Blick in Erlangens Schatzkammer

8.3.2020, 16:30 Uhr
Der Leiter des Stadtarchivs, Andreas Jakob, an der Vitrine des jüngsten Kapitels der „Geschichte der Kommunikation“. Unter dieses Thema war der „Tag der Archive“ gestellt worden.

Der Leiter des Stadtarchivs, Andreas Jakob, an der Vitrine des jüngsten Kapitels der „Geschichte der Kommunikation“. Unter dieses Thema war der „Tag der Archive“ gestellt worden. © Peter Millian

Diplom-Archivarin Katja Geisler, zuständig für die Ordnung im Archiv, hat das Programm für den Tag der Archive zusammen mit ihrem Team erarbeitet.

Rund eine Million Bildträger schlummern in den mehr als fünf Kilometern Regalreihen des Stadtarchivs; rund 40.000 Bände umfasst die Archivbibliothek mit Informationen zur Stadtgeschichte.

Der Leiter des Stadtarchivs, Andreas Jakob, ist promovierter Historiker und somit zwar nicht zuständig für die Ordnung im Archiv, aber für die (historische) Einordnung der Fakten und Funde. 

Zusammen mit seinen Mitarbeitern oblag es ihm an den beiden Archivtagen, die Besucher durch die "Schatzkammer" der Stadt zu führen, in jene Bestände also, die nicht zu Unrecht "das Gedächtnis der Stadt" genannt werden.

 

Geschichte nicht weggeschlossen

 

Was sonst verschlossen ist, wird an solch einem Tag gezeigt – und es wird auch gezeigt, wie man sich der Schätze in dieser Schatzkammer durch Suchanfragen vergewissern kann. Das Archiv schließt nämlich die Geschichte der Stadt nicht weg – es erschließt sie vielmehr auch für die Bürger.

Das fließt ein in eine rund 30 Bände umfassende Publikationsreihe, in denen von der "Erlanger Bergkirchweih als Deutschlands ältestes und schönstes Bierfest" die Rede ist, die einen Blick auf die Hugenottenkirche wirft oder auch Erlanger Stadtansichten zeigt. Und: Das Stadtarchiv – namentlich der Historiker Andreas Jakob – hat sich um die umfassende Aufarbeitung der jüngeren Zeitgeschichte Erlangens verdient gemacht, vor allem jener dunklen Jahre, an die gerade in Akademiker-Städten ungern erinnert wird.

 

Schonungslose Aufarbeitung

 

Das gerade dieser Unwille vor einer schonungslosen Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus selbst ein spätes Erbe derselben war und ist, deckten diese Publikationen gleich mit auf. Mit den Büchern "In der Nacht, in der die Judenaktion stattfand. Der Pogrom vom 9./10. November 1938 in Erlangen und seine juristische Aufarbeitung nach 1945" und im jüngsten Werk "Der Tag der Schande. Die Opfer des Pogroms gegen die Juden am 10. November 1938" sind Marksteine der lokalen Geschichtsschreibung gesetzt worden, an denen wohl niemand vorbeikommt.

Diese Publikationen verweisen im übrigen auch darauf, "dass es immer noch nicht erschlossene Quellen im Stadtarchiv gibt, ja, dass es noch nicht einmal sicher ist, ob denn alle relevanten Akten und Fakten den Weg ins Archiv gefunden haben", wie Jakob sagt. "Wir stoßen immer wieder auf neue Quellen", so der Archivleiter, "oder wir werden gestoßen." Dass dabei auch die Zusammenarbeit mit den Staatsarchiven in Nürnberg und Bamberg hilfreich ist, versteht sich für ihn und seine Archivarin Katja Geisler von selbst. "Wir Archive und Archivare", sagt Geisler, "sind eine verschworene Gemeinschaft und stehen in einem ständigen Austausch."

Und auf beiden Ebenen ist den Verantwortlichen bewusst, wie schwer es ist, an gut ausgebildeten Nachwuchs zu kommen. Weshalb solche Archivtage auch immer eine Möglichkeit sind, sich "hübsch" zu machen und über die auch eigenen Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.

Dass das Stadtarchiv Erlangen sowohl sachlich wie personell gut aufgestellt ist, will Jakob am "Tag der Archive" nicht leugnen. "Aber", so gibt er zu bedenken, "es wächst ja nicht nur unser Bestand, es wachsen auch die Aufgaben, die an uns herangetragen werden."