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Samstag, 24.08.2019

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Arbeitet der Biber im Auftrag der Regierung?

Meister Bocklet arbeitet am Ebersbach und am Brandbach an der Biotopvernetzung sowie am Hochwasserschutz — eine Führung. - 12.08.2019 19:15 Uhr

Wilfried Schwarz zeigte einer zehnköpfigen Gruppe bei der Biberwanderung Lebensraum und Wirkungsweise von Meister Bocklet in den Ebersbach- und Brandbachauen. © Sandra Kramps


Der Biberbeauftragte des Landkreises Forchheim, Wilfried Schwarz, führte eine zehnköpfige, recht interessierte Gruppe entlang des Ebersbaches auf der Suche nach Spuren des Bibers.

Zunächst ging es im Süd-Teil bis ans Regenrückhaltebecken Brand-/ Ebersbach zur dortigen Biberfamilie. Diese gestaltet die Auen-Natur, gemäß dem Ziel der Bundesregierung, 10 Prozent Biotopvernetzung zu erreichen, nun bereits seit fünf Jahren. Fleißig sind die Tiere dabei, durch Aufstauen des ganzjährig wasserführenden Ebersbaches, den gewünschten Biotopverbund zu schaffen.

Mehrere Wassergräben und Biber-Rutschen haben die beiden Bäche miteinander verkoppelt. Neben der Erledigung dieses "Regierungs-Auftrags" leistet der Wasserbaumeister aber auch kostenlosen Hochwasserschutz. Dazu hat er zwischen Auen-Biotop und Ortseingang von Dormitz fünf Dämme gebaut, die bei Starkregen helfen Hochwasser zurückzuhalten.

Anschließend ging es Richtung Norden zur zweiten Biberfamilie, die seit zirka vier Jahren im Feuchtbiotop Lange Wiesen am Ebersbach zu Hause ist. Viele Jahre hat der BN das Biotop gepflegt und nun rege Unterstützung durch den Biber bekommen. Dieser werkelt inzwischen wassertechnisch so genial, dass ihm bis auf die Pflege einer kleinen eingebetteten Orchideenwiese nun die Gestaltung der Bach-Aue überlassen werden kann. Mehrere Dämme und eine Biberburg sind im Feuchtbiotop angelegt. Auch hier hat sich die Landschaft im Sinne des Regierungs-Auftrags gewandelt.

Vom Biber initiierte Feuchtgebiete sind nicht nur artenreicher als jedes vom Menschen angelegte Biotop, sondern auch wesentlich kostengünstiger. In Auen sind sie Lebensraumschwerpunkte für bis zu 90 Vogel-, 29 Libellen- und eine große Anzahl von Pflanzenarten. Überdies herrscht hier eine bis zu 80-fach höhere Fischdichte, auch wiederum Baustein der Nahrungskette, von dem nicht nur der Biber profitiert.

Offensichtlich fühlen sich die beiden Biberfamilien in den Bach-Auen sehr wohl, wie es das exzellente Gestaltungsergebnis zeigt. Eine Familie

besteht in der Regel aus den zwei Alttieren, ein bis drei Jungtieren aus dem Vorjahr und der gleichen Anzahl diesjähriger junger Biber. Die Jungen leben bei ihren Eltern, bis sie mit ungefähr zwei bis vier Jahren geschlechtsreif werden. Natürliche Feinde haben erwachsene Biber nur durch den Wolf, Jungtiere allerdings werden von Altfüchsen gejagt.

Wilfried Schwarz als Biberbeauftragter fällt hier die wichtige Aufgabe als Vermittler zwischen den Ansprüchen des Bibers und denen des Menschen zu; und er rundete die Exkursion mit lebendigen Berichten aus seiner täglichen Arbeit rund um den Biber ab. 

SANDRA KRAMPS

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