Corona: So läuft ein Besuch im Impfzentrum Erlangen

30.12.2020, 17:49 Uhr
30 Rettungskräfte aus ASB und BRK sowie Notärzte erhielten die Impfung gegen Corona im Impfzentrum an der Sedanstraße 1.

© Klaus-Dieter Schreiter 30 Rettungskräfte aus ASB und BRK sowie Notärzte erhielten die Impfung gegen Corona im Impfzentrum an der Sedanstraße 1.

Menschen, die anderen Menschen nahe kommen müssen, um ihnen zu helfen und für medizinische Versorgung zu sorgen, sind als erste an der Reihe. Deshalb wurden am Dienstag 30 Rettungskräfte aus ASB und BRK sowie Notärzte im Impfzentrum im ehemaligen Sport Eisert an der Sedanstraße 1 geimpft. Mobile Teams sind bereits seit ein paar Tagen unterwegs.

Eine der 30 Rettungskräfte ist Notfallsanitäterin Silke Wenzel. "Ich bin erleichtert, dass es jetzt los geht", sagt die 42-Jährige. Am Vortag hatte sie erfahren, dass sie sich impfen lassen kann – und musste nicht lange überlegen. "Natürlich ist mir ein bisschen mulmig, weil man die Langzeitfolgen noch nicht kennt. Aber ich will meinen Eltern endlich wieder nahe sein." Hierfür genügt ihr der Pieks gegen Corona nicht. "Wir können uns erst wieder nahe kommen, wenn auch sie geimpft sind."

Die Einteilung der Gruppen

Wenzel wird sich aber noch gedulden müssen. Ihre Eltern sind Ende beziehungsweise Anfang 70 und gehören damit nicht zur Gruppe 1, die "höchste Priorität" genießt und deshalb auch als erste geimpft wird. Das sind nämlich über 80-Jährige sowie Bewohner und Personal von Pflegeheimen, Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und im Rettungsdienst. Wenn diese Menschen versorgt sind, ist Gruppe 2 ("hohe Priorität") dran – über 70-Jährige sowie Menschen mit Trisomie 21, Demenzkranke und Transplantationspatienten, gefährdete Bereitschaftspolizisten, Bewohner von Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften und enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren. Gruppe 3 ("erhöhte Priorität" umfasst über 60-Jährige sowie Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, Mitarbeiter von Polizei und Feuerwehr, in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen sowie Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter im Einzelhandel. Nachzulesen sind die Gruppeneinteilungen auf der Homepage der Stadt, www.erlangen.de/impfzentrum

Bürger bekommen Post

Auch wenn das Impfzentrum erst testweise geöffnet hat, erhält die Stadt bereits viele Anrufe von Bürgern, die sich impfen lassen wollen. "Wir sehen, dass die Bereitschaft vorhanden ist", sagt Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen. Er mahnt aber zu Geduld. Wenn die Gruppe 1 versorgt werden kann, werden Angehörige dieser Gruppe schriftlich informiert, wie sie telefonisch oder via Internet einen Termin vereinbaren können.

Notfallsanitäterin Silke Wenzel erhält die Impfung.

Notfallsanitäterin Silke Wenzel erhält die Impfung. © Marcel Staudt

Die große Frage ist nun, wann das sein wird. "Wir haben mit zwei Lieferungen bislang 500 Impfdosen erhalten", sagt Dr. Hans Joachim Drossel, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und ärztlicher Leiter des Impfzentrums. Die nächste Lieferung erwartet er im Januar, allerdings ist nicht klar, wie viele Impfdosen sie beinhalten wird. Es hängt aber nicht nur an der nächsten Lieferung. "Wir brauchen erst Kontinuität in der Nachlieferung", sagt Dr. Drossel. Impfdosen müssen nach dem Auftauen innerhalb von fünf Tagen verabreicht werden. Erst, wenn regelmäßig Impfstoff ankommt und sich der Rhythmus eingepegelt hat, kann es richtig losgehen. Drossel: "Bei Vollauslastung können wir hier und durch die mobilen Teams insgesamt 600 Menschen pro Tag impfen." Bei seiner Einschätzung hält sich Drossel an die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn: Er geht davon aus, dass im Sommer jeder geimpft werden kann, der es möchte.

Fünf Phasen

Wer sich dann für eine Impfung entscheidet, durchläuft im Impfzentrum folgende Phasen: Anmelden (1), Aufklären (2), Impfen (3), Beobachten (4) und Abmelden (5). Um die Organisation kümmern sich auch Beschäftigte des Kulturamts und des E-Werks. "Diese Leute haben Erfahrung bei der Durchführung von Großveranstaltungen. Man kann den Einsatz dieser meist jungen Menschen gar nicht genug würdigen", sagt Hans Joachim Drossel. "Aufklären" bedeutet, dass Bürger, die sich impfen lassen möchten, durch ein Video über das Prozedere und mögliche Risiken aufgeklärt werden. Danach besteht die Möglichkeit, etwaige Fragen mit einem Arzt zu klären.

"Beobachten" heißt, dass die Bürger noch zehn Minuten nach der Impfung im Wartebereich verbringen, um zu überprüfen, dass sie die Impfung gut vertragen haben. "Ich gehe davon aus, dass ein Besuch im Impfzentrum nicht länger als eine Stunde dauern wird", sagt Drossel.

"Es geht ganz schnell"

Notfallsanitäterin Silke Wenzel hat ihren Besuch hinter sich. In drei Wochen wird sie die zweite Impfung erhalten. "Es geht ganz schnell, es ist nur ein kleiner Pieks", sagt sie, als sie die Impfkabine verlässt. "Ich hoffe, dass es ganz viele Menschen gibt, die es mir nachmachen werden."

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