Bier aus Erlangen in der Milchflasche

27.8.2020, 11:30 Uhr
Marco Krapp bei der Arbeit.

Marco Krapp bei der Arbeit. © Edgar Pfrogner

Die einstige Bierstadt Erlangen, die zuletzt durch das Aus der Brauerei Kitzmann ihren Nimbus zu verlieren drohte, holt wieder ein wenig auf – auch dank junger Brauer, die den Sprung ins kalte Wasser wagen. Einer von ihnen ist der 26-jährige Marco Krapp aus der Gaststätte "Drei Linden" in Alterlangen. Wenn am heutigen Samstag die Alterlanger Kirchweih ihren Höhepunkt erreicht, will Krapp nicht nur seine drei neuen Biersorten präsentieren, sondern sie sogar in einer Sonderedition in Flaschen abgefüllt als kleine Tragerl zum Mitnehmen verkaufen.

Begonnen habe es vor einem Jahr, so erzählt es Marco Krapp, als er mit seinem Vater (der die Gastwirtschaft auch schon in zweiter Generation führt, Marco ist also der Dritte) erstmals erwog, ein eigenes Bier zu sieden. Bereits zur Traditionsveranstaltung "100 Tage bis zum Berg" im Februar wartete Krapp dann mit einem eigenen Sud auf – sehr zum Gefallen seiner (auch professionellen) Kollegen, die ihre Biere mit auf den Berg gebracht hatten.

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Drei eigene Biersorten reicht er seitdem an seine Gäste aus: ein Helles, ein Keller- beziehungsweise Landbier und eine Weizensorte. Es sind auch Rauch- und Rotbier dabei – das spezielle Malz sowie die Hefe sind fränkischer Herkunft, der Hopfen stammt aus der Hallertau.

Als gelernter Koch, der sich anschickt, die elterliche Gaststätte zu übernehmen, ist das mit dem Bierbrauen heute deshalb relativ unproblematisch möglich, weil alle Inhaltsstoffe – Malz, Hopfen, Wasser und Hefe – sauber verarbeitet werden können, so ein Sud also nicht einfach "kippen" kann. "Das Wasser kann ich wegen seiner Güte direkt aus der Leitung nehmen", sagt Krapp. Die Chargen – pro Sud 50 Liter – sind mittlerweile natürlich fast ein Witz, weshalb er bereits nach einer Brauanlage Ausschau gehalten hat, die die zehnfache Menge Durchsatz hat. Statt 150 Liter pro Woche wären das dann 1500 Liter – eine Menge, die der großen Nachfrage dann doch etwas eher gerecht wird, auch wenn das Weismainer Püls Bräu in der Gaststätte auch weiterhin sozusagen zur Grundausstattung gehört.

"Alle waren begeistert"

Da ein Brauer sein Bier nicht frisch aus dem Sudkessel ausschenken kann, musste ein Lager geschaffen werden. Das Weizen muss dort etwa einen Monat reifen, das Helle zwei Wochen länger, und das Kellerbier insgesamt zwei Monate.

Die Verkostung der Biere mit ausgesuchten Gästen – "da waren alle total begeistert", strahlt der Nachwuchs-Brauer. Wenn Marco Krapp dann seine größere Anlage in Betrieb nehmen kann, hat es auch mehr Sinn, das Bier in mitgebrachte Flaschen auszuschenken.

Während andere Erlanger Brauer "richtige" Biergefäße dazu anfordern, geht es bei Marco Krapp derzeit noch etwas rustikaler zu: Milchflaschen im Ein-Liter-Format sind völlig ausreichend. Nicht ausreichend sind allerdings die Preise für das "Mitnehm-Bier": "Der Liter zu 2,50 Euro — das haut auf Dauer nicht hin", ist Krapp überzeugt.

Schön wäre es seiner Ansicht nach, wenn sich die Erlanger Biersieder auf einen gemeinsamen Preis einigen könnten. "Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander", sagt er, "es könnte klappen, dass wir uns verständigen."

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