Die Zukunft der Kommunikation

20.6.2012, 00:00 Uhr
Chatten, Mailen, Skypen, Posten ist Alltag für die sogenannten „Digital Natives“ – eine Generation, die sich ganz selbstverständlich im Internet bewegt. Die Gewissheit, ständig erreichbar zu sein, ist ihnen wichtig.

Chatten, Mailen, Skypen, Posten ist Alltag für die sogenannten „Digital Natives“ – eine Generation, die sich ganz selbstverständlich im Internet bewegt. Die Gewissheit, ständig erreichbar zu sein, ist ihnen wichtig. © picture alliance/obs

Damit sich Waschmaschine und Windrad ungestört unterhalten können, und auch die örtlichen Stadtwerke noch ein Wörtchen mitzureden haben über die Kosten des nächtlichen Treibens, müssen die Mitarbeiter des Lehrstuhls für Informationsübertragung an der Universität Erlangen-Nürnberg für eine Art Haushaltsgeräte-Telefonnetz sorgen. „Daten von Punkt A zu Punkt B zu bringen, das ist unser Arbeitsfeld“, sagt Clemens Stierstorfer, Akademischer Rat und damit rechte Hand des Lehrstuhlinhabers Johannes Huber. Informationstheorie basiert auf Mathematik und am Computer errechneten Kodierungen. „Menschen kommen da eigentlich nicht vor“, sagt Stierstorfer. Doch die Menschen spüren die Auswirkungen seiner Arbeit.

Huber wird beim Wissenschaftstag eine Diskussionsrunde über die Innovationskraft seines Faches leiten. Erst vorgestern saß er in einer Eisdiele und ihm gegenüber ein junges Pärchen. „Die beiden haben auf ihren Handys herumgetippt. Sie haben kein Wort miteinander gesprochen und sich nicht angeschaut“, erzählt Huber. „Das finde ich furchtbar.“ Dabei sind er und seine Mitarbeiter mitverantwortlich dafür, dass die Kommunikation in der Stadt der Zukunft sicherlich weiter zunehmen wird. „Das wird auf jeden Fall eine große Rolle spielen, aber wir werden auch lernen müssen mit den sozialen Konsequenzen umzugehen.“

Eigentlich arbeiten die Informationstechniker daran, dass die Menschen sich gut verstehen. „Den Erfindern des Telefons ging es darum, überhaupt zu hören, was die Person am anderen Ende der Leitung sagt“, erklärt Stierstorfer. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland die ersten Telefonkabel verlegt. „Das sind Kupferdrähte mit ein bisschen Papier außenherum – mehr nicht“, sagt Stierstorfer. Doch viele werden bis heute genutzt. „Solange kein Bagger kommt und sie kaputt macht, würde es sich wirtschaftlich nicht lohnen, sie auszutauschen.“ Handynutzer erwarten heute immer und überall gute Gesprächsqualität. Die Informationstechniker komprimieren das Sprachsignal, so dass nur eine geringe Datenmenge übertragen werden muss. Außerdem schicken sie ein weiteres Signal durch die Leitung, das Fehler erkennt und sie korrigiert. „Überall, wo Daten übertragen werden, passiert das heutzutage automatisch“, sagt Stierstorfer. Ein Kratzer auf der CD ist daher lange nicht so schlimm wie auf einer Schallplatte.

Beim Bau der ersten Stromnetze hatte allerdings noch niemand daran gedacht, dass auch sie eines Tages Daten weiterleiten sollen. „Wenn das Staubsaugerkabel in die Steckdose eingesteckt wird, verändert das das Netz“, beschreibt Stierstorfer die Problematik. „Darum wäre eine Unterhaltung zwischen der Waschmaschine und Windjraftanlage heute noch relativ chaotisch.“

 

1 Kommentar