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Blitzmarathon in Erlangen soll Autofahrer "aufrütteln"

Polizei sucht für Messgeräte gezielt gefährliche und unfallreiche Stelle aus - 20.04.2021 18:45 Uhr

„Es geht darum, die Fahrer aufzurütteln“: Ein Radargerät misst die Geschwindigkeit.

20.04.2021 © Wolfgang Fellner


Es ist nicht allzu lang her, da verschlug es auch Rüdiger Thiem die Sprache. Mit rund 160 Sachen wurde ein junger Autofahrer in Eltersdorf nicht weit von einer Fußgängerampel erwischt – erlaubt wären 50 km/h gewesen. "Da weiß man dann schon gar nicht mehr, was man dazu noch sagen soll", so Thiem. Neben einer saftigen Strafe und mehreren Monaten Fahrverbot leitete die Erlanger Polizei das Vergehen auch an die Führerscheinstelle weiter – wo nun die grundsätzliche Eignung des Mannes zum Führen eines Kraftfahrzeugs geprüft wird. "Solche Raser aber sind die Ausnahme in Erlangen", sagt Verkehrspolizist Thiem.

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Am 21. April startet bundesweit der sogenannte "Blitzmarathon" der Polizei. Verstärkt und vermehrt kommt es dann zu Geschwindigkeitsmessungen auch im Stadtgebiet Erlangen, in den Landkreisen sowie auf der Autobahn. "Es geht hier nicht darum, möglichst viel Kasse zu machen", sagt Thiems Kollege Martin Taschner vom Sachgebiet "Verkehr" der Polizeiinspektion, "sondern es einmal mehr ins Bewusstsein der Autofahrer zu schaffen, wie wichtig es ist, auf die angepasste Geschwindigkeit zu achten". Erfolgreich, sagt sein Kollege Thiem daher, "sind wir in meinen Augen nicht, wenn wir besonders viele Vergehen feststellen. Erfolgreich sind wir dann, wenn wir es geschafft haben, dass die Menschen sich an die Geschwindigkeiten halten".

Denn nur dann ist ihnen die Gefahr, die mit dem Rasen, aber auch schon bei geringen Geschwindigkeitsüberschreitungen merklich steigt, auch bewusst. "Es ist das alte Beispiel", sagt Rüdiger Thiem: "Wo ich nach einer Vollbremsung mit Tempo 30 zum Stehen komme, da habe ich mit Tempo 50 noch nicht einmal angefangen zu bremsen. Wenn es dann zum Beispiel um ein Kind geht, das über die Straße rennt, ist das schnell verheerend."

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Zwar misst die Erlanger Polizei das ganze Jahr über immer wieder die Geschwindigkeit der Autofahrer. Am heutigen Mittwoch aber für 24 Stunden "massiv verstärkt", so Thiem. Ob mit Laserpistole, Blitzgerät oder auch Fahrzeug mit Videoausstattung – die gesamte verfügbare Technik wird im Einsatz ein. Wie viel Geräte und wie viele Kolleginnen und Kollegen im Einsatz sind, möchte der Verkehrspolizist nicht verraten.

Gefährlich und unfallreich

"Wir suchen gemeinsam mit der Kommune die Stellen aus, die besonders gefährlich oder unfallreich sind", sagt Rüdiger Thiem. Auch der Lärmschutz spielt eine Rolle – oder, wie bei Kindergärten, Altenheimen oder Schulen der Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer. Wird ein Blitzgerät entdeckt und werden die Autofahrer übers Radio gewarnt, sieht die Polizei das gelassen: "Oftmals sind wir dann schon längst nicht mehr an der Stelle, sondern stehen schon wieder woanders – was dann sozusagen doppelt gut ist. Denn es führt dazu, dass die Autofahrer dann mindestens an zwei Stellen aufmerksam und angepasst unterwegs sind", so Thiem.

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Das Bewusstsein für die Geschwindigkeit und die verheerenden Folgen, die die Überschreitungen ausmachen können, haben sich auch bei Martin Taschner ins Gedächtnis eingebrannt. "Ich denke, jeder Polizist, aber auch jeder Feuerwehrler, der schon bei schweren Unfällen mit Toten oder Schwerverletzten war, ist im Straßenverkehr anders unterwegs." Furchtbare Bilder, die nicht mehr aus dem Kopf wollen, wurden daher als Fotos auch schon eingesetzt, um vor allem junge Fahrer zu sensibilisieren. "Es geht bei Fahranfängern darum, zu zeigen, welche Folgen das haben kann, wenn man ,nur mal eben schauen will, was das Auto so hergibt‘", sagt Martin Taschner. "Die Menschen müssen verstehen, welche Riesen-Verantwortung sie mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs haben."

"Ich hab das Schild übersehen"

Die Einsicht von ertappten Verkehrssündern ist überwiegend groß, sagen beide Erlanger Polizisten. Und das nicht nur, weil schon geringe Vergehen empfindlich im Geldbeutel schmerzen können: Die Leute sagen dann oft ,ich hab’ gar nicht auf den Tacho geguckt‘, oder ,ich hab das Schild übersehen‘ oder auch ,ich habe gar nicht gemerkt, dass ich schon am Ortsschild vorbei bin‘. All das sei tatsächlich menschlich, sagt Taschner. "Jedem von uns passiert es, dass man sich dabei überrascht ertappt, dass man sich gar nicht bewusst an einen Teil der Fahrtstrecke erinnern kann, weil das Fahren im Unterbewusstsein abgelaufen ist – aber genau das ist so gefährlich: die Gewohnheit."

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Sie gilt es nun mit großer Aufmerksamkeit des "Blitzmarathons" zu bekämpfen, "die Fahrer aufzurütteln", wie es Taschner und Thiem nennen. Damit die schlimmen Unfälle auf den Straßen weiter abnehmen – und damit auch diese furchtbaren Bilder im Kopf.

CHRISTOPH BENESCH

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