Bis zu 1000 Teilnehmer

Demonstranten mit Messern bewaffnet: Erneute Proteste in Schweinfurt gegen Corona-Politik

2.1.2022, 22:12 Uhr
Eine Einheit der Polizei beim Einsatz in der Schweinfurter Innenstadt.

Eine Einheit der Polizei beim Einsatz in der Schweinfurter Innenstadt. © Daniel Vogl, dpa

Bei den nicht angemeldeten Aktionen hatte sich zunächst eine größere Personengruppe im Zentrum am Markt versammelt. Die Polizei habe einen Protestzug der Menge verhindert, sagte ein Sprecher der Polizei. Daraufhin hätten sich viele kleinere Gruppen in der Innenstadt verteilt. "Es war letztendlich die Form von Kleingruppentaktik, die auch so von uns erwartet worden war", wie ein Polizeisprecher erklärt.

Teilnehmer verstießen gegen Auflagen

Die Polizei versuchte, die einzelnen Gruppen am Weiterziehen zu hindern. Das gelang ihr nur teilweise, insgesamt sei man auf diese Taktik aber vorbereitet gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit Lautsprecheransagen machten die Einsatzkräfte immer wieder auf die neue Allgemeinverfügung zu nicht angemeldeten Versammlungen aufmerksam.

Die Stadt Schweinfurt hatte wegen mehrerer Vorfälle bei früheren Protesten die Regeln verschärft. Nach der neuen Allgemeinverfügung dürfen Kundgebungen nur noch ortsfest sein, außerdem sind Abstand und Maske Pflicht. Polizei und Stadt hatten in den vergangenen Tagen eine Mobilisierung im Internet beobachtet. Insgesamt kamen etwa 1000 Demonstranten zusammen.

Der Protest verlief überwiegend friedlich, trotzdem leiteten die Beamten gegen gut 200 Teilnehmer Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten ein. Unter anderem war der Mindestabstand nicht eingehalten worden. Die Protestierenden riefen unter anderem immer wieder "Keine Impfpflicht" und "Freiheit", die Stimmung sei gereizt gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Demonstranten trugen Messer bei sich

Einige Demonstranten waren aber offenbar auch gewaltbereit: Die Polizei spricht von sechs Teilnehmern, die Messer bei sich trugen. In Messenger-Diensten sei zuvor offen zum Angriff auf Polizisten aufgerufen worden. Am Abend blieb es aber bei verbalen Aggressionen.

Stadt und Polizei hatten vorab zu den Protesten mehr als 2500 Teilnehmende erwartet. Unterfrankens Polizeipräsident Detlef Tolle kündigte via Twitter kurz vor Beginn der Aktionen an: "Spaziergänge, wie wir sie aktuell im Kontext des Protests gegen Corona-Maßnahmen sehen, werden nicht toleriert und von der Polizei als Versammlungen behandelt. Wer für die Versammlung wirbt, muss sie auch anzeigen." Angemeldet gewesen war in Schweinfurt für Sonntag lediglich eine kleinere Aktion. Diese war am späteren Nachmittag nach Angaben des Polizeisprechers ohne Zwischenfälle wieder beendet.

Kind bei Protesten verletzt

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte es in Schweinfurt eine unangekündigte Versammlung gegeben, bei der es zu Aggression und Gewalt gekommen war. Ein vier Jahre altes Kind war durch Pfefferspray leicht verletzt worden, als seine Mutter offenbar die Polizeikette durchbrechen wollte. Bei einer Kundgebung vor Weihnachten hatten Teilnehmende nach Polizeiangaben versucht, ein Zivilfahrzeug der Polizei in Brand zu setzen.

In der unterfränkischen Stadt wächst unterdessen der Widerstand gegen die Demonstrationen und Zusammenkünfte der "Querdenker"-Szene. Die evangelische Kirche hatte für Sonntagabend zu einem Friedensgebet eingeladen. Die katholische Kirche hatte angekündigt, alle Glocken der Kirchen läuten zu lassen. Etliche Bürger Schweinfurts stellten sich unter einem Aufruf mit dem Titel "Schweinfurter Erklärung" den unangekündigten Versammlungen entgegen.

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