Universität

Corona: Auch die Uni Erlangen macht sich locker

20.6.2021, 06:00 Uhr
Spätestens im Wintersemester sollen leere Hörsäle der Vergangenheit angehören.

Spätestens im Wintersemester sollen leere Hörsäle der Vergangenheit angehören. © Harald Sippel

Frau Prof. Kopp, für wie wichtig halten sie Präsenzveranstaltungen an der Uni?

Die FAU ist und bleibt eine Präsenzuni, die auf die menschliche Begegnung und das Miteinander setzt. Für Lernen und Bildung ist der soziale Austausch „in echt“ unerlässlich und mit Blick auf unsere Gesellschaft erst recht. In Präsenzveranstaltungen können diskursive Elemente, das Aushandeln von Meinungen, das mehrperspektivische Beleuchten von Sachverhalten oft besser gelingen als in digitalen Formaten - obwohl wir hier sehr viel Gutes entwickeln konnten. Für die Studierenden, aber auch für die Lehrenden ist es wichtig, dass die FAU wieder ein Ort der Begegnung wird.

Zumindest für das Sommersemester soll ja Präsenzlehre an der FAU als freiwilliges (ergänzendes) Angebot wieder möglich sein. Wie stellen Sie sicher, dass alle studieren können, auch jene, die beispielsweise jetzt nicht vor Ort sein können, weil sie zum Beispiel im Ausland sind?

Bärbel Kopp.

Bärbel Kopp. © FAU/Georg Pöhlein

Darin haben wir mittlerweile Routine entwickelt (grinst). All unsere Lehrenden haben sich ja schon seit Beginn der Pandemie darauf eingestellt, dass alle Studiengänge auch digital studierbar sein müssen, sodass der Kompetenzerwerb der Studierenden auch im Sommersemester sichergestellt ist. Das heißt nicht, dass jede einzelne Lehrveranstaltung online verfügbar sein muss. Aber die Lehrenden werden sehr genau prüfen, wie sie mit dem Angebot an Präsenzlehre umgehen, sodass niemand, der nicht teilnehmen kann, einen Nachteil hat. Digitale Pfade und Möglichkeiten der Online-Teilnahme können zum Beispiel ergänzend zur Präsenz bestehen bleiben, wo es die Infrastruktur erlaubt.

Fürchten Sie da nicht ein riesiges Kuddelmuddel?

Es ist wichtig, hier die Verantwortung den Fakultäten und den Studiengängen beziehungsweise Studienfächern zu übertragen und keine zentrale Anweisung von oben zu geben. Dann kann und wird eine zielgerechte Organisation und Information stattfinden

Auch für Lehrende gilt, schreibt der FAU-Präsident Prof. Joachim Hornegger in einer Rundmail, dass die Umstellung freiwillig ist und machbar sein muss. Wie hat man sich das konkret vorzustellen?

Wir müssen sowohl bei Lehrenden als auch bei Studierenden für dieses Semester den Blick auf die individuellen Umstände richten: Wir haben noch Personen ohne Impfangebot, wir haben Angehörige von Risikogruppen, die Pandemie zwingt viele in veränderte familiäre Situationen. Es gibt Personen, die mehr Bedenken haben als andere. Genau deswegen müssen die Lehrenden selbst entscheiden, ob es für sie machbar ist, jetzt für die letzten paar Sitzungen im Sommer umzustellen - und das Gleiche gilt für die Studierenden, aus den gleichen Gründen.

Konkret heißt das, dass die Lehrenden gehalten sind, gemeinsam mit ihren Studierenden die Entscheidung zu treffen, was für die aktuelle Lehrveranstaltung sinnvoll, angemessen und zielführend ist und sich gemeinsam für die „Problemfälle“ eine Lösung zu überlegen. Wir hoffen natürlich, dass wir einige Studierende zurückholen können, aber wichtig ist jetzt auch die Planbarkeit für das restliche Semester.

Momentan liegt Erlangen glücklicherweise deutlich unter einem Inzidenzwert von 50. Sollte dieser allerdings, aus welchen Gründen auch immer, überschritten werden, besteht laut 13. Infektionsschutzverordnung die Pflicht zum Testen. Gibt es schon Pläne, wie eine Testung an der Uni organisiert werden kann?

Wir werden an der FAU keine Selbsttests unter Aufsicht durchführen und auch kein Testzentrum einrichten. Lehrende und Studierende können sich an den etablierten Teststellentesten lassen und den Nachweis vorlegen.

Aktuell sprechen wir ja vom Sommersemester. Wie ist Ihr Blick aber auf das Wintersemester? Sollen dann alle Studierenden wieder in Präsenzveranstaltungen sein und was ist, wenn doch die vierte Welle kommt? Sind Sie darauf vorbereitet?

Wenn die Infektionsschutzmaßnahmen es erlauben, wird an der FAU wieder Präsenzlehre im üblichen Stil und vermutlich mit den mittlerweile entwickelten und hilfreichen digitalen Elementen in Kombination stattfinden. Es ist unser großer Wunsch, den Studierenden wieder einen realen Lernort anzubieten, an dem sie sich austauschen, Freundschaften schließen, Gespräche führen können. Wir möchten auch gerne gemeinsam mit unseren Studierenden lehren, sie persönlich kennenlernen und als Universitätsgemeinschaft miteinander arbeiten. Für das Wintersemester planen wir die Rückkehr in die Präsenz je nach Infektionsschutzmaßnahmen. Sollte eine vierte Welle kommen, was wir alle nicht hoffen, werden auch dieses Mal unsere Lehrenden vorbereitet sein. Es ist klar, dass wir noch einmal auf alles gefasst sein und notfalls auch eine Rückkehr in stärker digitalisiertes oder gar komplett digitalisiertes Lernen ermöglichen müssen. Wir sind darauf vorbereitet, wünschen es uns aber nicht. Ich bin sehr dankbar, dass unsere Lehrenden sich seit Beginn der Pandemie in höchstem Maß engagiert haben dafür, dass unsere Studierenden an der FAU trotz allem gut betreut sind.


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