Montag, 30.11.2020

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Denkmal: Erinnerung an Fürther Nazi-Opfer bleibt wach

Nach zahlreichen Attacken auf den Gedenkort soll das neue Mahnmal unzerstörbar sein - 30.04.2020 06:00 Uhr

Roland Hermann (links) und Uwe Weber mit ihrem Siegermodell für das Denkmal für Rudolf Benario und Ernst Goldmann.

28.04.2020 © Hans-Joachim Winckler


Der Jahrestag der Ermordung der beiden Fürther Antifaschisten jüdischen Glaubens, Rudolf Benario und Ernst Goldmann, liegt gerade mal zwei Wochen zurück. Ein paar Blumen an der Gedenktafel nahe dem Rednitzufer zeugen davon, dass die beiden – sie waren die Ersten, die 1933 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau ermordet wurden – auch in Corona-Zeiten nicht in Vergessenheit geraten.

Im Gegenteil: Schon bald soll an der Stelle, an der Benario und Goldmann im Jahr 1930 am Bootshaus des damaligen Fürther Kanu-Klubs drei Birken gepflanzt hatten, ein dauerhaftes Mahnmal an die jungen Kommunisten erinnern. In enger Abstimmung mit dem Fürther Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus hatte sich der städtische Ältestenrat im vergangenen Jahr einstimmig dafür ausgesprochen. Im Jahr 2017 waren die drei Birken mutmaßlich von Neonazis so stark beschädigt worden, dass sie im Sommer 2019 gefällt werden mussten.

Nun stellte die Stadt das Ergebnis eines kleinen Künstlerwettbewerbs vor. Der Entwurf der Langenzenner Metallgestalter Uwe Weber und Roland Hermann überzeugte die Jury. Pate für die Idee stand – neben dem "Naturdenkmal" der drei Birken – das Boots- und Vereinshaus des 1927 an diesem Ort gegründeten Kanu-Klubs. Drei je drei Meter hohe Stelen aus Stahl und Aluminium verkörpern die Birken. Ein abstraktes zweiteiliges Stahlobjekt steht für das Gebäude und soll zugleich an die verwinkelten Häuser des ehemaligen Gänsbergs erinnern. Der frühere Stadtteil erstreckte sich vom Flussufer in Richtung Rathaus und bot, so die Künstler, Versammlungsorte für den Fürther Widerstand während der Nazi-Diktatur.


Schon wieder: Gedenkort für Fürther Nazi-Opfer geschändet.


 

Auf zwei Stahlplatten ist Platz für eine Beschriftung: Während auf der einen Rudolf Benario und Ernst Goldmann gedacht wird, soll auf der anderen der Schwur der Gefangenen des Konzentrationslagers Buchenwald als Mahnung für die Gegenwart und Zukunft verewigt werden: "Die Vernichtung des Nazismus und seiner Wurzel ist unsere Losung! Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel."

 

Rostiger Stahl

 

Wie Susanne Kramer, Sprecherin der Stadt, bei der Vorstellung des Modells erläuterte, kamen alle drei eingereichten Entwürfe (neben den Siegern Weber/Hermann beteiligten sich die Künstler André Jeschar und Dirk Schulze an dem Wettbewerb) gut bei der Jury an. Ein Auswahlkriterium war, dass das Mahnmal möglichst sicher gegen Vandalismus ist.

Die Langenzenner Künstler Hermann und Weber verwenden für ihren Entwurf sieben Tonnen rostigen Stahl. Die Gedenktafel, die seit 2007 auf Initiative eines Schülerprojekts an Benario und Goldmann erinnert und ebenfalls schon mehrfach zerstört und geschändet wurde, soll in der Nähe des neuen Mahnmals erhalten bleiben.

Ursprünglich war die Einweihung für den 9. Mai vorgesehen, verbunden mit einer Festveranstaltung im Kulturforum, an der auch die 95-jährige Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano teilgenommen hätte, sagte Hans Brenner vom Bündnis gegen Rechtsextremismus. Die Corona-Epidemie hat diese Pläne jedoch zunichte gemacht.

Für die zweite Jahreshälfte hat Brenner drei Alternativtermine ins Auge gefasst, neben dem – nach aktuellem Stand unwahrscheinlichen – 1. September (Antikriegstag) den 20. September (Geburtstag von Rudolf Benario) und den 20. Dezember (Geburtstag von Ernst Goldmann).

Doch vorher muss das Denkmal entstehen: Ende Mai sollen zunächst die Fundamente gegossen werden.

HANS–JOACHIM WINCKLER

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