15°

Donnerstag, 22.10.2020

|

zum Thema

Die Zwischensaison nutzen: Bunter Wanderherbst im Oberallgäu


Nach der Sommer- und vor der Wintersaison zeigt sich das Allgäu maximal abwechslungsreich - 08.10.2020 13:40 Uhr

Wandern im Herbst? Bei schönem Wetter ist das im Allgäu auch Ende Oktober noch ein Genuss. Hier an der Viehtränke einer Hütte. 

© Matthias Niese


Gerade als wir aus dem Tiefenberger Moos heraustreten – einer dieser letzten großen und mit ihren bizarren Bäumen etwas unheimlichen Moorlandschaften der Alpen – hören wir in der Ferne eine getragene Melodie. Die Sonne hat uns im späten Herbst nochmal einen warmen Tag im Oberallgäu beschert und versinkt gleich hinterm Geißberg bei Oberstdorf. Wir laufen hinauf nach Ofterschwang, da stimmen noch mehr Alphörner in das beruhigende Lied ein.

Harmonien wie diese erklingen fast täglich, manchmal sogar mehrfach am Tag im Tal zwischen Westerhofen und Tiefenberg. Sie gehören hier dazu wie andernorts die Kuhglocken oder der stündliche Klang der Kirchenglocken – niemand mag sie mehr missen. Wenn die Melodien erklingen, legt hier so mancher Bauer sein Werkzeug beiseite und tritt vor den Hof, um zu lauschen.

Bilderstrecke zum Thema

Das Oberallgäu in der Zwischensaison

Wenn die eine Saison noch nicht ganz rum ist und die andere noch nicht angefangen hat, wenn sich etwa Schnee UND Sonne zeigen, ist das Oberallgäu maximal abwechslungsreich. Wir waren dort aktiv unterwegs und haben auch in TopHotels, Brauereigasthöfen und Sennereinen Feines ausprobiert.


Jörg Pöschl hat mal wieder Besuch, diesmal sind es Freunde aus der Schweiz, die ihre Alphörner mitgebracht haben und mit ihm ein paar alte Lieder üben. Auch sein ehemaliger Lehrer aus dem Oberallgäu ist dabei, er hat ihm vor 20 Jahren die Kunst beigebracht, dem vier Meter langen Holzhorn Töne zu entlocken. Mit denen übermittelten die alemannischen Älpler einst Signale und beruhigten ihre Tiere. "Obwohl man dieses Instrument ähnlich spielt wie eine Trompete, geht es hier nicht um zackige Märsche, sondern um sanfte Melodien", sagt der Hotelier, der sein Haus auch gleich noch nach dem Alphorn benannt hat.

Hier haben sie die Schweiz perfekt kopiert

Die eine Saison geht zu Ende und die andere hat noch nicht ganz angefangen. Die Kühe wurden schon von den Hochalmen ins Tal geschafft und stehen dort mit bimmelnden Glocken auf den Wiesen – auf den Geh- und Wanderwegen müssen wir unzähligen Kuhfladen ausweichen. Das Allgäu ist nun mal Almenland. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte der Anbau von Flachs für Seile kein Geld mehr. Die Menschen importierten Kühe aus der Schweiz, stellten auf Milchwirtschaft um und kopierten auch gleich noch den Käse – siehe der Allgäuer Emmentaler.

In der Höhe haben nur noch vereinzelt gut erreichbare Hütten offen. Die Liftbetreiber der vielen verstreuten Skigebiete haben schon die Schneekanonen installiert und hoffen, dass trotz Corona eine einigermaßen einträgliche Wintersaison bevorsteht, an den Seilbahnen wird letzte Hand angelegt. Alle warten, dass es kalt genug wird und der Schnee auch in tieferen Lagen für ordentlich weißen Belag auf den Pisten sorgt. Spätestens Anfang Dezember soll es losgehen mit Skibetrieb.

Auf dem Hörnerweg nahe Balderschwang und Ofterschwang hat man dieses tolle Panorama aufs Oberallgäu.

© Matthias Niese


Wer in dieser Zwischenzeit ins Oberallgäu reist, der erlebt mit etwas Glück an sonnigen Tagen eine strahlende Bergwelt mit noch immer sehr grünen Wiesen, durch die an den freien Tagen und den Wochenenden vor allem Ausflügler aus dem Allgäu und seinen Städten wie Kempten oder Memmingen streifen – ansonsten ist wenig los.
Hochalpin ist vor allem das Tannheimer Tal, schon Tirol, doch touristisch und von der Mentalität her Teil des Allgäus. Der Klassiker ist die Fahrt hinauf aufs Neunerköpfle und von dort auf herrlichem Panoramaweg über drei Bergseen hinab bis zum Vilsalpsee. Ob man die Tour noch gehen kann, sollte man wie bei allen anderen Touren auch sicherheitshalber vorher erfragen.

Eine ebenso schöne, etwas kürzere Runde ist die Fahrt mit dem Weltcup-Express von Ofterschwang hinauf aufs gleichnamige Horn und dann immer am Grat entlang von Gipfel zu Gipfel bis Bolsterlang. Wer vom ebenfalls gleichnamigen Horn nicht hinabsteigen möchte, kann sich an der Bergstation der Hörnerbahn ein dreirädriges Mountaincart leihen und ist in nur 20 Minuten Kurve um Kurve ins Tal hinabgesaust. Liegt schon Schnee, geht das nur noch mit dem Schlitten. Übers Tiefenberger Moos kann man dann nach Ofterschwang wandern und mit etwas Glück gegen Nachmittag schon aus der Ferne den Klängen des Alphorns lauschen.

Im Nieselregen die tosende Klamm erkunden

Man spricht hier übrigens schwäbisch, die Allgäuer sind wie die Schweizer Alemannen und vielleicht deshalb auch so begeistert von ihrem Alphorn. Und sie sind stolz auf ihre Käsespätzle mit eigenem Bergkäse, die in wirklich jedem Gasthaus auf der Karte stehen.

Was viele nicht wissen: Das Allgäu ist auch Brauereienland. Das Dörfchen Rettenberg hat drei zum Teil uralte Familienbrauereien, die in urigen Stuben oder Hütten natürlich auch Käsespätzle zum Brauerschnitzel servieren. Ideal zur Einkehr, wenn die Berghütten schon geschlossen sind. In dieser Zwischenzeit sind aber eher die Tage häufiger, an denen man morgens aufwacht und in eine neblige Suppe blinzelt, aus der unablässig Nieselregen auf Mensch und Kuh fällt. Man könnte sich nun länger im Hotelbett verkriechen und dann Bad oder Sauna genießen.

Ein Bergsee im Thannheimer Tal in Tirol - dieser Teil des österreichischen Bundeslandes zählt sich noch zum Allgäu.

© Matthias Niese


Man kann sich aber auch – in Regensachen eingemummelt – auf eine kleinere Tour an unzähligen Viehöfen vorbei durch die hügelige Landschaft machen, ob als kurzer Spaziergang oder ausgedehnte Wanderung. Besonders toll an Regentagen sind etwa die Breitachklamm, der Tobel bei der Gunzesrieder Säge oder die Starzlachklamm. Denn nun fließt noch mehr Wasser tosend durch die Felsen-Enge – und wenn dann auch noch Nebel in der Klamm hängt, bekommt das Naturerlebnis etwas Mystisches.

Mehr Informationen:
Allgäu Tourismus
www.allgaeu.de
Tel.: 0831/5753730 sowie
AllgäuTopHotels
www.allgaeu-top-hotels.de
Tel.: 0831/5753777
Anreise:
Gut drei Stunden und etwa 300 Kilometer ab Nürnberg nach Sonthofen über Ulm. Rund drei Stunden auch mit dem Zug über Augsburg nach Kempten. Weiter per Bus.
Beste Reisezeit:
Frühling bis Herbst Aktivurlaub, sonst Wintersport.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Region