Älteste Boy-Group Bayerns

12.1.2015, 18:39 Uhr
Die Erlanger A-cappella-Formation „Stadl Harmonists“ hat im Kleinkunsttheater Fifty-Fifty ihre Premiere eines Konzertabends bestanden.

Die Erlanger A-cappella-Formation „Stadl Harmonists“ hat im Kleinkunsttheater Fifty-Fifty ihre Premiere eines Konzertabends bestanden. © Foto: Greiner

Drei Millionen sahen Joseph Vilsmaiers 1997 entstandenen Kinofilm, 34 000 ließen sich im vergangenen Jahr vom Musical auf der Luisenburg in Wunsiedel begeistern, und zum Jahresende 2014 gab es im Erlanger Theater an Silvester zwei Mal ein volles Haus: Der A-cappella-Gesang der „Comedian Harmonists“ feiert eine verdiente Renaissance.

Nur etwa sieben Jahre, zwischen 1928 und 1935, war es dem Sextett vergönnt, mit seiner Musik Deutschland zu verzaubern. Dann musste es sich trennen: Die Nazis verhängten aufgrund der drei jüdischen und „nichtarischen“ Mitglieder ein Auftrittsverbot.

Proppenvoller Saal

Ihre Musik ist geblieben – und hat im Jahr 2000 auch acht, später neun Männer aus Büchenbach, Kosbach und Fürth fasziniert, unter ihnen Ingenieure von Siemens und Areva sowie Verwaltungsmitarbeiter an der Universität. Die meisten von ihnen sangen im Kosbacher Stadl-Chor mit. Zusammen mit dessen musikalischem Leiter Knut-Wulf Gradert (71) – ehemaliger Schulleiter der Grundschule Tennenlohe sowie der Singschul-Filialen Büchenbach und Tennenlohe – bildeten sie die „älteste Boy-Group Bayerns“: die Stadl-Harmonists.

In all den Jahren hatten sie einzelne Auftritte bei Feiern, Vereinsfesten und bei Mitternachtsmessen in Kirchen, in der Reha-Klinik in Bad Steben, bei Partnerschaftsreisen nach Wladimir, Jena und Eskulstina oder in Gainsborough/England und in Belfast/Nordirland. Vor einem Jahr buchten sie dann einen Termin für den Januar 2015 im Erlanger Fifty-Fifty: zum ersten eigenen Konzertabend.

22 Lieder unterschiedlicher Couleur, meist vierstimmig und damit anspruchsvoll für jeden Einzelnen arrangiert, mit zahlreichen Soloeinlagen, eingebettet in eine wechselnde Choreografie, unterbrochen durch eine erklärende Moderation, vor einem proppenvollen Saal mit einem erwartungsvollen Publikum – für die neun Show-Laien ein aufregendes Erlebnis.

So spürte man denn anfangs beträchtliches, durchaus Sympathie weckendes Lampenfieber, das sich auch dank der mitgehenden Besucher bald legte und nach der Pause verschwunden war. Die Hits der Comedien Harmonists (etwa „In der Bar zum Krokodil“, „Das ist die Liebe der Matrosen“, oder „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“) wechselten sich ab mit dem „Kriminaltango“ und dem Konjunktur-Cha-cha von Hazy Osterwald, dem „Gedanken, dass ich dich einmal verlieren könnt’“ von den Nielsen Brothers, sowie „Love Me Tender“ von Elvis Presley. Gar stürmisch wurde der Beifall bei der „Diplomatenjagd“ von Reinhard Mey und Frank Sinatras „My Way“. Dass ausgerechnet das einzige deutsche Volkslied „In einem kühlen Grunde“ die klangliche Perfektion der Stadl Harmonists am beeindruckendsten aufscheinen ließ, lässt auf die Unvergänglichkeit dieses Formats hoffen.

Zuletzt hatten die Akteure auf der Bühne den meisten Spaß an ihrem Auftritt. Die neun Männer, alle in Ehren ergraut, wurden zu drei Zugaben gefordert – und entließen ihr begeistertes Publikum mit einem grünen Kaktus und dem Wunsch nach Sonnenschein ins Wochenend’. Und da es sich um ein Benefizkonzert handelte, durfte sich am Schluss Ines Rauschmaier von der „Ronald-McDonald-Oase“ in Erlangen über eine Spende von 1840 Euro freuen.

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