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Betriebsräte mussten Erlanger Zara-Filiale verlassen

Schikanen gegen Arbeitnehmervertreter haben laut ver.di "neue Dimension" - 22.02.2019 17:00 Uhr

Eine Zara-Filiale in Deutschland © Roland Weihrauch/dpa


Als Arbeitnehmervertreter des Textilunternehmens Zara hat Anton M. (Name von der Redaktion geändert) bei Gesprächen mit der Geschäftsleitung schon so einiges mitgemacht. Doch was ein Betriebsrats-Kollege und er in der Erlanger Filiale nach M.’s Angaben erlebt haben, "schockiert" ihn noch immer aufs Äußerste. "Rein privat" seien die beiden am 9. Februar in der Hugenottenstadt unterwegs gewesen.

Auf der Suche nach einer neuen Jacke besuchten die beiden Zara-Betriebsräte das hiesige (betriebsratslose) Modehaus, doch aus dem Kauf wurde nichts. "Der Filialleiter hat uns erkannt und uns aus dem Store geworfen", berichtet Anton M., der aus Angst vor möglichen Repressionen anonym bleiben möchte. Auch als die zwei mehrfach betonten, eben nicht in ihrer Funktion als Betriebsrat unterwegs zu sein, hätten Manager und Personalreferentin ihnen unter Verweis auf das Hausrecht nahegelegt, sofort die Filiale zu verlassen: "Sie drohten uns sogar mit der Polizei", sagt Anton M.

Für den Betriebsratsvorsitzenden steckt hinter dem Verhalten ("das war eine sehr unangenehme Szene") nur ein Grund: "Die Manager nahmen an, dass wir in der Erlanger Filiale Betriebsratsarbeit machen und wollten das auf jeden Fall verhindern." An jenem besagten Samstag sei das eben nicht der Fall gewesen, beteuert Anton M. auch im Gespräch mit dieser Redaktion.

Nach dem Erlanger Vorfall, der ihm einmal mehr gezeigt habe, wie das Unternehmen mit Arbeitnehmervertretern und -rechten umgeht, steht für Anton M. unumstößlich fest: "Wir müssen alles tun, damit jede Zara-Filiale einen Betriebsrat bekommt."

Von rund 70 deutschlandweiten Zara-Filialen sind etwa ein Drittel ohne Betriebsrat, darunter auch Erlangen. Immer wieder prangert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Schikanen bei Zara gegen Betriebsräte an. "Wir sind von dem Unternehmen schon einiges gewohnt, aber dass nun Betriebsräte in ihrer Freizeit erkannt und mit einem Stempel versehen werden, hat eine neue Dimension", so ein ver.di-Handelsexperte auf Anfrage.

Aus dem Erlanger Store gab es zu dem Vorfall keine Stellungnahme. Auch die Deutschland-Zentrale wollte den Fall nicht kommentieren.  

SHARON CHAFFIN

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