn der erste Knopf im falschen Loch sei, könne nichts mehr daraus werden. Da müsse man dann nochmal von vorne anfangen.

"Glauben Sie nicht alles". Mithilfe von solchen Aktionen wie dieser spaßig gemeinten Bild-Kachel, will der CSU-Abgeordnete Michael Frieser auf Fake-News aufmerksam machen. © Michael Frieser


Eines ist dem direkt gewählten Abgeordneten des Wahlkreises Nürnberg-Süd sehr wichtig: Er will nicht die Teilnehmer von Hygienedemos veralbern, sondern die dahinterstehenden Ideen. Deswegen sagt er gleich zu Beginn der ersten Folge seines Video-Podcast "Es geht mir nicht darum, Menschen, die verunsichert sind, in irgendeiner Art und Weise zu verunglimpfen". Ganz im Gegenteil, man müssen deren persönliche Ängste und Sorgen sehr ernst nehmen.

Nicht nur mit den Videos will Michael Frieser einen neuen Weg gehen. Er versucht, auch mit anderen, originellen Botschaften seine Zuhörer und Zuschauer zu erreichen. So veröffentlichte er, um die Aufmerksamkeit für Fake-News zu wecken, eine Bild-Kachel (Titel: "Glauben Sie nicht alles"), auf der ein Foto von ihm mit der Unterschrift "Robert Redford, Bundeskanzler" zu sehen ist. Zu einer Dauereinrichtung will der Politiker seinen Verschwörungs-Podcast übrigens nicht werden lassen. Man müsse auf mal wieder ein Ende finden und Neues ausprobieren, sagt er. Was das sein könnte, weiß er momentan vermutlich noch nicht mal selbst.

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