Pläne für Steudach

Bürger laufen Sturm gegen ein neues Baugebiet in Erlangen

30.7.2021, 14:30 Uhr
Das Baugebiet

Das Baugebiet "Am Klosterholz West" in Steudach zwischen Friedhof und dem Ortskern (hinten) wird von den Bürgern kritisch gesehen.  © Klaus-Dieter Schreiter, NN


Schon lange gibt es vor allem in Steudach Bedenken gegen die geplante Bebauung des Gebietes südwestlich des Steudacher Ortskerns und nordwestlich des Westfriedhofs. Die Fläche liegt oberhalb von Steudach, von dort fließt das Regenwasser offenbar bei Starkregen hinunter in den Ortskern. Darum wurde die Entwässerung des Neubaugebietes von einigen Bürgern bereits während einer Ortsbeiratssitzung 2016 kritisch gesehen. Etliche Steudacher Keller würden bereits jetzt bei Starkregen überflutet, sagen sie.

Drosselungssysteme vorgesehen

Es wird darum befürchtet, dass die alte Kanalisation in Steudach das Oberflächenwasser aus der versiegelten Fläche im Neubaugebiet nicht aufnehmen kann. Damals hatte Stefan Engelhardt, beim Entwässerungsbetrieb der Stadt für den Betrieb der Abwasseranlage zuständig ist allerdings erläutert, dass bei der Planung Drosselungssysteme vorgesehen sind. Die sollen verhindern, dass sich bei Starkregen ein Wasserschwall in die alte Kanalisation ergießt. In einer Stellungnahme der Stadtentwässerung aus dem Jahre 2016 heißt es zudem, die Leistungsfähigkeit der bestehenden Kanäle sei „so hoch, dass noch weitere Flächen angeschlossen werden können“. Daran habe sich bis heute auch nichts geändert, bestätigte Engelhardt den Erlanger Nachrichten auf Anfrage. „Es hat sich nichts Neues ergeben“.

"Am Klosterholz West" in Steudach zwischen Friedhof (r.) und dem Ortskern  © Klaus-Dieter Schreiter, NN

Nun hat ein Bürger aber festgestellt, dass, wie er sagte, „die Höhenlinien aus dem Bebauungsplan entfernt wurden“. Daraus schließt er, dass das ganze Gebiet aufgeschüttet werden soll, damit das Abwasser „über den Berg“ nach Frauenaurach abgeleitet werden kann. Dafür sei eine Erhöhung der Fläche um vier Meter notwendig, meint er. Dann aber würde Steudach in einem „Tal“ verschwinden. Von einer solchen Aufschüttung des Geländes um vier Meter sei ihm nichts bekannt, machte Stefan Engelhardt deutlich. Das mache aus hydraulischer Sicht auch keinen Sinn, sagt er.

"Kanalsystem wird entlastet"

Allerdings sei geplant, das Fremdwassers – das ist das Niederschlagswasser, das aus der Flur in das Baugebiet fließt – nicht mehr in die öffentliche Kanalisation zu leiten, sondern es kontrolliert nach Süden abzuführen. In der Nähe des Klosterwalds und fernab des Siedlungsbereichs soll es dann auf einer städtischen Fläche in einem Amphibienteich versickern. „Das bestehende Kanalsystem in Steudach wird somit entlastet“, sagt Engelhardt.

Derzeit wird das auf den landwirtschaftlichen Flächen rund um das geplante Neubaugebiet anfallende Niederschlagswasser, das aufgrund der topografischen Situation hinunter in den Ort fließt, von einem Graben aufgefangen und in die öffentliche Kanalisation geleitet. Darum komme es immer wieder vor, dass das Kanalsystem in Steudach überlastet sei, erläutert Engelhardt. Das soll mit der neuen Planung vorbei sein. Bürger berichten sogar, dass ein einigen Bereichen von Steudach die Kanaldeckel zugeschraubt wurden, damit sie bei Starkregen nicht herausgedrückt werden.
Weil die Bürger den Planungen der Stadt aber nicht trauen, ist im Ortsbeirat einstimmig beschlossen worden, bei der Verwaltung zu beantragen, dass die sechswöchige Auslegungsfrist für den Bebauungsplan verlängert wird, damit auch später noch Einsprüche gemacht werden können. Die Betreuungsstadträte Adam Neidhardt (CSU) und Frank Höppel (ÖDP) wollen sich in ihren Fraktionen dafür einsetzen.

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