Corona erschwerte Austausch

Deutsch-französische Freundschaft: Zwei Jahre Partnerschafts-Funkstille

16.9.2021, 06:00 Uhr
Mit schwungvollem Sound brachten viele junge französische Kapellen Leben in die Partnerschaft, wie hier eine Truppe aus Aixe-sur-Vienne im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim.

Mit schwungvollem Sound brachten viele junge französische Kapellen Leben in die Partnerschaft, wie hier eine Truppe aus Aixe-sur-Vienne im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim. © privat

Frau Feja, die gegenseitigen Besuche, der herzliche Austausch sind das, was die Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Gemeinden bisher zusammenhielt. Wie sehr hat die Corona-Pandemie die Beziehungen dauerhaft zerschnitten?

Sylvie Feja: Eigentlich sind die Beziehungen sehr stark, sehr fest. Aber Corona war schon eine heftige Herausforderung. Die Menschen haben viel telefoniert und sich geschrieben. Aber viele haben sich seit 2019 nicht mehr gesehen, auch wenn es jetzt im Sommer zumindest einige Begegnungen gab. Wir hoffen sehr, dass die Franzosen im Dezember wie sonst wieder zu den Weihnachtsmärkten kommen können. Falls alles gut läuft, ist der Kalender nächstes Jahr aber prall gefüllt. Viele Partnerschaftsjubiläen der letzten beiden Jahre wurden auf 2022 verschoben, dazu kommen dann ja wieder neue Jubiläen. Nächstes Jahr könnte richtig viel gefeiert werden. Das würde ich mir wünschen.

"Die Jungen haben andere Vorstellungen"

Allerdings hat man vielerorts das Gefühl, dass es auch ohne Pandemie immer schwieriger wird, die Partnerschaften am Leben zu erhalten. Woran liegt das?

Sylvie Feja stammt aus der Nähe von Saint-Yrieix-la-Perche, der französischen Partnerstadt von Bad Windsheim. Nach ihrem Germanistik-Studium in Limoges landete sie beim Bezirk Mittelfranken in Ansbach, wo sie seit dem Jahr 1984 die deutsch-französischen Kommunalpartnerschaften betreut. Gemeinsam mit Henri Ménudier hat sie nun ein Buch über die Partnerschaft Mittelfrankens mit dem Limousin geschrieben.

Sylvie Feja stammt aus der Nähe von Saint-Yrieix-la-Perche, der französischen Partnerstadt von Bad Windsheim. Nach ihrem Germanistik-Studium in Limoges landete sie beim Bezirk Mittelfranken in Ansbach, wo sie seit dem Jahr 1984 die deutsch-französischen Kommunalpartnerschaften betreut. Gemeinsam mit Henri Ménudier hat sie nun ein Buch über die Partnerschaft Mittelfrankens mit dem Limousin geschrieben. © privat

Feja: Man tut sich natürlich schwer, die jungen Menschen dafür zu begeistern. Manchmal gibt es auch etwas Unmut, wenn die Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees sehr lange auf ihrem Posten bleiben. Manchmal wäre es wohl besser, wenn mal wieder andere die schöne Arbeit übernehmen würden, wenn da mal wieder was Neues käme.

Wie könnte man denn wieder mehr junge Menschen für den Austausch begeistern?

Feja: In der Vergangenheit ist das Programm oft zu sehr von den Älteren dominiert worden. Die Jungen wurden halt mitgenommen, aber man hat nicht daran gedacht, dass sie sich unter so einem Austausch etwas ganz anderes vorstellen. In Zukunft sollte man sie bei der Programmgestaltung viel mehr mit einbeziehen.

"Ich bin voll Bewunderung für die Deutschen"

Gerade die Sprachbarriere wird in Deutschland oft als Hindernis wahrgenommen. Anderswo kann man sich mit Englisch gut behelfen, in Frankreich kaum.

Feja: Ich bin voll Bewunderung für die Deutschen, die überallhin auf der Welt reisen und sich überall wohlzufühlen scheinen. Die Franzosen haben dagegen sehr oft Angst, in andere Länder zu reisen. Französische Kinder sind da ganz anders erzogen. Auch der Sprachunterricht ist meiner Meinung nach in Deutschland sehr viel besser als in Frankreich.

Sie selbst haben ja in Frankreich Germanistik studiert. Wie sind Sie dann plötzlich in Ansbach gelandet, um dort die Anfänge der Partnerschaft entscheidend mitzugestalten?

Feja: Zur Anfangszeit der Partnerschaft habe ich in Limoges Germanistik studiert. Da hat man immer wieder was von der neuen Partnerschaft mitbekommen. 1984 habe ich mich dann beim Bezirk Mittelfranken beworben. Zuerst war das so eine Art Ferienarbeit. Aber dann wurde ich fest eingestellt – und bin heute noch immer dort.

"In Mittelfranken war die Mentalität eine ganz andere"

Wie schwer war für Sie die Entscheidung als junge Französin, dauerhaft in Mittelfranken zu bleiben?

Feja: Gar nicht schwer. Zuvor war ich noch ein Jahr in Norddeutschland. Da war die Mentalität eine ganz andere. Ich wurde nur selten irgendwo eingeladen. In Mittelfranken war das völlig anders. Die Menschen waren sehr aufgeschlossen, sehr neugierig. Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt. Und durch die Arbeit hatte ich natürlich jeden Tag Kontakt zu meiner Heimat. Jeden Tag habe ich mit Menschen im Limousin telefoniert und Nachrichten von ihnen erhalten.

Der Bezirk hatte ja gar nicht explizit nach einer Französin gesucht.

Feja: Für den Bezirk war es gut, jemanden zu haben, der nicht nur die Sprache spricht, sondern auch die Partnerregion, die dortigen Ansprechpartner und die Verwaltungsstruktur sehr gut kennt. Das war eine tolle Zeit für eine junge Frau, da so nah dabei zu sein, wenn Politik gemacht wird und Partnerschaften oder sogar Freundschaften entstehen. Die Menschen wollten sich kennenlernen, zusammenarbeiten, Projekte ins Leben rufen, zusammen feiern und natürlich offizielle Kommunalpartnerschaften schließen.

Zwei neue Partnerschaften in den Startlöchern

Wer kommt Ihnen sofort in den Sinn, wenn es um vitale Partnerschaften geht?

Feja: Es gibt sehr viele Partnerschaften, die sehr lebendig sind. Ansbach und Anglet natürlich, Großhabersdorf und Aixe-sur-Vienne, Gunzenhausen und Isle oder Neuendettelsau und Treignac. Manche Freundschaften, die aus Kommunalpartnerschaften entstanden sind, sind schon mehrere Jahrzehnte alt. Das haben die heutigen Großeltern begonnen, dann haben sie ihre Kinder dafür begeistert – und jetzt sind auch schon die Enkel dabei.Gerade die kleineren Gemeinden tun sich oft schwer, da fehlen zunehmend die jungen Leute. Anderseits bekommen jetzt mit Dürrwangen und Ornbau zwei kleine Gemeinden im Landkreis Ansbach neue Partnerkommunen im Limousin.

Information: Das Buch "1981-2021: Deutsch-Französische Regionalpartnerschaft" von Sylvie Feja und Henri Ménudier ist in diesem Jahr erschienen. Es ist ist zum Selbstkostenpreis von zehn Euro unter regionalpartnerschaften@bezirk-mittelfranken.de oder Telefon 0981/4664-10117 erhältlich.

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