Causa „Ehnes“: Verdi droht der Uniklinikumsspitze

6.10.2010, 14:00 Uhr

© Böhner

„Wir wollen mit politischem Druck erreichen, dass Herr Gebhard (kaufmännische Direktor und Dienststellenleiter, d. Red.) das angestrengte Verfahren vor dem Verwaltungsgericht stoppt“, sagte Ulli Schneeweiß, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi Mittelfranken, am Rande einer Pressekonferenz. Zugleich kündigte er an, dass „wir noch eine Schippe draufsetzen können“, sollte es tatsächlich zu Ehnes’ Kündigung kommen: „In diesem Fall würden wir dafür sorgen, dass Herr Gebhard erheblich in seiner täglichen Arbeit behindert wird.“

An Ansbach hatte sich das Universitätsklinikum gewandt, um sich die vom Personalrat verweigerte Zustimmung zur verhaltensbedingten Kündigung Ehnes’ „ersetzen“ zu lassen (wir berichteten bereits). Entspricht das Gericht diesem Antrag, wäre der Weg frei für Ehnes’ Kündigung, die zumindest vorläufig vollstreckbar wäre. Noch ist jedoch kein Verhandlungstermin festgesetzt.

Aus welchen Gründen der seit 1988 freigestellte Personalrat gekündigt werden soll, darüber gehen die Darstellungen auseinander. Während das Uniklinikum davon spricht, Ehnes habe „unter anderem seinen Arbeitgeber und die Leiterin der Personalabteilung mehrfach schwer beleidigt“, vermutet Verdi, namentlich Schneeweiß, dass „ein kritischer Geist mundtot gemacht und aus dem Amt entfernt werden soll“. Deshalb ruft die Gewerkschaft inzwischen bundesweit zur Solidarität mit dem Personalratsvorsitzenden auf.

Zuspruch und Besuche von Kollegen, so Hajo Ehnes, täten ihm gut. Zumal ihn die Vorgänge „persönlich in erheblichem Maße treffen“. Außerdem klagte er über Existenzängste, da es seit über 20 Jahren nicht mehr als Krankenpfleger gearbeitet hat und es in seinem Alter — Ehnes ist 54 Jahre alt — ohnehin schwierig sei, eine neue Stelle zu finden. Zugleich stellt er für den Fall eines aus seiner Sicht negativen Verfahrensverlaufs in Aussicht, sich rechtlich zur Wehr setzen zu wollen.

„Habe nie jemanden beleidigt“

Ehnes, der sich bislang öffentlich nicht zur Sache geäußert hatte, verneinte gestern auf EN-Nachfrage, dass er in seiner Funktion als Personalratsvorsitzender jemals jemanden beleidigt habe. Dies sieht das Uniklinikum anders, das sich jedoch mit Blick auf das schwebende Verfahren nicht weitergehend äußern wollte, wie Sprecher Johannes Eissing mitteilte.

Unstrittig scheint zu sein, dass Ehnes zumindest zu einer „zugespitzten Ausdrucksweise“ (Schneeweiß) neigt, die — dem Vernehmen nach — nicht nur seinem Arbeitgeber in der Vergangenheit sauer aufgestoßen war. Es gibt nämlich Anzeichen dafür, dass es nicht nur zwischen Uniklinikumsspitze und Personalrat, vor allem zwischen Diensstellenleiter Alfons Gebhard und Ehnes, immer wieder zu heftigen Konflikten gekommen ist. Ebenfalls innerhalb des 21-köpfigen, mehrheitlich mit Verdi-Leuten besetzten Personalrats soll es schon seit längerem rumoren.