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Eichstätt: Pfarrer-Verhaftung schockiert Gläubige

Priester sitzt seit 20. August in Untersuchungshaft - 26.08.2013 07:00 Uhr

In der Heidecker Stadtpfarrkirche wurde gestern eine Erklärung zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den Geistlichen abgegeben, der seit einigen Tagen in U-Haft sitzt. © NN


In den betroffenen Pfarrgemeinden machte sich nach dem Bekanntwerden der Nachricht ungläubiges Entsetzen breit.

Der Grund erscheint einleuchtend. Ein katholischer Pfarrer aus dem Bistum Eichstätt war am vergangenen Dienstag festgenommen worden, weil er in früheren Jahren einen minderjährigen Buben missbraucht haben soll. Inzwischen ist gegen den Seelsorger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. „Der Priester sitzt seit dem 20. August in Untersuchungshaft,“ bestätigte ein Bistumssprecher. Als Grund für die Inhaftierung des Priesters nannte die Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr.

2004 die Stelle gewechselt

Der heute 48 Jahre alte Mann soll sich zwischen 1998 und 2001 als Pfarrer in Reichertshofen-Sengenthal (Landkreis Neumarkt) mehrmals an einem Jungen unter 14 Jahren vergangen haben. 2004 wechselte der Geistliche nach Mittelfranken, nach Heideck im südlichen Landkreis Roth. Dort wirkte er bis zu seiner Verhaftung als Stadtpfarrer.

In Eichstätt wolle man zunächst die Ermittlungsergebnisse zu dem Fall abwarten und erst danach über weitere eigene Schritte entscheiden, sagte der Bistumssprecher. Das Verfahren sei voll und ganz an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden, so der Vertreter der Diözese.

Am Wochenende verlasen Beauftragte des Bistums in den Gottesdiensten der betroffenen Gemeinden entsprechende Erklärungen. In der Stadtpfarrkirche Heideck übernahm diese Aufgabe Bischofsvikar Georg Härteis im Auftrag von Generalvikar Isidor Vollnhals. Dabei war in Liebenstadt bei Heideck die Anwesenheit der Presse nicht erwünscht: Kaplan Dominik Pillmayer drohte mit Hausverbot und juristischen Schritten.

„Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt der Unschuldsverdacht“, betonte Härteis, Leiter der Personalkammer für die Priester in der Diözese Eichstätt. Der Bischofsvikar bat in dieser „für uns alle erschütternden und verwirrenden Situation“ um einen „angemessenen Umgang mit Opfer und Beschuldigtem“.

Härteis teilte mit, dass er den Beschuldigten vor zwei Tagen in der U-Haft besucht habe. „Es geht ihm den Umständen entsprechend einigermaßen gut. Er hat auf mich einen beherrschten Eindruck gemacht“, sagte Härteis. Die Situation sei nicht nur für den Inhaftierten sehr belastend, sondern auch für die Gläubigen in den betroffenen Pfarreien.

Unter Tränen

Als der Brief aus Eichstätt verlesen wurde, seien die Kirchenbesucher in Reichertshofen wie vom Donner gerührt gewesen. „Die Leute sind weinend aus der Kirche gekommen“, berichtet Josef Panzer, dessen Frau lange Jahre dem Pfarrgemeinderat vorstand. Niemand mochte glauben, was man ihrem früheren Pfarrer anlastete.

Er habe den inhaftierten Geistlichen als sehr umgänglichen Mann kennengelernt, sagt Josef Meier, der zur fraglichen Zeit Bürgermeister in der Gemeinde Sengenthal war. Von Vorwürfen, wie sie jetzt vorgebracht werden, habe er nie auch nur andeutungsweise etwas gehört.

hr/hcb (Nürnberger Nachrichten)

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