Alkoholkonsum mit Folgen fürs Baby

8.9.2020, 18:17 Uhr
Jasmin Rüffer, Leiterin der Beratungsstelle.

Jasmin Rüffer, Leiterin der Beratungsstelle. © Foto: privat

Frau Rüffer, warum hat das FASD Netzwerk Nordbayern diese Beratungsstelle eingerichtet?

Das Netzwerk gibt es seit 2010. Es hat sich zum Ziel gesetzt, darüber aufzuklären, welche Schäden der Alkoholkonsum von Müttern während der Schwangerschaft bei Kindern anrichten kann, denn das ist immer noch viel zu wenig im Bewusstsein. Bisher wurde viel in Richtung Prävention gemacht. Es hat sich aber nicht zuletzt durch die Selbsthilfegruppe in Erlangen – mit Teilnehmern aus ganz Deutschland – gezeigt, dass viele Familien mit Kindern mit FASD und auch die Betroffenen selbst Unterstützung brauchen.

Wer nutzt das Beratungsangebot?

Bei denjenigen, die sich an uns wenden, handelt es sich in der Regel um Pflege- oder Adoptiveltern. Wir ermuntern aber auch die leiblichen Mütter, die ein Kind mit Auffälligkeiten haben und die in der Schwangerschaft Alkohol konsumiert haben, sich an uns zu wenden. Viele wissen nicht, dass es uns gibt, weil die Krankheit nicht bekannt genug ist, und sie wissen vermutlich auch nicht, dass die Beratung anonym ist.

Wie häufig kommen denn Alkoholschäden bei Kindern vor?

Man weiß, dass jede Stunde ein Kind mit FASD in Deutschland geboren wird. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher.

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

Es ist eine seelische Behinderung mit körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen. Sie wird selten diagnostiziert. Es gibt sehr viele Menschen mit FASD, die selbst zwar wissen, dass etwas nicht stimmt, aber die nicht wissen, was es ist. Außerdem haben viele FASD-Betroffene Begleiterkrankungen wie Depression und Trauma.

Wie können Sie in der Beratungsstelle helfen?

Wir beraten zum Beispiel im Bereich Frühförderung und zum Übergang der Jugendlichen mit FASD ins Erwachsenenleben. Außerdem bieten wir eine sozialrechtliche Beratung an.

Weitere Informationen: fasd-netz.de

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