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Beim Comic-Salon prämiert: Interview mit dem Zeichner Mawil

In Erlangen mit Preis für den besten deutschsprachigen Comic ausgezeichnet - 23.06.2014 05:58 Uhr

Der Zeichner Markus Witzel alias Mawil in Erlangen.

22.06.2014 © oh


Noch vor Ort rief Mawil — da die „Angabe des Todes“ eine zentrale Rolle im Comic spielt — dazu auf, Tischtennis gegen ihn bei seiner Ausstellung im „Ultra Comix“ zu spielen. Allerdings sei es ihm nur um Rundlauf gegangen, nicht um direkte Duelle, behauptet der 37-Jährige später. Ein Gespräch über Tischtennis, Manga und den bekanntesten Nerd mit Brille.

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Es geht in „Kinderland“ ja viel um Tischtennis. Hast Du früher selbst Tischtennis gespielt?

Mawil: Ja, sonst hätte ich das nicht machen können. Es muss schon irgendein Thema sein, das man selber mitgekriegt oder ein bisschen Leidenschaft dafür hat. Sonst kann man das nicht entsprechend rüberbringen.

"Es gibt ein paar ernstere Szenen und es gibt diese sehr manga-mäßigen Tischtennis-Szenen. Es soll aber die Leidenschaft darstellen", erklärt Mawil

22.06.2014 © oh


Kannst Du vielleicht das Geheimnis der Angabe des Todes verraten?

Mawil: Kann ich nicht, die ist sehr mystisch. Flix, Joscha Sauer, Hannes Ulrich vom avant-verlag und ich haben damals ab und zu mal wieder Tischtennis gespielt in den Mittagspausen. Und ich glaube, Flix und Joscha haben so viel rumgealbert, da entstand diese Idee. Und natürlich wurde das immer dann angekündigt, wenn das eine total verkackte Angabe wurde, die aber irgendwie unhaltbar war. So entstand das.

Vor ein paar Tagen habe ich das Gerücht gehört, dass Dein Lektor Dir den 30-seitigen Showdown an der Tischtennisplatte zusammenkürzen wollte. Stimmt das?

Mawil: Nee, er meinte nur irgendwann, weil es so eine ewig lange Szene ist, dass es ein, zwei Seiten weniger sein könnten. Es ist aber natürlich auch ein großer Spaß. „Kinderland“ ist ja kein ernstes Buch. Es gibt ein paar ernstere Szenen und es gibt diese sehr manga-mäßigen Tischtennis-Szenen. Ich war ein bisschen unsicher, ob das alles zusammen reinpasst. Es soll ja aber die Leidenschaft darstellen und zeigen, dass das für die Kinder gerade das Größte ist, und erklären, warum sie nachher von der Wende so überrascht sind. Und ich werde so schnell kein anderes Buch mehr über Tischtennis machen. Deswegen wollte ich da alles reinstecken.

Sonst hast Du auf den Seiten eine sehr klare Strukturierung, die Panels sind geschlossen, bei den Tischtennis-Szenen löst Du das dann ein bisschen auf. Hast Du den Rest des Comics sehr bewusst so klar strukturiert?

Mawil: Vom Seitenlayout gibt es viel, viel spannendere Comics. Jeder Manga ist da kreativer als ich. Ich hatte irgendwie Bock so ein klassisches „Tim und Struppi“-Seitenlayout zu machen. Ich habe mir vorher die Panelrahmen ausgerechnet, es gibt nur drei verschiedene Größen. Es war beim Ausdenken der Geschichte ganz hilfreich. So ein paar Regeln helfen dann manchmal der Kreativität, wie man was einbaut. Ich wollte auch ein bisschen so einen Comic machen, der vom Lesefluss angenehm zu lesen ist. Wenn die Tante in die Buchhandlung geht, um für ihren Neffen einen Comic zu kaufen, ihn aufschlägt und denkt: „Das verstehe ja sogar ich“, dann behält sie ihn am Ende vielleicht für sich selber (lacht). Ich bin ja auch Dozent für Comics, da geht es auch immer um die Lesbarkeit.

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Wo Du es vorhin angesprochen hast: Liest Du denn selbst Manga?

Mawil: Nicht viele. Manchmal kommt es einem ja so vor, als ob hier nur eine Sorte von Mangas veröffentlicht wird. Es gibt natürlich noch eine ganze Menge anderer Sachen. Die alten Akira-Bände, die Motorradszenen, das ist beeindruckend, was da für Geschwindigkeiten erzeugt werden in feststehenden Bildern.

Auf Wikipedia hat jemand über Dich geschrieben, dass Du ein Faible für liebenswerte Verlierer hättest, und verglich Dich mit Woody Allen. Fühlst Du Dich da geehrt?

Mawil: Ich bin jetzt nicht der Superfachmann für Woody Allen. Ich habe ein paar Filme von ihm gesehen, die fand ich gut, und ein paar Filme, die fand ich nicht so gut. Er ist einfach der bekannteste Nerd mit Brille, deswegen wurde dieser Vergleich gezogen. Ich kann halt keine Comics über Superhelden machen. Man kann nur Comics darüber machen, wie man sich selber fühlt.

Verlieren ist ja ein wichtiger Bestandteil in „Kinderland“. Warum ist es eigentlich so, dass die Geschichten der Kinder, die im Sportunterricht zuletzt gewählt wurden, interessanter und erzählenswerter sind als die Geschichten der Kinder, die zuerst gewählt wurden?

Mawil: Gute Frage (lacht). Weil die Kinder, die damals im Sport als letzte rein gewählt wurden, rächen sich dann Jahre später an den Kindern, die zuerst rein gewählt wurden. Denn die Kinder, die zuerst gewählt wurden, müssen sich dann deren Filme, Bücher und Comics kaufen.

Interview: BJÖRN BISCHOFF

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