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Corona: Erlanger Kardiologie-Chef warnt vor Terminabsagen

Patienten sollen aus Angst vor Ansteckung nicht auf Behandlung verzichten - 01.12.2020 18:30 Uhr

Wichtige Untersuchungen sollten auch in Corona-Zeiten auf keinen Fall aufgeschoben werden, rät der Erlanger Herzspezialist Prof. Stephan Achenbach.

20.11.2020 © Imago


Derzeit dreht sich fast alles um Corona, andere Erkrankungen bleiben da schnell auf der Strecke.

Auch der Direktor der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Stephan Achenbach, hat in den zurückliegenden Monaten hin und wieder erlebt, dass Patienten aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus nicht rechtzeitig in die Klinik gekommen sind. Das aber seien Einzelfälle gewesen.

Prof. Stephan Achenbach, Direktor der Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Erlangen

06.09.2019 © Harald Sippel


Trotzdem: "Wir hatten auch Fälle, bei denen Patienten zum Teil drei Wochen auf dem Sofa mit einem Herzinfarkt ausgehalten haben und viel zu spät kamen, dann war schon ein ganz großer Schaden angerichtet".

In anderen Städten ein größeres Problem

In anderen Städten und Kliniken sei das Phänomen, dass Herzkranke aus Angst vor Covid-19 sich nicht in die Klinik trauen, ein größeres Problem gewesen als in Erlangen.

Seine Kollegen und er haben sich die Patientenzahlen extra mit Blick auf das Coronavirus angeschaut, berichtet Achenbach.

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Das Ergebnis: Der größte Teil seiner Herzpatienten hat seit Beginn der Pandemie die Termine wahrgenommen. "Wir haben nicht gesehen, dass Patienten in großem Maß notwendige Herzuntersuchungen oder gar Notaufnahmen aufgeschoben hätten". Nun hofft er, dass das auch in der zweiten Welle so bleibt.

Daher rät Achenbach allen Betroffenen: "Auf jeden Fall vereinbarte Termine wahrnehmen". Falls auf der Brust Druck und Enge bereits im Ruhezustand auftreten, dann muss man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und die Notrufnummer wählen.

Wichtiges Alarmzeichen

Ebenfalls ein Alarmzeichen: Falls man schon bei leichter Anstrengung wie Treppensteigen ebenfalls ein Druckgefühl auf der Brust spürt, sollte man zum Hausarzt.

Die möglichen Folgen, wenn man Herzbeschwerden ignoriert oder eine mögliche Herzerkrankung aus Angst vor Ansteckung nicht im Krankenhaus behandeln lässt, seien viel schlimmer als die verschwindend kleine Gefahr, sich dort mit dem Coronavirus zu infizieren. Schließlich werde in den Kliniken strengstens auf die Einhaltung aller Hygienemaßnahmen geachtet. Jährlich sterben weltweit fast 20 Millionen Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

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Wichtig ist für den Fachmann auch: "Die Patienten sollen dringend ihre Arzneien weiter nehmen." Es kursieren Gerüchte, dass manche Blutdruckmedikamente (ACE-Hemmer) dem Coronavirus den Eintritt in den Körper erleichtern würden.

Der Medizinprofessor stellt klar: "Es ist eindeutig nachgewiesen, dass das nicht der Fall ist." Arzneien-Lieferengpässe wiederum seien nicht zu befürchten, man brauche keine Panikkäufe vorzunehmen.

Telefonsprechstunde in erster Welle

In der ersten Pandemie-Welle hatte die Klinik auch Telefonsprechstunden angeboten. Das werde man, falls sich die Situation weiter verschärft, auch wieder einführen.

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Zudem sollten Herzpatienten aus Angst vor Ansteckung auch nicht zuhause bleiben, sondern an die frische Luft gehen: "Bewegung ist immer gut, Menschenmassen sollte man meiden und sich an Hygiene- und Abstandsregeln halten."

Auch andere Krankheiten wie etwa Krebs sind in den vergangenen Monaten etwas in den Hintergrund geraten. So hatte der Direktor der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums, Prof. Robert Grützmann,  in einem Interview mit diesem Medienhaus davor gewarnt,  aus Angst vor Covid-19 dringende Operationen zu lange aufzuschieben. Schlimmstenfalls bestehe dann die Gefahr von erhöhten Tumorstadien, der Tumor könne eher streuen und schwieriger zu behandeln sein, sagte Grützmann damals.

SHARON CHAFFIN

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