"Wir brauchen Dich"

Corona-Überlastung: Erlanger Uniklinik bekräftigt Such-Appell nach studentischen Hilfskräften

Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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3.12.2021, 16:30 Uhr
Eingang Chirurgie
Foto: Klaus-Dieter Schreiter

Eingang Chirurgie Foto: Klaus-Dieter Schreiter © Klaus-Dieter Schreiter, NN

Die Lage ist ernst - todernst. Die Corona-Neuinfektionen steigen - und somit zugleich die Zahlen der Covid-Patienten in den Kliniken. Auch im Universitätsklinikum Erlangen (UKER) wird die Situation immer prekärer: So wurden am Freitag, 3. Dezember 2021, 61 Patienten mit Covid-19 stationär behandelt, davon 30 auf einer Intensivstation.

Voraussage des RKI bis Mitte Dezember

Während die Zahl der Corona-Behandlungsbedürftigen in den nächsten Wochen aller Voraussicht noch steigt - laut dem renommierten Robert Koch-Institut (RKI) werden Mitte Dezember 50 Prozent der in Deutschland verfügbaren Intensivbetten mit Covid -19-Patienten belegt sein - nimmt die Überlastung des medizinischen und auch Pflegepersonals weiter zu. Auch in der Uniklinik.

Um einer weiteren (personellen) Eskalation entgegenzuwirken, startete das Uniklinikum (neben dem Klinikum Fürth) Mitte November 2021 einen Appell, der sich insbesondere an Pflegefachhelferinnen und -helfer sowie Studierende der Humanmedizin richtete. Mit einer groß angelegten Kampagne (auch dieses Medienhaus berichtete über die Initiative) wollten die Verantwortlichen neben Studentinnen und Studenten auch ehemalige Pflegekräfte im Ruhestand oder aus der Elternzeit reaktivieren, um auf Normal- oder auch Covid-Stationen auszuhelfen.

Es haben sich seitdem auch rund 90 Studierende beworben, berichtet Kliniksprecher Johannes Eissing auf Nachfrage. Davon hätten 30 Studierende mittlerweile einen Vertrag als studentische Hilfskraft unterschrieben, 21 erhielten in den nächsten Tagen ihre Verträge. 28 Bewerbungsunterlagen würden - ebenfalls Stand: 3. Dezember 2021 - von der Pflegedirektion geprüft.

Die studentischen Hilfskräfte, die nun vorübergehend in der Klinik eingesetzt werden, haben mindestens drei Monate pflegerische Erfahrung, etwa im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), eines Pflegepraktikums oder einer Ausbildung zum/zur Gesundheits- und Krankenpfleger/-in oder zum/zur Rettungssanitäter/-in). Die Qualifikationen müssen auch vor der Vertragsunterschrift nachgewiesen werden, betont Eissing.

Bezahlung nach Tarifvertrag

Die studentischen Hilfskräfte selbst werden dann wie Pflegehelfer nach Tarifvertrag bezahlt (TV-L) und erhalten 14 Euro brutto pro Stunde. Außerdem werden Nachtzuschläge von 20 Prozent bezahlt.

Doch es gab, wie Eissing einräumt, auch abschlägige Bescheide von Seiten des Uni-Klinikums: "Einigen Studierenden mussten wir leider eine Absage schicken, weil sie nicht die notwendigen Qualifikationen vorweisen oder nur einzelne Stunden arbeiten konnten."

Auch Pflegefachhelferinnen und -helfer konnte die Uniklinik bisher für die Tätigkeiten nicht gewinnen. Die Suche nach Mitarbeitenden, die in Elternzeit/Sonderurlaub sind und, wie Eissing sagt, "ihre Kolleginnen und Kollegen auf der Station unterstützen können, läuft derzeit noch".

Die derzeitige Zahl an neuen und weiteren Kräften reicht auch noch nicht aus, deshalb wiederholen beziehungsweise erneuern die Verantwortlichen nun den Aufruf nach zwei Wochen.

Studierende für unterschiedliche Tätigkeiten gesucht

Benötigt werden, wie es in der zweiten Suchmeldung unter dem Motto "Wir brauchen Dich zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie" heißt, Studierende für unterschiedliche Tätigkeiten zur Unterstützung des Pflegeteams oder des internistischen Dienstarztes während des Spätdienstes. Interessierte sollten über eine nachgewiesene Grundqualifikation aus dem Medizinstudium oder im Pflegebereich verfügen und mindestens ein bis zwei Tage pro Woche die Pflegekräfte oder Dienstärzte auf Normalstationen oder auch Covid-19-Stationen nach kurzer Einarbeitung gezielt unterstützen können und geimpft oder genesen sein.

Hat sich der vergangene Aufruf also überhaupt gelohnt? "Auf jeden Fall", antwortet der Unikliniksprecher, und erläutert: "Wir sind über jede helfende Hand dankbar, die wir kurzfristig einsetzen können."

Allerdings sei eine Grunderfahrung im Pflegebereich oder im medizinischen Bereich unbedingt notwendig, damit die Helferinnen und Helfer auch gleich mit anpacken können und nicht lange eingearbeitet werden müssten. "Das", so sagt Sprecher Eissing, "würde die Pflegeteams ansonsten nur weiter belasten."

Bereits in den vergangenen Corona-Wellen hatten sich hunderte Medizinstudierende aus Bayern bei ihren jeweiligen Universitätskliniken gemeldet, um auszuhelfen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte im März 2020 von 500 Studenten gesprochen, die bereits im Einsatz seien. In Erlangen waren zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Studierende im Extra-Einsatz.

Mehr Informationen gibt es hier oder auch über den Instagram-Account „@uniklinikumerlangen“.