Bubenreuth: Das Geigenmannl feiert runden Geburtstag

15.6.2017, 15:00 Uhr
Das Geigenmannl in Bubenreuth ist eine Kopie des Schönbacher Geigenmannls, gefertigt von Helmut Lederer.

Das Geigenmannl in Bubenreuth ist eine Kopie des Schönbacher Geigenmannls, gefertigt von Helmut Lederer. © Heinz Reiß

Geigenbauer-Denkmäler sind selten. An der Pfarrkirche in Absam bei Innsbruck befindet sich eine Gedenktafel dem Andenken des großen Meisters Jacobus Stainer gewidmet. Cremona beseitigte in wenig pietätvoller Weise die Wirkungsstätte seines berühmtesten Mitbürgers und spendete für das an der alten Stelle neu errichtete Haus eine kleine Tafel mit dem Hinweis auf seinen unsterblichen Meister der diese Stadt erst bekannt gemacht hat. Mittenwald besitzt sein Mathias-Klotz-Denkmal und Salo am Gardasee eine Marmorskulptur des Gasparo Bertolotti – genannt Gasparo da Salo.

Die Einweihung in Schönbach war ein zweitägiges Fest. Bereits am Vortag fand im Sandnerschen Großgasthof ein Festkommers statt, wobei der Verband "Deutscher Geigenbauer" der Sektion der Geigenmachermeister durch seinen Vorsitzenden Emil Pliverics einen silbernen Pokal stiftete. (Anm. des Verfassers: "Diesen Silberpokal haben die Schönbacher vor ihrer Vertreibung im Wald vergraben, später bei Nacht und Nebel geholt und heute befindet er sich im Museum des Bubenreutheum".)

Festlicher Akt

Die offizielle Einweihung begann am Samstag um 9 Uhr mit einem Festgottesdienst. Um 10 Uhr spielte sich dann draußen das eindrucksvolle Bild einer Enthüllungsfeier mit dem Aufmarsch der verschiedenen Vereine und Schulen, mit Musik und wehenden Bannern ab. Bürgermeister Schmirler begrüßte im Namen der Stadt alle Festteilnehmer und die Festrede hielt Kurt Mädler. Nach der Enthüllung folgten noch die Kranzniederlegungen und unter den Klängen des Liedes "Die Himmel rühmen" wurde die Feier beschlossen. Das Schönbacher Geigenbauerdenkmal steht auf einem Sandsteinsockel mit Ornamenten, teilweise dem Geigenbau entlehnt. Auf der Weltkugel steht die Bronzefigur eines Geigenmachers, der sein Meisterwerk betrachtet.

Eine Kuriosität soll hier auch noch erwähnt sein. Am Ende des 2. Weltkrieges im Mai 1945 wurde das "Geignmannl" erschossen. Als die 1. US Infanteriedivision (Eiserne Einser) in die Stadt einrückte war das Mannl Ziel eines GI’s. Der Schuss in die linke Brustseite wäre für einen normalen Menschen tödlich gewesen, jedoch die eherne Haut des "Geignmannls" schützte es und hinterließ nur eine bis heute sichtbare Delle an der bronzenen Figur. Bekleidet mit dem "zivilen Arbeitsschurz" eines Schönbacher Geigenmachers bot die Figur eine ideale Zielscheibe für den Soldaten. Das Geignmannl war damals 1945 im wehrpflichtigen Alter von 18 Jahren, vielleicht reizte dieser Umstand die Schießwut des ebenfalls jungen Amerikaners.

In Bubenreuth wurde knapp 50 Jahre später die Nachbildung des Geignmannls anlässlich der 650 Jahrfeier der Stadt Schönbach von dem damaligen Kulturgruppenvorsitzenden Otto Schuh unter den Klängen der Geigenbauerkapelle auf dem der Burschenschaft der Bubenreuther gehörenden Eichenplatz enthüllt.

Mittlerweile ist dieses Denkmal zum zweiten Wahrzeichen des Geigenbauerortes geworden. Die Kulturgruppe verwendete es für ihren internationalen Musikwettbewerb, die Sparkasse Bubenreuth prägte bereits zur Enthüllung eine Ortsmedaille in Edelmetall. Die limitierte numismatische Besonderheit zeigt auf der Rückseite den stilisierten Geigenbauer.

Auch Bubenreuther Künstler nahmen das Denkmal als Motiv um es in Gips nachzubilden oder auf der Leinwand festzuhalten.

Einmal im Jahr wird es zum Treffpunkt: Am Heiligen Abend veranstaltet die Gemeinde eine Weihnachtsfeier. Das in der neuen Heimat aufgestellte Denkmal schuf der aus dem Egerland stammende Bildhauer Helmut Lederer.

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