Donnerstag, 04.03.2021

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Eine Million Klicks und drei Verfahren: Autofahrer schimpft über Corona-Regeln

Der 34-Jährige wurde nach 21 Uhr kontrolliert - 11.01.2021 16:31 Uhr

Das gerade einmal sechseinhalb Minuten lange Video zeigt ausschließlich G. als Autofahrer, wie er sich bei einer "allgemeine Verkehrskontrolle" verhält. Polizeibeamte hatten seinem Fahrzeug mit hohem Tempo nachgesetzt, weil er um 21.45 Uhr noch auf der Landstraße unterwegs war - eine dreiviertel Stunde nach Beginn der in Bayern geltenden Ausgangssperre. Im Zwiegespräch mit den Beamten machte G. seinem Ärger über den "Müll" an den einschlägigen Vorschriften und über den "blöden Söder" Luft und verweigerte Angaben darüber, welchen Grund er und seine Beifahrerin hatten, zu dieser Stunde noch unterwegs zu sein.

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Im Netz erntete G. mit seinem Video fast nur Zuspruch. Er wurde als "Mann des Tages" gefeiert, man zollte ihm "Respekt" und lobte seine Reaktion als "gut gemacht". Die zuständige Polizei in Ingolstadt sieht das anders. Abgesehen von zwei Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen den Kontrollierten und seine Mitfahrerin werde auch wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes (Paragraph 201 Strafgesetzbuch) ermittelt, bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Ingolstadt. Freilich ist nur die Stimme des Polizeibeamten im Video zu hören. Zudem ließ er erkennen, dass er sich über das Laufen der Handykamera im Klaren ist. "Sie filmen sich wohl gerne?", fragte der Beamte.


Verstoß gegen Ausgangssperre: Was passiert, wenn kein triftiger Grund genannt wird?


Ob das zweite drohende Strafverfahren überhaupt in Gang kommt, hängt vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) ab. Falls er sich durch die Schimpfkanonade des Bürgers beleidigt fühlt, müsste er Strafantrag stellen. Schon wurde in den Sozialen Diensten vorgeschlagen, einen Fonds zur Begleichung etwaiger Anwaltskosten und Strafen einzurichten. Einen triftigen Grund, sich nach 21 Uhr außerhalb der Wohnung aufzuhalten, will der 34-Jährige gehabt haben.

Nur bei eine Polizeikontrolle würde auffallen, wenn ein Straftäter die Auflagen nicht befolgt.

22.11.2013 © Patrick Seeger (dpa)


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