Dienstag, 22.10.2019

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Bob-Weltmeister Korona sucht Nachfolger an der FAU

Der ehemalige Leichtathlet hat es bis zu den Olympischen Winterspielen geschafft - 22.05.2019 17:43 Uhr

Olympische Ringe: Kevin Korona war als Ersatzmann beim in Sotchi dabei.


Eigentlich hatte sich Kevin Korona (siehe auch: "Zur Person" am Ende des Textes) vom Leistungssport schon verabschiedet, als die Sport-Karriere so richtig losging: Sechs Monate nach seinem letzten Wettkampf im Weitsprung fuhr er zu den Olympischen Spielen – als Anschieber des Viererbobs.

Am Donnerstag ab 14 Uhr sucht der Bob-Verband an der Sportanlage Hartmannstraße der FAU Erlangen-Nürnberg Sportler zwischen 19 und 26 Jahren, die im 30 Meter Sprint und Fünfer-Sprung ihre Eignung als Anschieber nachweisen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kevin Korona sucht dort seinen Nachfolger. Vorab ein Gespräch über Geld, Angst und Träume. 

Herr Korona, kann man als Bobweltmeister in Erlangen über die Straße gehen, ohne erkannt zu werden?

Oh ja. Nur die engsten Freunde wissen, dass ich Weltmeister bin. Ich bin kein Fußballer oder Handballer vom HC Erlangen, den hier jeder kennt. Deswegen kann ich inkognito durch die Stadt gehen.

Wünschen Sie es sich manchmal, dass Sie wenigstens ein wenig berühmter wären?

So übertrieben, dass ich von A nach B nicht mehr laufen kann, so bitte nicht – aber ein wenig mehr wäre schon cool. In Korea bei den Olympischen Spielen war es schon gruselig, da musste ich beim Einkaufen alle drei Minuten Selfies machen mit Fans. In Nürnberg finde ich es angenehm, unerkannt durch die Altstadt schlendern zu können.

Sie haben Lehramt studiert. Wissen die Schüler, wer sie da unterrichtet?

Solange ich Leistungssport betreibe, habe ich noch keine Zeit fürs Lehrerleben. Daher habe ich den Beruf bis zu den Olympischen Spielen 2022 nach hinten geschoben. Aber bei den Praktika an der Geschwister-Scholl-Schule fanden das die Schüler schon sehr spannend mit dem Bobfahren und auch mit dem Weitsprung. Dass ein Lehrer über 7,70 Meter weit springen kann, hat sie sehr begeistert.

"Adrenalin, Geschwindigkeit und Kameradschaft"

Wie erklären Sie Ihren Schülern in wenigen Worten, wie toll Bobsport ist?

Ehemaliger Leichtathlet: Kevin Korona. © Theo Kiefner


Ganz einfach: Adrenalin, Geschwindigkeit und Kameradschaft.

Sie sagen Adrenalin — ist da auch Angst dabei, wenn man mit 200 Sachen den Eiskanal runterschießt?

Nein, Angst nicht. Unsere Piloten sind sehr gut ausgebildet und die Bahnen verzeihen Fehler. Aber in Altenberg bin ich beim Weltcup mal gestürzt, das ist brutal. Angst hat man deshalb nicht – es ist mehr Respekt, würde ich sagen. Man ist so fokussiert, dass für Angst ohnehin kein Platz im Kopf ist.

Wofür ist dann Platz im Kopf während dieser Minute im Eiskanal?

Das ist wie beim Motorradfahren – nur umgekehrt: Wenn es in die Linkskurve geht, lehnt man sich nach rechts und umgekehrt, damit die oberen Kufen in der Kurve mehr Haftung bekommen. Ansonsten ist man voller Adrenalin, das Herz pumpt so stark. Man macht sich fest und klein und wartet diese Minute einfach ab.

"Man muss kräftig sein und schnell"

Sie sind von der Leichtathletik zum Bobsport gekommen, waren sechs Monate später bei Olympischen Winterspielen. Heute sucht der Bob-Verband in Erlangen nach Nachwuchs — was muss man mitbringen?

„Am Wichtigsten ist die Liebe zum Sport“: Kevin Korona (2. v. re.) mit seinen Bobkollegen.


Man muss kräftig sein und schnell. Am Wichtigsten ist aber die Liebe zum Sport, weil man sehr viel Zeit investieren muss im Sommer wie im Winter fürs Training.

Warum braucht es so ein Casting überhaupt — gibt es keine Jugendarbeit?

Es gibt sogar Landeskader, aber der Sport ist erst ab 18 erlaubt, weil er so gefährlich ist. Als Jugendlicher bräuchte man eine Sondergenehmigung der Eltern und diverse Versicherungen. Die meisten Eltern sagen dann meistens: lieber nicht. Daher sind wir auf Quereinsteiger angewiesen – wer Lust hat, egal ob Fußballer, Handballer, Leichtathlet oder Crossfit-Athlet, kommt infrage.

Kann man zu alt fürs Bobfahren sein?

Kevin Kuske hat mit 39 Jahren noch eine Olympia-Medaille gewonnen. Also: Solange die Leistung stimmt, ist man jung genug.

Wenn man nicht einmal als Weltmeister erkannt wird auf der Straße: Worum geht es dann, ums Abenteuer oder ums Geld?

Ich würde sagen, es ist die Liebe zum Sport und zum Abenteuer. Das Geld, das wir verdienen, reicht zum überleben.

Zur Person: Bob-Weltmeister Kevin Korona

Kevin Korona, 30, wurde in Nürnberg geboren und studierte in Erlangen bis März 2019 Lehramt. Als Weitspringer wurde er Bayerischer Meister und startete bei Deutschen Leichtathletikmeisterschaften, ehe er aufgrund von Rückenschmerzen seine Karriere beenden musste. Ein Freund nahm ihn mit zum Bobsport, wo seine Schnellkraft auffiel und er als Quereinsteiger und Anschieber des Viererbob 2014 Welt- und 2016 Europameister wurde. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi und Pyeongchang nahm er als Ersatzmann teil.

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