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Apnoetaucher aus Franken knackt einen neuen Rekord

Jens Stötzner trainiert in Nürnberg, Fürth und Erlangen, jetzt fährt er zu WM - 31.08.2019 11:00 Uhr

Das Ziel waren mehrere deutsche Rekorde, am Ende wurde es einer: Jens Stötzner tauchte auf 64 Meter Tiefe, obwohl er noch Probleme mit dem Druckausgleich hatte. © Foto: Jens Stötzner


Es ist schon fast Abend, trotzdem stellen sich immer wieder neu Menschen in der Schlange vor dem Freibad an. "Mal wieder 30 Grad, da kommen alle", sagt Jens Stötzner. Er kennt sich hier aus, im Sommer trainiert er nach der Arbeit regelmäßig im Nürnberger Westbad. Im Wasser allerdings sieht der 52-Jährige etwas anders aus als die anderen im Becken. Und meistens sehen die anderen ihn auch gar nicht.

Er kann sieben Minuten lang die Luft anhalten

Wenn Stötzner einmal abtaucht, ist er für Schwimm-Verhältnisse ziemlich lange weg. Eine Bahn, oder zwei, drei, bleibt er ganz ruhig, kann er sieben Minuten lang die Luft anhalten. Das ist natürlich nicht normal. Stötzner übt das regelmäßig, er ist Apnoetaucher, einer der besten in Deutschland. Mitte August stellte er einen neuen deutschen Rekord auf. Am Sonntag fährt er zur Tieftauch-WM nach Nizza.

Jens Stötzner wohnt in Zirndorf, arbeitet in Nürnberg und trainiert unter anderem in Erlangen beim Tauch-Club Scubuddies. Geboren ist er in Berlin, und das hört man schon am Dialekt. Seit Anfang der neunziger Jahre aber ist der IT-Experte ein Franke. Sportlich war Stötzner schon immer, als Kind ruderte er und ging in den Schwimmverein. Später trainierte er für den Triathlon, natürlich über die Extrem-Distanz, zweimal war er Junioren-Vizeweltmeister beim Ironman auf Hawaii.

Doch Geld verdienen konnte man damit nicht. "Es war ein Leben von der Hand in den Mund. Doch man muss ja auch in die Zukunft schauen." Als 26-Jähriger hörte er auf mit Triathlon und begann sein Studium. Zum Sport kam er erst später wieder, los ging es mit Schwimmen. "Das war aber langweilig, deshalb habe ich angefangen zu tauchen."

"Es kann passieren, dass man einen Blackout hat"

Das macht er jetzt sehr erfolgreich. Was ihm an Apnoetauchen, dem Freitauchen mit nur einem Atemzug, gefällt, ist der "körperliche Aspekt". Bei einer Tauchschule in Fürth machte er 2012 seinen ersten Kurs. "Da habe ich gemerkt, dass ich gar nicht so schlecht bin." Schnell ging es auf die ersten Regional-Wettkämpfe. "Es hat mir wirklich gefallen. Viel spielt sich beim Apnoetauchen im Kopf ab, aber nicht nur. Man muss auch hart trainieren, wenn man vorne mitmischen will." Der Zeitaufwand aber sei im Vergleich zu einer Triathlon-Vorbereitung überschaubar.

Fährt zur WM: Jens Stötzner © Foto: Jens Stötzner


Vor einem großen Wettkampf ist Stötzner jeden Tag im Wasser. Lernen musste er vor allem, auf seinen eigenen Körper zu hören. "Beim Triathlon beißt man sich durch bis zum Ziel." Es geht darum, eigene Grenzen zu überwinden. Das allerdings kann beim Apnoetauchen sehr gefährlich sein, hier darf man das eigene Limit nicht überschreiten. "Sonst kann es passieren, dass man einen Blackout hat und bewusstlos wird." Passieren würde dabei nichts, "es muss immer ein Buddy beim Tauchen dabei sein". Bei Wettbewerben ist alles mehrfach abgesichert.

Jens Stötzner jedenfalls hat keine Angst. Er hat seine eigene Grenze immer wieder verschoben. Bei einem Wettkampf in Polen im Hancza See hat er Mitte August einen neuen deutschen Tieftauchrekord in der Disziplin "Constant Weight BiFins" aufgestellt, also nicht mit einer Mono-Flosse, sondern mit klassischen Flossen, die man auch vom Schnorcheln kennt. Er verbesserte den bestehenden Rekord um acht Meter auf 64 Meter Tiefe.

"Als würde man eine Besteigung des Mount Everest planen"

Kälte und Dunkelheit sind ein Problem. Anders als im Meer sinkt die Temperatur im See von 20 Grad an der Oberfläche auf fünf Grad auf 60 Meter. "Man muss sich darauf vorbereiten, als würde man eine Besteigung des Mount Everest planen." 3:20 Minuten kommt Stötzner mit einem Atemzug aus, während er unter größten körperlichen Anstrengungen abtaucht. "Es geht um Effizienz." Der Körper lernt, Unnötiges auszuschalten. So kann der Apnoetaucher auch die vielen Menschen im Freibad einfach ausblenden. 

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