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Dienstag, 01.12.2020

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Die wechselvolle Geschichte eines roten Lkw

In Kitzingen wird ein rares Fahrzeug nach "drei Leben" ausgemustert - 29.10.2020 14:29 Uhr

So sah der rote Lastwagen der Feuerwehr Kitzingen im Jahr 2006 aus - schon nach dem Umbau zum Versorgungs-Lkw

29.10.2020 © Martin Regner


Der abgebildete Magirus-Deutz vom Typ 120D7FA wurde anno 1976 in Ulm an der Donau gebaut. Zum Zeitpunkt der Auslieferung an die Feuerwehr der Stadt Kitzingen in Unterfranken war der Aufbau noch ein anderer als heute, nämlich ein Koffer mit seitlichen Rollladen. Es handelte sich um sogenanntes Löschgruppenfahrzeug LF8. Hinter dem kleinen Vorsatz im Kühlergrill versteckt sich eine Vorbaupumpe, mit der Löschwasser gefördert werden kann. Der ursprünglich verbaute Kofferaufbau enthielt allerhand Werkzeug und Gerätschaften zum Löschen von Bränden, unter dem kantigen Fahrerhaus arbeitet ein luftgekühlter Dieselmotor mit 120 PS.

Umbau 1998

In das "erste Leben" des roten Lkw, das bis zum Jahr 1998 dauerte, fällt etwa der Großeinsatz der Feuerwehr Kitzingen beim Brand im Rathaus am 31. Dezember 1984: Vermutlich durch eine Silvesterrakete geriet damals der Dachstuhl des historischen Gebäudes inmitten der Altstadt in Vollbrand. Als das LF8 im Jahr 1998 nicht mehr benötigt wurde, hätte die Geschichte des Feuerwehrautos zu Ende sein können. Aber es sollte anders kommen: Mit Hilfe vom Feuerwehrverein wurde der damals schon 22 Jahre alte Einsatzwagen umgebaut zum Versorgungs-Lkw. Der ursprünglich installierte Kofferaufbau musste einer Pritsche mit Plane und Ladebordwand weichen.

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In dieser Form nutzte die Feuerwehr Kitzingen ihr bewährtes Einsatzfahrzeug weiter bis 2011, also noch einmal 13 Jahre lang. Auch bei dem 2006 veranstalteten Feuerwehr-Oldtimertreffen am Feuerwehrhaus war der betagte Wagen dabei. Und auch als 2011 mit der Ausmusterung aus dem Feuerwehrdienst sein "zweites Leben" zu Ende ging, war die Geschichte des roten Lkw noch nicht vorbei: Er wurde in den Fuhrpark des städtischen Bauhofs übernommen, wo sich der Pritschenaufbau und insbesondere die Ladebordwand am Heck als sehr praktisch erwiesen.

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Fortan diente der alte Wagen etwa zur Pflege der Kitzinger Grünanlagen mit einem Balkenmäher und blieb so weitere 9 Jahre im Straßenbild präsent. Jetzt geht mit rund 77.000 Kilometern auf dem Tacho das "dritte Leben" zu Ende: Die Stadt Kitzingen bietet das Fahrzeug zum Verkauf an, Interessenten können bis zum 10. November 2020 ihre Gebote abgeben. Der Zustand hat seit dem Foto, das 2006 entstand, gelitten; insbesondere der Rost hat dem betagten Wagen arg zugesetzt. Ob dem roten Lkw nach seinem wechselvollen Dasein ein "viertes Leben" als Oldtimer in Sammlerhand vergönnt sein wird? Es könnte auch sein, dass seine nächste Fahrt direkt zum Schrottplatz führt ...


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Martin Regner

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