Freude am Fischen

Die neue Lust aufs Angeln: Pandemie sorgt für einen Boom in Bayern

15.6.2021, 06:00 Uhr
In der freien Natur die Angelrute auswerfen und geduldig auf einen dicken Fisch am Haken warten - viele Menschen haben während der Pandemie ihre Freude an dieser Freizeitbeschäftigung entdeckt.

In der freien Natur die Angelrute auswerfen und geduldig auf einen dicken Fisch am Haken warten - viele Menschen haben während der Pandemie ihre Freude an dieser Freizeitbeschäftigung entdeckt. © Jens Büttner/dpa

Dieser Boom sorgt allerdings auch für logistische Probleme: "Während der Lockdowns ging ja eine Zeit lang gar nichts", bedauert Peter Neuner, der Vorsitzende des Fischereivereins Nürnberg. Zwar konnten sich die Interessenten in Online-Kursen auf den Angelschein vorbereiten, doch der praktische Teil der Ausbildung und die Prüfungen waren angesichts der Corona-bedingten Einschränkungen zeitweise kaum möglich. "Die ganze Theorie kann man sich gut zuhause am Computer aneignen, aber viele Dinge wie Knoten binden oder die Handhabung der Ausrüstung lernen Sie halt am besten bei praktischen Übungen direkt am Wasser."

Die Folge: Die Anglervereine schieben zurzeit eine große Bugwelle von noch zu absolvierenden Fischereiprüfungen vor sich her. "Wir müssen schauen, dass wir das jetzt nach und nach abarbeiten", sagt Jörg Zitzmann, der Präsident des Fischereiverbandes Mittelfranken, der sich aber über das deutlich gestiegene Interesse freut. "Es ist schön, wenn sich wieder mehr Menschen für dieses Hobby in der freien Natur begeistern und dadurch auch für ökologische Fragen sensibilisiert werden."

Rückstau muss nun abgearbeitet werden

Etwa 9000 Menschen in Bayern legten im Corona-Jahr 2020 die Prüfung zum Fischereischein ab - etwas weniger als in den vorangegangenen Jahren, doch mit zusätzlichen Prüfungsterminen will der Landesfischereiverband den Rückstau nun nach und nach abarbeiten. "Aber das wird schon noch eine Weile dauern, denn wir hatten lange überhaupt keine Planungssicherheit", sagt Verbandssprecher Thomas Funke.

Zudem ist die Vorbereitung auf die Prüfung nicht zu unterschätzen. Anglerfreunde müssen die richtigen Antworten auf über 1000 Fragen kennen, wenn sie bestehen wollen. Darüber hinaus müssen sie vor dem Prüfungstermin 30 theoretische und praktische Pflichtstunden absolvieren.


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Eine weitere Gruppe hat für einen Angel-Boom im Freistaat gesorgt, nämlich Menschen, die während der Pandemie ihr altes Hobby wiederentdeckt haben. "Viele haben bereits vor vielen Jahren den Fischereischein gemacht, ihn dann aber wenig oder überhaupt nicht genutzt. Und die sind dann zum Beispiel zum Angeln gegangen, statt Urlaub im Ausland zu machen", berichtet Jörg Zitzmann.

Nachfrage nach Gewässerscheinen stark gestiegen

Dieser Trend spiegelt sich an vielen Gewässern in der Region wider, denn die Nachfrage nach sogenannten Gewässerscheinen ist für viele Angelreviere sprunghaft gestiegen. "Es wurden vor allem wahnsinnig viele Tageskarten abgenommen. Die Verluste bei den angelnden Touristen im vergangenen Jahr, etwa im Fränkischen Seenland, wurden dadurch aufgefangen", freut sich Mittelfrankens Fischereipräsident.

Auch der Fischereiverband Oberpfalz verzeichnete 2020 einen regelrechten Run auf Gewässerscheine, umgangssprachlich auch Angelkarten genannt, mit denen Angler gegen eine entsprechende Gebühr die privatrechtliche Erlaubnis erwerben, an einem bestimmten Gewässer ihre Angel auszuwerfen. "Auch in diesem Jahr ist die Nachfrage sehr hoch", sagt Chris Weigl von der Verbands-Geschäftsstelle in Regensburg. Kein Wunder, denn auch die Oberpfalz ist mit zahlreichen Seen und sage und schreibe 14.000 bewirtschafteten Fischweihern ein Dorado für Fisch- und Angelfreunde.


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Hatten die Verbände auch mit mehr Schwarzfischerei zu kämpfen? "Dieses Problem haben wir eigentlich immer, auch weil die Staatsanwaltschaften wegen angeblich mangelndem öffentlichem Interesse viele Verfahren leider schnell einstellen", sagt Jörg Zitzmann. Aber es werde viel kontrolliert, allein im Bezirk Mittelfranken sind etwa 70 Fischereiaufseher regelmäßig unterwegs.

Vereine erwarten mittelfristig Mitgliederzuwächse

Dass die neue oder auch alte Liebe zum Angeln nach dem Ende der Pandemie wieder abkühlen könnte, befürchtet der fränkische Fischereifunktionär übrigens nicht. "Ich glaube, dieses geänderte Bewusstsein wird sich halten", sagt Zitzmann. Die Nähe zur Natur und die entspannende Wirkung dieses Hobbys hätten viele zu schätzen gelernt. Und manche Varianten des Angelns könnten auch sportlich herausfordernd sein, da sei für jeden was dabei.

Mittelfristig erwartet der Landesfischerverband mit seinen knapp 140.000 Mitgliedern auch Zuwächse in den Vereinen. "Bisher hat sich da nicht wahnsinnig viel verändert, aber das wird wohl noch kommen", hofft Thomas Funke. Auch Peter Neuner glaubt, dass sich ein Teil der neuen Aktiven eine gewisse Zeit nach der bestandenen Fischereiprüfung einem Club anschließen wird. "Dann müssen sie nicht immer neue Tageskarten erwerben und können angeln, wann sie wollen", nennt der Vorsitzende des Fischereivereins Nürnberg einen Vorteil einer festen Mitgliedschaft.

Und natürlich kann auch ein Hobby wie Angeln in der Gemeinschaft mehr Spaß machen. "Alleine ist es oft eine eher mühselige Geschichte."

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