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Baiersdorf: "Point of Presence" sorgt für Unmut

Bürger wurden über die Aufstellung eines Hauptverteilers für das Glasfasernetz nicht informiert - 10.04.2021 10:30 Uhr

Völlig überrascht wurden die Bewohner des Flieder- und des Tulpenwegs von dem Aufstellen eines Hauptverteilers für das Glasfasernetz in Baiersdorf.

09.04.2021 © Harald Hofmann


Wie Bürger in Gesprächen mit unserer Zeitung betonten, ärgert sie vor allem, dass sie in keinster Weise über die Platzierung des sogenannten "Point of Presence" (POP) informiert worden seien. Dieser ist in etwa so groß wie eine Fertiggarage, mit einem Imitat aus Kunststoff in Form von weißen Backsteinen verkleidet und aus Sicherheitsgründen von einem Maschendrahtzaun umsäumt.

Sorgen wegen Lärmentwicklung

Er befindet sich auf einem Grundstück, das einst für die Mittagsbetreuung in einem Container, aber auch für einen Lerngarten der nahen Grundschule genutzt wurde. Von der Optik des Hauptverteilers sind die Bürger, die im Umkreis wohnen, nicht sonderlich begeistert. "So ein Kasten macht die ganze schöne Aussicht kaputt", sagt eine der Betroffenen aus dem Tulpenweg.

Sie macht sich auch Sorgen wegen Belästigungen durch Lärm und die Abluft der Klimaanlage: "Wenn das Ding am Tag und in der Nacht ständig vor sich hin surrt, mindert das Lebensqualität erheblich." Ein Mann, der ein Haus im Fliederweg besitzt, hat zudem Bedenken, dass gesundheitsschädliche Strahlung aus dem Hauptverteiler entkommen könnte.

Lange Zeit sei das Areal brach gelegen. Erst durch ein Schreiben des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung der Stadt Erlangen, dass Mitarbeiter vor Ort die genauen Maße der Fläche ermitteln würden, habe man erfahren, dass es wohl Pläne für eine neue Nutzung gebe. Ein Anwohner konnte trotz mehrmaliger Anfragen beim Bauamt nichts Konkretes in Erfahrung bringen, stieß aber bei Youtube auf eine Video von einer ihm vorher unbekannten Online-Veranstaltung der Deutschen Glasfaser Holding. Darin kam auch zur Sprache, dass ein "Point of Presence" am Fliederweg installiert werden soll. Bei einem Treffen mit Vertretern der Deutschen Glasfaser und des Bauamts trugen die Bürger daraufhin ihre Bedenken vor.

In Bayern gibt es besonders auf dem Land einen Nachholbedarf bei Glasfaseranschlüssen.

Ein Umdenken bewirkte dies freilich nicht, denn schließlich rückten Bagger an und hoben eine kleine Baugrube aus, in die der weiße Kasten einen Tag später mit einem Kran hinuntergelassen wurde.

Klaus Hutzler, der Geschäftsleitende Beamte der Baiersdorfer Stadtverwaltung, bedauert es im Nachhinein, dass die Bürger nicht besser über den Standort des "Point of Presence" aufgeklärt wurden: "Wir haben schlicht nicht damit gerechnet, dass sich Leute darüber beschweren könnten."

Das Projekt sei als genehmigungsfrei eingestuft worden, was aber noch einmal vom Landratsamt sorgfältig überprüft werde. "Alles deutet darauf hin, dass wir richtig lagen", so Hutzler. Über den Ausbau des Glasfasernetzes in Baiersdorf generell sei natürlich immer wieder berichtet worden. Bei der Frage, wo die Hauptverteiler hinkommen, müsse eben auch auf technische Aspekte Rücksicht genommen werden.

Kommen Verbesserungen?

Der Geschäftsleiter hofft, dass der Quader nicht mehr so stark auffällt, wenn die Obstbäume und Sträucher auf dem Grundstück üppigeres Grün zeigen. Die Stadt will außerdem mit dem Betreiber reden, ob weitere Maßnahmen zur optischen Verbesserung möglich sind.

Die Deutsche Glasfaser gibt Entwarnung wegen möglicher Belästigungen oder Gefahren durch den Verteiler. "Hierfür gibt es exakte Richtlinien, die hinsichtlich der Abschirmung und der Abstände natürlich eingehalten werden. Der POP ist völlig unbedenklich", hebt eine Sprecherin hervor. Gegen die weiteren Hauptverteiler in Hagenau an der Egerlandstraße und in Igelsdorf an der Bubenreuther Straße gab es bisher keine Proteste.

SCOTT JOHNSTON

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