Sonntag, 29.03.2020

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Ein T-Shirt misst den Blutdruck von chronisch Kranken

Im digitalen Gesundheitsdorf sollen intelligente Geräte die Ärzte entlasten - 24.03.2020 06:02 Uhr

Sensoren in der Wohnung, wie sie auch beim Fraunhofer-Projekt "Digitales Gesundheitsdorf" eingesetzt werden, nehmen beispielsweise wahr, wenn Senioren gestürzt sind. © Fraunhofer IGD


Stellen Sie sich vor: Sie sind 80 Jahre alt und noch recht rüstig. Sie leben allein in einem Dorf in Oberfranken, der Umzug in ein Seniorenheim kommt für Sie nicht in Frage, zumal Ihre Kinder nur wenige Kilometer von Ihnen entfernt leben und Sie nur wenige gesundheitliche Probleme haben: Bluthochdruck und Diabetes, alles gut behandelbar. Wenn nur der Hausarzt nicht so weit entfernt wäre und der ambulante Pflegedienst häufiger kommen könnte...


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Ein derartiges Szenario haben Andreas Hamper, Projektleiter beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Nürnberg, und seine Kollegen vor Augen, als sie Ende 2018 damit beginnen, sich mit der Idee eines "digitalen Gesundheitsdorfes" zu beschäftigen. Wie können ältere Menschen auf dem Land gesund und sicher länger in den eigenen vier Wänden leben?

Immer weniger Hausärzte

Durch einen Wettbewerb des Freistaats für bayerische Landkreise und Kommunen, bei dem im Jahr 2016 mit Hilfe der Digitalisierung Antworten auf die Herausforderungen im ländlichen Raum durch den demographischen Wandel gesucht werden, stoßen die Fraunhofer-Experten auf das Obere Rodachtal im oberfränkischen Landkreis Kronach. Dort wird bis im Jahr 2028, so die Prognose, jeder dritte Bürger betreuungsbedürftig und/oder älter als 65 Jahre alt sein. Zeitgleich sinkt die Zahl der Jüngeren um 20 Prozent.

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Wie gemacht für das Forschungsprojekt, das der Freistaat fördert und Fraunhofer als Forschungspartner in Nordbayern umsetzt, scheint der Zusammenschluss aus mehreren Gemeinden zu sein. Noch gibt es im Oberen Rodachtal sechs ansässige Hausärzte, alle allerdings im Schnitt über 60 Jahre alt. Dass jeweils rechtzeitig Nachfolger gefunden werden, gilt als unwahrscheinlich.

Weniger Routinearbeiten, weniger Dokumentation

Was also tun? Hamper: "Die vorhandenen Ärzte und Pflegekräfte müssen sich künftig auf die direkte Arbeit mit den Menschen konzentrieren können, weniger auf Routinearbeiten oder die Dokumentation." Für letztere soll es deshalb technische Lösungen geben, an denen bis zu 15 Fraunhofer-Experten gemeinsam mit der örtlichen Caritas arbeiten.

Seit dem Jahr 2016 bemühen sich Forscher und Entwickler unter der Überschrift "Digitales Dorf" in interdisziplinären Teams um neue digitale Lösungen in den Lebensbereichen Medizin und Pflege, Mobilität, Bildung und Nahversorgung. Inzwischen erprobt Fraunhofer in ausgewählten Modellregionen, wie praxistauglich die einzelnen Ansätze sind, darunter auch die vernetzte Versorgung für Senioren im eigenen Zuhause im Kreis Kronach oder die digitale Wohnberatung im Oberpfälzer Kreis Tirschenreuth, die hilft, wenn ein barrierefreier Ausbau nötig wird.

Im Kreis Kronach soll es in diesem Sommer richtig losgehen. Aufgrund des großen Aufwands werden zunächst nur sechs private Testhaushalte im Oberen Rodachtal, in denen Ältere, chronisch Kranke oder Pflegebedürftige leben, mit kluger Haustechnik und allerlei Sensoren ausgestattet. Eine automatische Beleuchtung soll beispielsweise verhindern, dass der Bewohner im Dunkeln stolpert und stürzt, wenn er nachts mal zur Toilette muss. Bewegungsmelder registrieren, ob der Patient morgens überhaupt aufgestanden ist, Sensoren zeigen an, ob er den Kühlschrank geöffnet hat.

Waschbar, aber geringer Tragekomfort

Die Probanden selbst, denen keine Kosten entstehen, erhalten ein für diesen Zweck konzipiertes Blutdruckmessgerät, eine spezielle Waage und ein von Fraunhofer entwickeltes T-Shirt, das ebenfalls Gesundheitsdaten messen kann. "Das T-Shirt 24 Stunden lang an sieben Tagen in der Woche zu tragen, empfehlen wir nicht", schränkt Hamper ein. So hoch sei der Tragekomfort schlicht nicht. Sinnvoll sei es stattdessen, das trotz eingebauter Elektronik waschbare T-Shirt zum Beispiel nachts zu tragen oder bei einem Spaziergang, wenn es gilt Körperfunktionen zu kontrollieren, während sich der Proband bewegt.

Welche Daten überhaupt und wie detailliert erhoben und an wen sie übertragen werden, legt der Teilnehmer selbst fest. "Unser System", betont Fraunhofer-Mann Andreas Hamper, "kann weder Diagnostik noch Therapie ersetzen, es stellt aber eine sinnvolle Ergänzung dar."


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