Donnerstag, 24.10.2019

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Eine «neue Mitte« für Fürth

Planungen für ein großes Einkaufszentrum mitten in der Stadt - 15.07.2008

Seit Jahren steht das ehemalige Modehaus Fiedler mitten in Fürth leer. Nun wird es, ebenso wie das Park-Hotel (gelbes Gebäude) abgerissen. Entstehen soll in dem Karree an der Freiheit ein großes Einkaufszentrum. © Winckler


Wie berichtet, soll bis 2011 ein großes Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von rund 25000 Quadratmetern zwischen der Fürther Freiheit und der Schwabacher Straße, beidseits der Rudolf-Breitscheid-Straße, entstehen.

Dort, wo seit Jahren das Park-Hotel vor sich hingammelt und mehr oder weniger schöne Geschäfte ihr Dasein fristen, will Sonae Sierra auf 12000 Quadratmeter Grundfläche bauen, was sich Jung seit Jahren wünschte und nicht mehr zu träumen wagte. Ein modernes, schickes und architektonisch passendes Einkaufszentrum mitten in der Stadt.

Sonae Sierra klingt exotisch, doch das Unternehmen hat es in sich. 1989 gegründet, gehört die Firma zur Hälfte dem Sonae-Konzern, der wiederum der reichsten Familie Portugals gehört. Sonae sei mit 35000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber des Landes außerhalb des Bankensektors, erklärt Thomas Binder, Deutschland-Geschäftsführer von Sonae Sierra. Weltmarktführer ist das Unternehmen etwa bei der Spanplattenherstellung. «Da ist Pfleiderer klein dagegen«, sagt der Fürther Wirtschaftsreferent Horst Müller mit Blick auf das Neumarkter Unternehmen. Außerdem ist Sonae der größte Mobilfunkbetreiber in Portugal.

Auch der zweite Eigentümer von Sonae Sierra hat es in sich: Grosvenor aus England. In den Presseunterlagen ist von einem «privat geführten Familienunternehmen, das in den Bereichen internationale Immobilienentwicklung, Investitionen und Fond Management tätig ist«, die Rede. Tatsächlich steckt hinter dem Namen Grosvenor der Herzog von Westminster und damit einer der reichsten Männer Großbritanniens. Der Familie gehört ein gutes Stück Grund und Boden der Londoner City. Von einer «außergewöhnlichen Eigenkapitalbasis« spricht Sonae-Manager Binder.

An der Bonität des Unternehmens besteht also kein Zweifel. Der Nettogewinn des Jahres 2007 wird mit 300 Millionen Euro angegeben. 150 Millionen sollen in Fürth investiert werden. Derzeit betreibt das Unternehmen 48 Einkaufszentren in Brasilien und Europa, in Deutschland bisher in Berlin am Alexanderplatz, in Münster und bald bei Weiterstadt an der Autobahn A5. Marktführer sei man in Portugal und Spanien.

Auf den Standort Fürth kam Sonae Sierra nach aufwändigen Marktanalysen. «Wir sind da wissenschaftlich rangegangen«, erklärt Geschäftsführer Binder. Gesucht wurden Städte, in denen Einzelhandelsangebote fehlen und deshalb relativ viel Kaufkraft in andere Städte abfließt. 10 bis 15 solche Standorte seien identifiziert worden, und ganz oben auf der Liste stand Fürth. Über 100 Millionen Euro Kaufkraft fließen jährlich aus Fürth ab, weiß Wirtschaftsreferent Müller. Wohin, weiß er auch: nach Nürnberg. Das soll sich ändern.

Sonae-Manager Binder beugt eventuell auftretenden Vermutungen vor, bei seinem Unternehmen könnte es sich um eine nur am Monetären orientierte Firma handeln. «Wir sind keine Heuschrecken.« Seit Sonae in Einkaufszentren macht, sei kein einziges wieder verkauft worden. «Uns geht es um langfristige Investitionen.«

Großen Wert lege man außerdem auf «standortadäquate« Architektur. Will heißen. Ein von Sonae Sierra gebautes Einkaufszentrum soll sich in den jeweiligen Standort einfügen. Ultramodern wurde zum Beispiel das Einkaufszentrum «Vasco da Gamma« in Lissabon auf dem Gelände der Weltausstellung gebaut - «unser Flagschiff«, wie Thomas Binder stolz erzählt. In Porto dagegen betreibe man ein Center, das in alte Bausubstanz integriert wurde.

In Fürth bedeutet das, dass denkmalschützerisch wertvolle Fassaden stehen bleiben. Besondere Freude in der Stadtspitze löst die Tatsache aus, dass der selbst bei vielen Fürthern in Vergessenheit geratene, aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende Theatersaal im Parkhotel revitalisiert wird. Ein «kulinarisches Highlight« soll darin entstehen, verspricht Thomas Binder.

Charakteristisch für ein Sonae-Einkaufszentrum sei die Verbindung von Einkaufen mit Freizeit und Unterhaltung. Binder: «Wir bauen keine reinen Verkaufsmaschinen.« In Südeuropa arbeite man beispielsweise mit Bowlingcentern oder Kinos zusammen. Ein attraktives Kino soll es dank Sonae auch wieder in der Fürther Innenstadt geben.

Ob der portugiesische Investor auch beim kränkelnden City-Center einsteigt, ist noch offen. In der kommenden Woche finde eine zweite Verhandlungsrunde mit der 300 Mitglieder umfassenden Eigentümerversammlung des City-Centers statt, so Sonae-Manager Binder Thomas Binder.

Das Konzept des Unternehmens hat nicht nur die Politik überzeugt. Auch der Einzelhandel sei ganz überwiegend positiv gestimmt, stellt Wirtschaftsreferent Müller erfreut fest. Er weiß: Das ist keine Selbstverständlichkeit bei einem solchen Projekt. Nur einer ist dagegen, so scheint es: Stadtheimatpfleger Alexander Mayer. Das geplante Shopping-Center ähnele von «seiner funktionalen Aufteilung einem Flughafenterminal«, kritisiert Mayer in seinem aktuellen Rundbrief.

OB Jung weist dies zurück: «Es wird etwas schönes Neues entstehen und Tristesse verschwinden.«

Stephan Sohr

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