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Bußmann tritt zurück: Der letzte Dinosaurier der Grünen

Meinung und Hintergrund zum Rückzug des Mitglieds der Grünen Liste im Stadtrat Erlangen - 24.07.2019 06:00 Uhr

Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Im Café Cycles feierten SPD und Grüne im Jahr 2014 gemeinsam die Ablösung von OB Balleis. Auch dabei war Harald Bußmann (rechts). © Harald Sippel


Wolfgang Winkler, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der Grünen Liste (GL), war vom sofortigen Rückzug des GL-Stadtrats Harald Bußmann "überrascht". Er hätte eigentlich erwartet, dass Bußmann bis zum Ende der Legislaturperiode 2020 mit seinem Rückzug gewartet hätte.

Harald Bußmann verfüge über "größtes Fachwissen", was den Verkehr in Erlangen angehe, sagt Winkler. Für Bußmann rückt Katharina Grammel nach, die im Kreisvorstand der Erlanger Grünen sitzt. Mit ihr will die GL-Fraktion "die Arbeit für engagierten Klimaschutz und ein gutes Miteinander in Erlangen fortsetzen."

Zu Bußmann fällt Winkler noch ein, dass es zwar "interne Streitigkeiten" gegeben habe, das sei in einer Partei jedoch normal. Weiter wollte sich Wolfgang Winkler zu Harald Bußmann nicht äußern, dem er "für sein zukünftiges Engagement alles Gute" wünscht. Bußmann will künftig beim ADFC, der BI Schwabachtal, CarSharing Erlangen und VCD stärker als bisher mitarbeiten.

Harald Bußmann fühlt sich nach seinem Rücktritt "befreit" und hat auf seiner Facebook-Seite eine sehr detaillierte Stellungnahme gepostet, warum es ihm "reicht" und er sein Stadtratsmandat "mit sofortiger Wirkung" abgibt. Unter anderem, weil er sich seit "Beginn der Legislaturperiode" (2014) demontiert fühle, weil er "gezielte Ausgrenzung" erlebt habe. Das sei fast schon "Mobbing".

Harald Bußmann ist ein im positiven Sinn Radikaler, was Verkehr angeht. SUVs hat er als "asozial" beschimpft, bei der StUB plädierte er für "umweltverträglichere Stecken" über den Dechsendorfer- oder Büchenbacher Damm. Die Straßenbahn soll jetzt aber über die Wöhrmühlinsel fahren.

Bußmann ist kein Diplomat, er sagt, was er denkt

Offiziell war Bußmann verkehrspolitischer Sprecher der GL-Fraktion. Sagen durfte er aber nichts mehr. Der 43-Jährige: "Üblicherweise redet die/ der Fachsprechende zu einem Thema als erstes im Stadtrat, im Fall der Verkehrspolitik also ich als Sprecher zu diesem Thema. Trotzdem hatte die Fraktion mehrfach beschlossen, dass jemand anderes zuerst redet und ich erst danach dürfe - im einen Fall einer Bürgerfragestunde lief das auf ein Redeverbot hinaus, weil dort jeder Fraktion nur ein Redebeitrag zusteht." Harald Bußmann ist kein Diplomat, er brennt für sein Thema. Und er sagt, was er denkt.

Bundesweit sind die Grünen drauf und dran, den nächsten Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin zu stellen. Die Bundespartei versteht es, locker und entspannt zu wirken und trotzdem Themen zu setzen, so wie jetzt, dass Bahnfahren in 25 Jahren attraktiver als Inlandsflüge sein sollen.Auch in  Erlangen tritt eine neue Generation von Grünen ins Scheinwerferlicht: Eloquent, offen und von ihrer Mission überzeugt. Bußmann ist dagegen eine Art letzter Dinosaurier der Grünen. 

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