Discounter säuft ab: Unwetter sorgt für Chaos in Fürth

19.8.2017, 12:25 Uhr
Erschreckender Anblick: In Burgfarrnbach überstand gleich eine ganze Baumgruppe das Unwetter nicht.

Erschreckender Anblick: In Burgfarrnbach überstand gleich eine ganze Baumgruppe das Unwetter nicht. © Barbara Rök

Gewaltige Regenmengen prasselten am Freitagabend vom fränkischen Himmel: Bei einem schweren Unwetter über der Region kam es zu zahlreichen Schäden, vor allem in und um Fürth, wo Hagel, Wind und Regen viel Zerstörung hinterließen. Die Feuerwehren kamen den Notrufen kaum hinterher.

In Fürth wurde die Berufsfeuerwehr verstärkt von sämtlichen Kollegen, die eigentlich keinen Dienst hatten, sowie von allen zwölf Freiwilligen Feuerwehren der Stadt, dem Technischen Hilfswerk und 30 Löschgruppenfahrzeugen aus Nürnberg. In der Leitstelle Nürnberg gingen zwischen 18 und 2 Uhr insgesamt 800 Notrufe ein, davon 500 wegen des Unwetters.

Burg bleibt am Wochenende geschlossen

Im Landkreis waren rund 200 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus verschiedenen Orten im Einsatz, schätzt Kreisbrandrat Dieter Marx. Sie werden wohl die ganze Nacht hindurch arbeiten müssen. Allein in Cadolzburg zählte die Feuerwehr am späten Abend schon 70 Einsätze. Die gerade erst wiedereröffnete Veste wurde beschädigt, Teile des Daches wurden abgedeckt. Im Burggarten wurde ein Apfelbaum entwurzelt. Für Reparaturarbeiten bleibt die Burg das komplette Wochenende geschlossen.

Viele Bäume stürzten auf Autos oder - etwa in der Egersdorfer Waldsiedlung - auf Häuser. Schwer getroffen wurde das Wohngebiet Egersdorf-Nord. Am Pfalzhausweg wurde ein Dachstuhl weggerissen, weitere Dächer wurden dabei beschädigt. Was nicht fest war, flog durch die Luft, auch ein Trampolin. Gärten sahen verwüstet aus.

In Seukendorf und Langenzenn waren es bis zum späten Abend jeweils rund 20 Einsätze, vor allem wegen umgestürzter Bäume. In Stinzendorf verloren Scheunen ihr Dach. Einige Einsätze wurden auch in Großhabersdorf gemeldet, in Oberreichendorf brannte durch einen Blitzeinschlag eine Stromleitung. In Weiherhof schoss eine Diele der Terrasse durchs Fenster ins Wohnzimmer einer Familie, und verfehlte die Kinder nur knapp.

In Zirndorf wurde die Netzkonstruktion großflächig aufgerissen, die wegen der laufenden Sanierung die Fassade und den Turm der katholischen Kirche umhüllt. Bis in den späten Abend hinein war die Feuerwehr damit beschäftigt, das Gerüst auf Schäden zu überprüfen und die herumfliegenden Schutznetze soweit zu sichern, dass keine Gefahr mehr für den Verkehr und für Passanten bestand.

In Hiltmannsdorf im Landkreis Fürth stand das Wasser einen Meter hoch auf der Straße. In Keidenzell, im Landkreis Fürth war ein Auto zwischen mehreren Bäumen eingeschlossen.

Sturmböen, die mit bis zu 90 Stundenkilometern über die Straßen fegten, deckten in Burgfarrnbach das Dach eines Supermarktes ab. Der Verkaufsraum lief voller Wasser. Experten vor Ort sprachen von einem Totalschaden, die Lebensmittel, die sich im Laden befanden, sind kaputt. Fahrzeuge, die vor dem Markt parkten, wurden schwer beschädigt. Verletzt wurde zum Glück niemand: Als das Personal bemerkte, dass es reinregnete, schickte es die Kunden in den Eingangsbereich. Am späten Abend mussten sich die Einsatzkräfte noch um eine einsturzgefährdete Scheune in Burgfarrnbach kümmern.

An mehreren Orten in der Stadt knickten Bäume um oder stürzten um - ein besonders erschreckender Anblick bot sich in der Geißäckerstraße in Burgfarrnbach. Die Feuerwehr in Fürth wurde auch zu einem Zelt gerufen, in dem Personen eingeklemmt worden waren. Allerdings konnten sie sich retten, bevor die Einsatzkräfte ankamen. Eine Person wurde verletzt.

In der Hafenstraße, die unweit des Main-Donau-Kanals liegt, löste sich wohl ein Teil eines Transportschiffes. Das tonnenschwere Teil des Daches flog in Richtung Fahrbahn und blieb zwischen einem Baum und der Leitplanke hängen. Verletzt wurde auch hier niemand, die Hafenstraße war gesperrt.


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Auch einen Caravanhändler in Unterfarrnbach traf das Unwetter schwer. Dort überschlugen sich durch den Wind mehrere Wohnwagen. Der Schaden dürfte immens sein, gleich mehrere Fahrzeuge liegen auf dem Dach.

Ebenfalls in Unterfarrnbach stürzte an der Regelsbacher Straße ein Stück einer Grundstücksmauer in den Farrnbach. An der neuen Dreifachturnhalle begrub ein umgekippter Baum zwei Autos. In der Friedrich-Ebert-Straße wurde die alte Martersäule von einem umgestürzten Baum zu Boden gerissen, dabei brach sie in mehrere Teile.

Für Probleme sorgte das Gewitter auch im fränkischen Bahnverkehr. Mehrere Strecken sind derzeit komplett gesperrt. Zwischen Nürnberg Nordost und Gräfenberg krachten Bäume ins Gleis und auch zwischen Fürth und Cadolzburg geht momentan nichts, die Strecke zwischen Wachendorf und Fürth ist laut Marx übersät von Bäumen. Die Deutsche Bahn arbeitete fieberhaft an einem Schienenersatzverkehr. Alle Infos zum Zugverkehr finden Sie in unserem Streckenticker.

Die Schäden im Landkreis Fürth dürften nach dem Unwetter in die Hunterttausende gehen.

Die Schäden im Landkreis Fürth dürften nach dem Unwetter in die Hunterttausende gehen. © ToMa

 

Der Artikel wurde am 19. August um 12.25 Uhr aktualisiert.

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