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Bubenreuther wollen Flüchtlinge aufnehmen

150 Bürger bei Versammlung positiv gestimmt — Hilfsbereitschaft ist groß - 18.12.2014 18:38 Uhr

Bürgermeister Norbert Stumpf, Polizeichef Bernd Pakusch sowie Experten in Sachen Flüchtlingsbetreuung informierten in Bubenreuth rund 150 Bürger zum Thema Asylsuchende.

18.12.2014 © Klaus-Dieter Schreiter


Bürgermeister Norbert Stumpf hatte sich Verstärkung geholt, um für die Aufnahme von Asylbewerbern im Ort zu werben. Erfahrungsträger aus Buckenhof und Heßdorf hatte er eingeladen, den Chef der Polizeiinspektion Erlangen Land, Bernd Pakusch, die Abteilungsleiterin für das Gebiet Umwelt und Soziales im Landratsamt, Anne-Marie Müller, sowie Christiane Bayer und Klaus Schmoll von der Bubenreuther Initiative Flüchtlinge, die sich bereits während des ersten Bürgerforums im November letzten Jahres gegründet hatte.

Erfahrungen eingeholt

Damals, meinte der Bürgermeister, „ging es schon los“. Flüchtlinge hätten die meisten Bürger im Ort haben wollen, „aber nicht bei mir“ sei die Einschränkung gewesen. Die aus der Taufe gehobene Initiative aber scheint im Ort einiges verändert zu haben. Denn es gab nicht eine Stimme während der Bürgerversammlung, die sich gegen die Aufnahme der Menschen aus den Krisengebieten dieser Welt ausgesprochen hätte. Viele wollten nur wissen, wie sie unterstützen können, ob Sachspenden angebracht sind, wollten aber auch hören, welche Erfahrungen andernorts mit Flüchtlingen gemacht worden sind.

„Wir haben keine Probleme und nicht einen einzigen Einsatz in diesem Zusammenhang“ resümierte Polizeichef Bernd Pakusch, dessen Zuständigkeit der gesamte östliche Landkreis einschließlich Möhrendorf und Baiersdorf ist. Zwar gebe es hin und wieder Streit unter den Bewohnern einer Unterkunft, aber „Schlägereien in Diskotheken sind weiter verbreitet als in Asylunterkünften“. Auch in Bubenreuth werde es schon deshalb keine Probleme geben, weil ein großer Unterstützerkreis da sei. „Wir nehmen die Unterstützerkreise gerne als unsere Partner an“, sagte Pakusch.

Christine Altmann, die im Unterstützerkreis in Buckenhof tätig ist, zwar noch auf Wohncontainer wartet, aber bereits Flüchtlinge betreut hat, die in Wohnungen untergebracht waren, warnte aber auch, sich emotional zu sehr an die Menschen zu binden. „Sie sind nur Besucher auf Zeit“. Wann solche Besucher nach Bubenreuth kommen, ist indes noch nicht klar.

Der Bürgermeister und das Landratsamt verhandeln derzeit noch mit den Besitzern von zwei Immobilien. Dem Vernehmen nach sind das Fabrikgebäude von ehemaligen Musikinstrumentenherstellern. Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, müssen die noch umgebaut werden, dann kann es sehr schnell gehen. Sollten die Besitzer nicht zustimmen, dann sollen auf einem Grundstück an der Birkenallee neben dem Rathaus Wohncontainer aufgestellt werden (wir berichteten).

„Die Not ist groß – die Anforderungen an das Landratsamt auch“, konstatierte Anne-Marie Müller. 435 Personen seien derzeit im Landkreis untergebracht. Ihre Prognose: „Die Zahlen steigen weiter“. Sie versprach, dass das Landratsamt die Bürger nicht alleine lassen würde.

Derzeit gebe es zwar nur zwei Sozialpädagogen zur Unterstützung der Asylbewerber und der Unterstützerkreise, jedoch arbeite man mit freien Wohlfahrtsverbänden zusammen, die ebenfalls Fachleute hätten. „Ich hoffe, dass sich das auch in Bubenreuth entwickeln kann“, wünscht sie sich.

Das scheint der Fall zu sein, denn nach der Bürgerversammlung trugen sich gleich etliche Einwohner in die ausliegenden Listen des zurzeit zwölfköpfigen Unterstützerkreises ein, um ebenfalls mitzuhelfen. Bürgermeister

Norbert Stumpf war froh und erleichtert ob der positiven Resonanz. Seine Verwaltung hat er angewiesen, zweckgebundene Spenden für den Unterstützerkreis entgegenzunehmen und sie direkt weiterzuleiten.

KLAUS-DIETER SCHREITER

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