Hochwasser

Dramatische Lage nach Starkregen: Katastrophenfall in Oberbayern ausgerufen

17.7.2021, 23:05 Uhr
Im oberbayerischen Berchtesgaden und wenige Kilometer weiter im österreichischen Hallein (Bild) hat die Flut Bäume, Autos und Menschen mit sich gerissen.

© Screenshot Twitter Im oberbayerischen Berchtesgaden und wenige Kilometer weiter im österreichischen Hallein (Bild) hat die Flut Bäume, Autos und Menschen mit sich gerissen.

Betroffen seien vor allem die Orte Berchtesgaden und Bischofswiesen im äußersten Südosten Bayerns. Dort schieße das Wasser aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an. Wegen abrutschender Hänge seien schon einzelne Häuser geräumt worden. Der Landkreis koordiniere ab sofort den Einsatz. Die Menschen in den Orten seien dazu aufgerufen worden, ihre Keller nicht mehr zu betreten.

"Lage ist unübersichtlich"

Nach verheerenden Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist damit nun die nächste Region in Deutschland von Hochwasser nach Starkregenfällen betroffen. "Es kommen ständig Notrufe rein", sagte ein Polizeisprecher in Rosenheim. Im Landkreis Berchtesgadener Land seien sämtliche Feuerwehren gefordert. "Die Lage ist unübersichtlich", sagte der Sprecher. "Es regnet stark." Bundesstraßen seien überflutet oder wegen Murenabgängen gesperrt worden. Das Landratsamt hat gegen 22.30 Uhr bereits den Katastrophenfall ausgerufen.

Auch auf der anderen Seite der Grenze, im österreichischen Hallein, ist die Lage dramatisch. Nach sintflutartigen Regenfällen ist die Innenstadt überflutet, ein Bach hat sich zu einem reißenden Strom entwickelt, bestätigte die Polizei am Samstag entsprechende Videos, die im Internet zu sehen sind.

"Die Situation ist sehr angespannt, teils dramatisch", sagte ein Polizeisprecher. Allerdings gebe es derzeit keine Hinweise auf Verletzte. Auf den Videos ist zu sehen, wie Autos von den Wassermassen mitgerissen werden. Laut ORF wurde der Zivilschutzalarm ausgelöst. Nach Angaben der Feuerwehr lagen am späten Abend aber keine Meldungen über Vermisste, Verletzte oder gar Tote vor.

Menschen, die in ihren Häusern eingeschlossen waren, seien mit Hilfe von Booten oder Lastwagen geborgen worden, sagte Landesfeuerwehr-Kommandant Günter Trinker. Das Wasser floss laut Behörden am späten Abend teilweise wieder ab. Dennoch bleibe die Lage in der 22.000-Einwohner-Stadt angesichts möglicher neuer Regenfälle angespannt.

Schon zuvor war die Bevölkerung aufgerufen worden, vorsichtig zu sein und die Keller nicht aufzusuchen. Auch in anderen Teilen der österreichischen Alpen ist die Situation angespannt. So musste rund um Kitzbühel die Feuerwehr zahlreiche Keller leer pumpen.

Zur gleichen Zeit entwickelt sich auch im Osten Deutschlands ein neuer Hochwasserschwerpunkt. Extreme Regenfälle von teils mehr als 100 Litern pro Quadratmeter haben am Samstag in der Sächsischen Schweiz zu Überflutungen geführt. Einzelne Ortslagen seien nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am Abend mit. Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch. Die Behörde mahnte dringend, Keller, Tiefgaragen und Unterführungen zu meiden. Zudem könnten überflutete Straßen und Wege große Gefahren darstellen.

Im sächsischen Oberlungwitz steht nach heftigen Regenfällen eine Straße unter Wasser.

Im sächsischen Oberlungwitz steht nach heftigen Regenfällen eine Straße unter Wasser. © André März, dpa

Nach Angaben des Landeshochwasserzentrums wurde am Abend am Pegel Neustadt 1 an der Polenz die Alarmstufe 4 überschritten. In den Unterläufen der Kirnitzsch, der Sebnitz und des Lachsbaches habe es einen "extremen Wasserstandsanstieg" gegeben. "Es sind starke Überschwemmungen zu erwarten", warnte das Hochwasserzentrum.

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