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Der Strom kommt vom Dach

Erlanger Schulen erzeugen Solarenergie - 09.08.2008

Der Installateur legt letzte Hand an die Solaranlage auf dem Nebengebäude der Michael-Poeschke-Schule in Erlangen-Süd. © Wraneschitz


Bei den Schülern das Wissen um ihre Umwelt stärken: Das ist das Ziel von Martin Hundhausen, das er mit den Photovoltaik-Anlagen (PVA) vorrangig verfolgt. Nebenberuflich hat er mit seinem Verein «Sonnenenergie Erlangen« dafür gekämpft, dass alle öffentlichen Schulen damit ausgestattet werden. Die Erleichterung darüber, dass es endlich geklappt hat, ist dem Physikprofessor anzumerken.

Natürlich gab es in Erlangen schon ein paar Photovoltaik-Anlagen auf Schuldächern. Das «Sonne-in-der-Schule-Programm«, in den 1990er Jahren vom damaligen Staatsunternehmen Bayernwerk und Partnern wie dem Solar-Informations- und Demonstrationszentrum (solid) in Fürth initiiert, machte es möglich. Doch Hundhausen wollte mehr: «Jede Schule braucht PV« setzte er sich zum Ziel - und hat es nun erreicht.

Begonnen hatte Hundhausen seine «Mission« 1990 in der Heinrich-Kirchner-Grundschule, als seine Tochter dort eingeschult wurde. Ihre damalige Lehrerin Christel Gilsbach ist heute - Zufall oder nicht - Rektorin an der Herrmann-Hedenus-Grundschule in Schallershof. Und die bekam jetzt als letzte öffentliche Bildungseinrichtung der Hugenottenstadt eine PVA mit einem Kilowatt Spitzenleistung (1 kWp) aufs Dach gesetzt. Mit 1 kWp ist das Solarsystem zwar recht klein, aber wie alle 33 anderen Anlagen bekam auch diese eine große Anzeigetafel in den Schulräumen dazu spendiert. Sponsoren wie die Erlanger Stadtwerke, die Sparkasse oder regionale Solaranbieter halfen finanziell mit, betont Prof. Hundhausen.

Teilweise sind die Sonnenkraft-werke auf Schuldächern auch Bürgersolaranlagen. An der ersten, 2001 am Albert-Schweitzer-Gymnasium mit 67 kWp errichtet, konnten sich die Bürger mit mindestens 2500 Euro beteiligen - selbst für Nicht-Millionäre eine erschwingliche Investition. Und weil jedes kWp einer Solarstromanlage in Mittelfranken laut den solid-Fachleuten im Durchschnitt 940 Kilowattstunden (kWh) Strom liefert, rentiert sich das Ganze auch für die Investoren - auch wenn sie dabei nicht reich werden.

Das oft gebrauchte Argument: «Wir wollen einfach etwas Gutes tun«, kennt auch der Nürnberger Bernd Scherer, Sprecher des Energie-und-Klima-Tisches der Nürnberger Lokalen Agenda 21. Scherer und Co. haben beispielsweise auf der Grundschule im Nürnberg-Altenfurt 88 kWp oder fast 900 Quadratmeter Solargeneratoren installiert. «Die erzeugen gut 80000 kWh CO2-freien Ökostrom pro Jahr. Gut 55000 kWh davon werden in der Schule verbraucht. Damit steht in Altenfurt die erste Schule zumindest in Franken, die mehr Solarstrom erzeugt, als verbraucht wird«, so der Agenda-Mann stolz.

Wie Hundhausen achtet auch Scherer auf «das pädagogische Konzept: Die Schüler sollen etwas erfahren über CO2-freie Solarstromversorgung, den Raubbau an den konventionellen Energien Kohle, Öl oder Erdgas, und was deren Verbrennung mit der Klimaveränderung zu tun hat.« Der Er-langer Professor hat sich für diese Aufgabe Partner gesucht: Eine ist die engagierte Rektorin Christel Gilsbach, die selbst Unterlagen erstellt hat.

Daneben nennt Martin Hundhausen die Schulinformation von solid: «Wenn die jetzt wegbricht, geht viel verloren.« Er hofft, dass es mit dem Solarberatungszentrum weitergeht. Bisher kam aus Fürth auf Wunsch ein Solarbetreuer direkt in die Schulen und gestaltete Solarenergie-geladenen Unterricht. Derzeit diskutieren die Stadtwerke der Region über die Zukunft des regional ausgerichteten solid. 

Heinz Wraneschitz

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