Donnerstag, 04.03.2021

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Auch die Uni Erlangen ist mit Experimenten im All vertreten

Interview mit dem Astrophysiker Jörn Wilms aus Anlass der Landung des Marsrovers Perseverance - 24.02.2021 12:22 Uhr

Die Illustration zeigt den Nasa-Rover "Perseverance" bei der Landung auf dem Mars.

23.02.2021 © NASA/dpa


Herr Prof. Wilms, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen als Sie am Donnerstagabend vergangener Woche die Worte „touchdown confirmed“ (Landung bestätigt) aus dem Nasa-Kontrollzentrum gehört haben?

Ich habe mich hier für die Kolleginnen und Kollegen von JPL und der mit der Mission verbundenen Institute natürlich sehr gefreut, wie übrigens auch für die Verantwortlichen der Missionen aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die diesen Monat ebenfalls erfolgreich Missionen zum Mars gebracht haben. Raumfahrtprojekte sind ja immer sehr riskant, und bei Perseverance  kommt zum Flug zum Mars noch eine Landung hinzu mit einer Kombination aus Fallschirm, Rakete und dem so schön benannten "Himmelskran", an dem Perseverance die letzten Meter abgelassen wurde. Das musste alles vollautomatisch funktionieren und ist wirklich eine besondere technische Leistung.

Was ist das Besondere und das für Sie faszinierende an dieser Mission?

Perseverance ist in einer besonders interessanten Gegend gelandet. Von oben sieht sie so aus, wie die Sedimente und das Geröll eines früheren Flusses. Neben der Untersuchung der Geologie soll Perseverance auch nach Anzeichen früheren primitiven Lebens suchen, wie zum Beispiel organischen Verbindungen oder Fossilien. 

Prof. Jörn Wilms

23.02.2021 © privat


Dazu braucht es ja Wasser. Das ist natürlich eine ganz besonders faszinierende Frage - neben der Erde sind im Sonnensystem nur auf dem Mars und vielleicht auf dem Jupitermond Europa die Bedingungen so, dass es dort Leben geben könnte.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Weltraummissionen mit Beteiligung Erlanger Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Wann wird das wieder mal der Fall sein?

Wir hatten ja 2019 mit dem Start von Spectrum-X-Gamma aus Kasachstan einen Start mit Beteiligung aus der Remeis-Sternwarte, wo wir jetzt sehr erfolgreich Daten aufnehmen. Der nächste Start einer Mission, an der wir in der Sternwarte beteiligt sind, wird wohl in den frühen 2030er Jahren erfolgen, nach fast 20 Jahren der Vorarbeit. In der Begutachtung durch die Weltraumagenturen sind gerade noch zwei kleinere Missionen, an denen wir beteiligt sind, die etwas früher starten würden. Hier handelt es sich um ein rein europäisches Projekt und eine Kollaboration von China und Europa. Aber das nächste Mal, dass etwas aus Erlangen in den Weltraum gehen wird, ist hoffentlich schon in zwei Jahren, wenn ein Experiment meines Kollegen Dr. Michael Lebert von der Zellbiologie zur internationalen Weltraumstation gebracht werden soll.

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