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BRK-Kreisverband ERH: Nun äußern sich die Corona-Impfdrängler

Kreisgeschäftsführer bringen wenig Licht ins Dunkel - 06.03.2021 10:30 Uhr

BRK, die Person auf dem Bild hat nichts mit dem im Text geschilderten Vorfälle zu tun.

01.10.2018 © dpa


Viele Leser und User dieses Medienhauses  können das Verhalten der Verantwortlichen nicht verstehen, vorerst an der Kreisgeschäftsführerin Beate Ulonsky und ihrem Stellvertreter Jan Pyschny festzuhalten. Diese haben sich jetzt auf Nachfragen dieser Redaktion selbst geäußert, restlose Klarheit aber gibt es dadurch noch immer nicht.

Es geht schon mit den Terminen durcheinander: In der ersten BRK-Stellungnahme war von einer Reserveliste für den Impftermin am 10. Januar 2021 die Rede, deren Weg man nicht genau nachverfolgen könne.

"Freiwillig" auf Liste gesetzt

Nun aber schreiben Ulonska und Pyschny, sie hätten sich beide freiwillig mit ihren Lebenspartnern in eine Reserve-Impfliste eintragen lassen, die am 14. Dezember 2020 von der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) angefordert worden war für den Fall, dass Impfdosen übrig bleiben und verimpft werden müssen.

Das war einige Zeit vor dem Impftermin im BRK-Seniorenzentrum "Wohnen und Leben Etzelskirchen" – da fragt man sich schon, ob in dieser Frist nicht eine Reserveliste hätte aufgestellt werden können mit Personen, die in der Priorisierung weit oben stehen.

Wer wusste von der Liste?

Nach Informationen dieses Medienhauses haben jedoch gerade Rettungs- und Notfallsanitäter von der entsprechenden Liste zunächst gar nichts gewusst. Ein Beschäftigter, der selbst auch nur später mehr durch Zufall davon erfahren hatte, wirft im Gespräch mit diesem Medienhaus die Frage auf: "Warum muss sich der Mitarbeiter melden?" Es sei im Zeitalter von Rechnern und Exeltabellen ein leichtes, eine Liste aller Mitarbeiter zu erstellen und diese nach Alter und Gefährdung zu sortieren. Fachkräfte, die das aus- und bewerten könnten, gebe es bei seinem Arbeitgeber dafür doch mehr als genug.

Die Reserveliste selbst wurde dann nach Darstellung von Ulonska und Pyschny dem Impfteam erst am 10. Januar übergeben.

Nun macht die Kreisgeschäftsführerin auf Nachfrage geltend, dass die ihr "nahestehende Person" aufgrund einer Erkrankung der Prioritätsgruppe 1 gleichzustellen sei.

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Das passt nicht ganz zu vorherigen Aussagen von ihr und ihrem Stellvertreter, sie hätten mit ihrer "kurzfristigen Bereitschaft Impfskeptikern ein Vorbild sein" und verhindern wollen, dass übrig gebliebene Impfdosen entsorgt werden müssen. Damals sei ein "Fehler" passiert, für den sie sich entschuldige. Von der Krankheit des Lebensgefährten war da noch nicht die Rede. Das hätte zumindest einiges erklärt. Allerdings hätte der Mann auf die normale Liste gehört, und nicht auf die Reserveliste des BRK.

Kreisvorsitzender Müller missbilligt Vorfälle

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Zur Frage der personellen Konsequenzen bekräftigte der Vorstand, mit den arbeitsrechtlichen Folgen werde sich eine Vorstandssitzung Mitte März befassen. Dort wird sich eine zur Aufklärung des Falls eigens eingesetzte Gruppe von Vorstandsmitgliedern erneut mit dem Fall befassen.

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Dabei, so betonten die Vorstandsmitglieder, werde auch das "grobe Fehlverhalten" in die Bewertung einfließen, das "Unruhe und Verärgerung in der Belegschaft, bei den Mitgliedern und der Öffentlichkeit hervorgerufen hat, und das Ansehen unserer Organisation beeinflusst".

Wie groß die Verärgerung ist, zeigen Zuschriften und Kommentare an dieses Medienhaus. Viele der Absender sind selbst beim BRK Mitarbeiter oder Mitglieder. So schreibt eine Person, es sei "eine Schande, wie solche Menschen die Werte der eigenen Organisation mit Füßen treten".

Sie verweist zudem auf eine Empfehlung des BRK-Landesverbandes vom 8. Januar an Führungskräfte, was zu beachten sei. Zum Beispiel Impfungen anzunehmen, aber nur, wenn man an der Reihe ist, und sie nicht werbewirksam auszuschlachten.

Dieser "Meinung und Hintergrund"-Beitrag wurde zuletzt geändert am Samstag, 6.3.2021, um 11.45 Uhr.

SHARON CHAFFIN

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