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Das Glockenhaus in Spardorf ist fast fertig saniert

Ein Denkmal wurde hübsch gemacht: Wir schauen uns den Fortschritt vor Ort an - 07.05.2020 15:00 Uhr

Bürgermeisterin Birgit Herbst besichtigt das fast fertige Glockenhaus in Spardorf.


Es ist Kristallisationspunkt, Wahrzeichen und mit dem Glockenturm auch Taktgeber, der den Tag strukturiert. Lange Jahre lag es weitgehend brach, ehe Bürgermeisterin Birgit Herbst das Glockenhaus mit Bürgersprechstunden reanimierte und der Gemeinderat Sanierung und Neugestaltung beschloss. Jetzt steht die Erneuerung kurz vor dem Abschluss. Eine Besichtigung mit der Bürgermeisterin und dem zuständigen Architekten von "Lübeck Summa Architekten".

Wie das Gebäude nach seiner Erbauung im 19. Jahrhundert ursprünglich genutzt wurde, weiß heute niemand mehr. Bekannt ist, dass es bis in die 1960er Jahre die Gemeindeverwaltung beherbergte. Zudem war darin einst eine einklassige Schule untergebracht, eine Zeit lang auch die Poststelle sowie die Feuerwehr. Zuletzt wurde es von Vereinen genutzt, auch als Lagerfläche – und das Dachgeschoss von einer Eule als Wohnung.

Im Oktober 2018 beschloss der Gemeinderat als Grundlage für die weiteren Planungen ein Nutzungskonzept: Das Erdgeschoss soll demnach künftig als Trauzimmer sowie für Bürgermeistersprechstunden herhalten. Der Raum im ersten Stock soll Vereinen und Gruppierungen aus der Gemeinde zur Verfügung stehen, zudem für kleine kulturelle Veranstaltungen offen sein. Die Doppelgarage, die an die Rückseite des Hauses angebaut war, soll abgerissen werden und durch eine Freifläche mit Sitzmöglichkeiten ersetzt werden.

Das ist inzwischen passiert. Lediglich zwei Außenmauern der Garage sind stehen geblieben. Sie werden mit Holz verschalt und bepflanzt und umgrenzen so den "Gartenhof", wie ihn Architekt Summa nennt. Auch im Hof könnten kleine Kulturveranstaltungen stattfinden, aber auch ein Stehempfang für Hochzeitsgäste nach einer Trauung. Und, wie Birgit Herbst erfahren hat, haben einige Vereine vor, einmal wöchentlich einen Cafébetrieb anzubieten. Für den Außenbereich hat ein Spardorfer Bürger eine Kastanie gespendet, die, wiewohl noch jung, einen grünen Akzent neben dem Sandsteingebäude setzt.

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Das Gebäude selbst zeigt von außen jetzt ein freundlicheres Gesicht als zuvor. Fenster und Fensterläden waren vormals in dunkles Braun getaucht, lindes Grün verleiht dem Haus nun eine gewisse Leichtigkeit. Denkmalschutzgerecht bleiben zugemauerte, einstige Fenster sichtbar, desgleichen die Umrisse des Tores, durch das die Feuerwehr ihren Schlauchwagen zog. Dank des Abbruchs der Garage ist nun auch die Rückseite des Glockenhauses freigelegt.

Hell und freundlich wirken die beiden Räume sowie die Toiletten und die kleine Küche. Trotz oder gerade wegen der geringen Nutzfläche und der kleinen Strukturen, so der Architekt, sei das Glockenhaus vielfältig nutzbar. Bald schon. Nachdem im September 2019 mit den Sanierungsarbeiten begonnen worden war, wurde den Winter über fleißíg gearbeitet. Daher fehlen neben der Fertigstellung der Elektroinstallation, der Beleuchtung und kleineren Restarbeiten lediglich noch die Möbel.

"Ein bisschen als mein Baby"

Besonders aber, sagt Bürgermeisterin Birgit Herbst, die die Sanierung des Glockenhauses "ein bisschen als mein Baby" sieht, vermissen viele Spardorferinnen und Spardorfer den Glockenschlag. "Zurzeit weiß ich ja gar nicht, wann es Zeit zum Mittagessen ist", habe ihr ein Landwirt gesagt. So schnell wie möglich soll also die Turmuhr wieder in Gang gesetzt werden, damit Spardorf weiß, was es geschlagen hat.

Und laut Herbst sind inzwischen viele Bürgerinnen und Bürger schon neugierig, wie das Glockenhaus fertig ausschauen wird. Eine Spardorferin, die gerade an dem Gebäude vorbeigeht bestätigt, dass sie sich das gern mal von innen anschauen würde.

"Ich war das letzte Mal im Alter von sechs Jahren drin" erzählt sie bereitwillig. "Da habe ich bei meinem Großvater im Glockenhaus aufs Christkind gewartet", lächelt sie. Noch in diesem Sommer wird sich vielleicht ihr Wunsch erfüllen und sie kann das Glockenhaus von innen besichtigen.

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