8. August 1964: Flussname Regnitz erhitzt die Gemüter

8.8.2014, 07:00 Uhr

Seit einem Jahrhundert aber spitzen bis in die Gegenwart Forscher die Federn und verfechten „ihre“ Rednitz oder „ihre“ Regnitz, fordern andere heraus, die lächelnd meinen, man könnte doch alles lassen wie es ist: dass Rezat die zwei fränkischen und schwäbischen Quellflüsse, Rednitz das Mittelstlück bis Fürth und Regnitz der Unterlauf zwischen Pegnitzmündung und Bamberg heißen.

Gerade in Erlangen wurde die Auseinandersetzung einst mit Heftigkeit ausgetragen. Denn im Gegensatz zu anderen Gebieten, durch die das Wässerchen fließt, bescherte die salomonisch-bayerische Lösung aus dem 19. Jahrhundert der Stadt mit „Regnitz“ einen Namen, der hier wenigstens fremd war. Bis heute fällt es in Erlangen schwer, in der ganzen Flussnamensgeschichte nicht ein „unhaltbares Kuriosum“ oder „Spintisiererei“ zu erblicken, sondern das Ergebnis einer kulturhistorisch bemerkenswerten Entwicklung.

Lehrer sollten die Schuldigen sein

Als vor nun gerade 100 Jahren im „Erlanger Tagblatt“ Leserbriefe die Fehde einleiteten, waren zuerst die Lehrer und dann die Humanisten die Schuldigen. Konrad Celtis sollte 1502 in seinem Buch über Nürnberg die Regnitz durch ein Versehen erfunden haben, als er den „Pegnesum“ in den „Regnesum“ münden ließ. Heute, das ist eine Frucht der vielen Mühen, weiß man, dass zu Bamberg schon im 14. Jahrhundert Regnitz geschrieben wurde.

Damit ist der Streit aber noch lange nicht beigelegt. Wie im Jahre 1864 könnte auch heute ein biederer Leser seinem Ärger Luft machen: er gehörte zwar nicht zu den klugen Professoren, möchte aber gerne wissen, in welchem Fluss er als Knabe beinahe ertrunken wäre.

In die Rolle dieses Lesers geriet MdL Peter Zink, als er vor Monaten eine bemerkenswerte Arbeit über die Mönau und den Markwald studierte. Erstaunt über eine Karte, die den Fluss bei Erlangen Rednitz nannte, schrieb er dem Verfasser und erhielt von Oberregierungsforstrat Theodor Rettelbach eine für die Verwirrung bezeichnende Antwort.

„Obwohl als Unterfranke niedrig geboren“, so hieß es darin, „war es mir in früheren Jahren bewusst, dass Erlangen an der Regnitz liegt. Erst als mich das Schicksal zu einem Mittelding zwischen Mittel- und Oberfranken aufwachsen ließ und ich damit in die geistige Ausstrahlung der Universität Erlangen geriet, kam dieses festgefügte Wissen ins Wanken: die Sprachwissenschaftler und Volkskundler lassen Erlangen an der Regnitz liegen; aber die Geografen haben auch ihre Grundsätze, und nach denen liegt Erlangen an der Rednitz.“ In seiner geografischen Arbeit schloss sich Rettelbach also der Erlanger Geografentradition an.

Warum die Erlanger Geografie noch heute die Regnitz nicht anerkennt, begründet zum Beispiel Prof. Dr. Joachim Blüthgen in seiner geschätzten Erlangen-Arbeit: nicht nur aus Pietät gegenüber Robert Gradmann, der für die bis zur Gegenwart einzige Landeskunde Süddeutschlands die Schreibweise Rednitz wählte, sondern ebenso aus praktischen Erwägungen.

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