Für Frida Poeschke und Shlomo Lewin

Antisemitischer Doppelmord: Braucht Erlangen Gedenktafel?

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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12.11.2020, 12:30 Uhr

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Sie wünschen sich ein angemessenes Gedenken an Shlomo Lewin und Frida Poeschke. Kommt das im Stadtbild zu kurz, Frau Sommerrock?

Ja absolut. Wussten Sie, dass es eine Lewin-Poeschke-Anlage gibt? Viele kennen diese nur unter dem Namen Bürgermeistersteg. Unter dem offiziellen Straßenschild ist bis jetzt nur ein kleiner Vermerk zu sehen, der auf einen Mordanschlag hinweist. Dass es sich um eine antisemitische Tat handelt, wird unterschlagen. Dass der Täter Rechtsextremist und Mitglied der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann war, bleibt unerwähnt. Es fehlt eine angemessene Gedenktafel.

Woran liegt Ihrer Meinung nach die kaum vorhandene Beachtung des Doppelmordes in Erlangen?

Viel zu lange wurde der Gedanke verdrängt, dass es eine antisemitische Tat sein könnte. Über Monate hinweg wurde nur im privaten Umfeld der Opfer ermittelt, obwohl es etliche Beweisstücke gab, die einen politischen Tathintergrund nahelegten. Dies folgt einer Tradition, den mörderischen Antisemitismus in Deutschland als Phänomen der Nazizeit zu betrachten. Die unzureichende Entnazifizierung wird lieber ignoriert oder vertuscht.

Nun haben Sie an dem Ort eine eigene Info-Tafel aufgestellt. Was erfährt der Spaziergänger dort?

Wir haben das Leben und Wirken von Shlomo Lewin und Frida Poeschke dargestellt. Es wird unterstrichen, dass der Mörder kein Einzeltäter war. Außerdem werden die schwerwiegenden Fehler der ermittelnden Behörden thematisiert.

Sollte die Tafel an der Stelle bleiben?

Unsere Plakate können natürlich nur eine Übergangslösung sein. Notwendig ist, dass dort ein würdiger Gedenkort entsteht.

Haben Sie bei der Stadt schon nach einer Möglichkeit gefragt, eine langfristige Info-Tafel zu installieren?

Wir haben an die Erlanger Linke einen Antrag geschickt, der die Erstellung einer angemessenen Gedenktafel unter Einbeziehung aller dazu relevanten gesellschaftlichen Organisationen fordert. Unseres Wissens nach steht die Erlanger Linke nun im Gespräch mit den anderen demokratischen Fraktionen, um diese Gedenktafel zu erwirken. Wir hoffen, dass der Antrag mit großer Mehrheit angenommen wird.

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