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BI plädiert für Hupfla mit Spitzenforschung

Erlangens Baureferent Josef Weber hält den Vorschlag für machbar - 24.10.2019 06:00 Uhr

Ein Vorschlag dafür, wie auf dem Universitäts-Nordgelände moderne Forschungsgebäude von Max-Planck-Gesellschaft und Uni-Klinikum neben dem bestehenden "Hupfla"-Kopfgebäude errichtet werden können.


Einst war sie deutschlandweit einzigartig: Die panoptische "Kreis-Irrenanstalt Erlangen", die erste psychiatrische Anstalt Bayerns, war bei ihrer Gründung 1846 eine architektonische Besonderheit. Heute sind nur noch wenige Gebäude übrig, darunter der sogenannte Kopfbau der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt ("Hupfla"), das einzige erhaltene Patientengebäude.


Bürgerbegehren für den Erhalt der Hupfla


Um dieses Gebäude ist seit letztem Winter eine heftige Diskussion entbrannt, in der es um moderne Spitzenforschung auf der einen Seite, um Denkmalerhalt und die Suche nach einem authentischen Gedenkort für die Opfer der NS-Krankenmorde auf der anderen Seite geht.

Knapp die Hälfte des Hupfla-Kopfbaus soll abgerissen werden

Wenn Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft dem Erlanger Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag das Neubauvorhaben eines "Zentrums für Physik und Medizin" (ZPM) vorstellen, für das zunächst die knappe Hälfte des "Hupfla"-Kopfbaus abgerissen werden soll, dann vor dem Hintergrund, dass dieser Teil des Universitäts-Nordgeländes schon seit längerem so behandelt wird, als sei er "leer". Bereits 2009 lobte das staatliche Bauamt einen Wettbewerb für die Ansiedlung von Forschungsgebäuden aus, ohne den Erhalt des mittlerweile als Denkmal geschützten Kopfbaus zu fordern.

In einem Grundsatzbeschluss begrüßte der Stadtrat 2016 die Ansiedlung von Spitzenforschung, um die Entwicklung des Uni-Klinikums zu fördern. Im Januar diesen Jahres wurde dies bekräftigt, eine breite Mehrheit im Stadtrat stimmte für den Abriss der knappen Hälfte des Kopfbaus und – in Abwägung von Denkmalschutz und Spitzenforschung – für die Errichtung neuer Gebäude.

Hier der andere Vorschlag.


Später soll noch mehr abgerissen werden: Forschungsgebäude ("Translational Research Center": TRC) des Uni-Klinikums sollen dem Neubau der Max-Planck-Gesellschaft folgen. Ein kleiner Teil des Ostflügels soll erhalten werden und künftig Platz für einen Gedenkort bieten.

Aber warum eigentlich nicht beides ermöglichen, den Fortbestand des "Hupfla"-Kopfbaus und die Ansiedlung von Spitzenforschung, fragt jetzt eine neu gegründete Bürgerinitiative "Zukunft-MIT-HuPfla-UND-Forschung". Um diesen Vorschlag anschaulich zu machen, ließ die BI unserer Redaktion zwei Skizzen zukommen, die auf unterschiedliche Weise eine Lösung anbieten.

Bilderstrecke zum Thema

Erlanger Hupfla: Wie geht es weiter mit den Überresten?

Die frühere Heil- und Pflegeanstalt "Hupfla" in Erlangen hält die Stadt seit Monaten auf Trab: Anfang Januar 2019 hatten sich Universitätsklinikum und Stadt darauf geeinigt, Teile des denkmalgeschützten Bauwerks zu erhalten. Ein Trakt könnte zum Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasieprogramme und der westliche Trakt abgerissen werden.


Die EN-Redaktion hat nachgefragt beim zuständigen Planungsbüro- und Baureferenten der Stadt Erlangen, Josef Weber, wie er die Situation einschätzt.

Wie realistisch ist der Vorschlag der Bürgerinitiative?

"Der Bestandserhalt der Immobilie und die Ansiedlung von Forschungsgebäuden können beide verwirklicht werden", ist sich Weber sicher. "Es geht miteinander." Zum Beispiel könne man das Bauvolumen – wie von der BI in einer Skizze verdeutlicht – weiter nach Norden schieben und die Gebäude höher planen. So könne man das ZPM statt vier- durchaus auch sechs- oder siebengeschossig bauen. Weber verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die westlich gelegene Kopfklinik sogar achtgeschossig ist. Das bestehende TRC 1 ist viergeschossig.

Warum hat man nicht längst nach einem Kompromiss gesucht?

Darüber wundere er sich auch, so Weber. Aber auch noch zum jetzigen Stand kann man nach Aussage des Bau- und Planungsreferenten einen Kompromiss eingehen. Der könne ein Weg sein, um die Stadtgesellschaft wieder zu befrieden. Denn klar sei doch, dass man bei der bisherigen Planung die gesellschaftliche Diskussion und Brisanz unterschätzt habe.

EVA KETTLER

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