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Das Internet muss weg: Schlecky Silberstein in Erlangen

Der Autor und Satiriker ist am 8. Mai im E-Werk zu Gast - 09.04.2019 16:25 Uhr

Schlecky Silberstein erhielt für "Bohemian Browser Ballett" den Grimme Preis. Rechts steht die Moderatorin Dunja Hayali. © Guido Kirchner


"Ich habe miterlebt, wie enge Familienangehörige bis zur Unkenntlichkeit vom Internet gehirngewaschen wurden und ich habe zwei Kinder, denen das möglichst nicht passieren sollte", sagt Schlecky Silberstein über seinen Sinneswandel im Umgang mit dem Internet.

Gerade mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet

Klar, gegen witzige Filmchen, Informationen oder süße Katzenbilder hat niemand etwas einzuwenden. Doch warnt der Autor, Blogger, Schauspieler und Satiriker, der gerade mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde: "Aber es ist etwas anderes, wenn auf Demokratien Einfluss genommen wird oder es bei Wahlen zu Beeinflussungen kommt. Oder wenn es darum geht, dass gerade junge Menschen auf eine gewisse Art und Weise konditioniert werden. Es geht dabei um Verhaltensmanipulationen. Es gibt jemand, der Interesse daran hat, dass auch Kinder möglichst viel interagieren. Dass sie sehr viel hochladen, sehr viel teilen."

Schließlich haben Internet-Konzerne vor allem eins im Sinn: "Es geht darum zu erfahren, was jemand mag und was jemand nicht mag. Da wird ein Belohnungsmechanismus getriggert, der dafür sorgt, dass man einen Impuls in sich trägt, auf Instagram zu gehen. Das kann Leute verändern."

Schilberstein spricht in seinem Buch von "Las Vegas in der Hosentasche", um über die Gefahren und die Mechanismen aufzuklären: "Es gibt eine ganz klare Analogie zwischen Spielautomaten und der Funktionsweise von Social-Media-Services. Es gibt einen Einsatz und einen Ertrag. Beim Spielautomaten hat man den Einsatz Geld und der Ertrag ist ebenfalls Geld. Bei Smartphone ist der Einsatz ein Daten-Fragment, also voller persönlicher Daten wie Selfies, Likes oder Kommentare."

Online-Sucht kommt nicht durch Zufall

Online-Sucht sei schließlich nichts, in das man zufällig rein rutscht, stattdessen arbeiten tausende Menschen gezielt daran, "dass wir ohne das Smartphone in der Tasche nervös sind und immer wieder vor dem Bildschirm landen". Silberstein: "Bei den Nutzern bildet sich die Erwartung, dass etwas passiert. Sie gehen immer wieder im Netz dorthin zurück, wo sie etwas hochgeladen oder kommentiert haben. Sie wollen wissen, welche soziale Resonanz sie darauf bekommen. Der Ertrag ist positive soziale Resonanz. So etwas kann abhängig machen. Da gibt es dann keine Unterschied zwischen Social-Media-Nutzung und einem Spielautomaten."

Kommt am 8. Mai nach Erlangen: Schlecky Silberstein.


Und dann gibt es neben den Belohnungen im Internet noch ganz viel Hass: "Das Internet hatte ein paar Architekturfehler. Ein ganz grober Fehler war, dass wir als Einzelpersonen nicht zuzuordnen sind. Daher kommt die Anonymität. Hätten wir eine zuordbare Identität, würde es viele dieser Probleme nicht geben. Diese Anonymität bewirkt eine Aggressivität, da nichts auf einen zurückfällt. Hinzu kommt, dass Social-Media-Betreiber Extrempostionen unterstützen. Denn Extrempositionen sorgen für eine höhere Wahrscheinlichkeit an Interaktionen. Die Leute, die am lautesten schreien, werden in der Regel auch gehört. Dies bringt eine Gesellschaft hervor, in der der Ton rauer wird und Beleidigungen viel schneller von den Lippen gehen. Dann sind wir bei den Schattenseiten des Internets."



Und auf Nachfrage hat Silberstein noch für den Journalisten einen praktischen Tipp parat: Welche Schlagwörter in dieser Logik denn in der Überschrift für die Online-Version wichtig wären, um Interaktionen zu erreichen? — kein Problem: "Ich würde sagen: Skandal. Ausraster. Shitstorm. Und Angst."

Der unterhaltsame Abend findet im Rahmen der NN-Reihe "Erziehung 4.0 - Was Dein Kind stark macht". Eintrittskarten - auch mit ZAC Rabatt - für die Veranstaltung am 8. Mai ab 19 Uhr im Erlanger E-Werk gibt es online und in den Geschäftsstellen der Tageszeitung sowie an der Abendkasse. 

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