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Der lange Weg zum Erlanger "Deckel"

Den Bürgern wurde der derzeitige Stand der Planungen vorgestellt. - 13.05.2019 06:00 Uhr

Die Autobahn A 73 soll zwischen Tennenloher Straße und Ausfahrt Erlangen Bruck einen Deckel bekommen. © Klaus-Dieter Schreiter


"Den Lärm hört man immer und an jeder Stelle", stellte OB Florian Janik fest, und bekam dafür von den rund 60 Gästen während der Informationsveranstaltung ungeteilte Zustimmung. Weil die Lärmsituation so ist, war der Deckel über die Autobahn bekanntlich ins Gespräch gebracht worden. Um den aber zu realisieren, muss der Ausbau der A 73 erst einmal in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden, dessen Revision demnächst ansteht. Das sei oberstes Ziel, machten Janik und Herrmann klar.

Einfach sei das zwar nicht, aber die Verkehrszahlen würden eindeutig dafür sprechen, meinte Helmut Arndt von der Autobahndirektion. Seine Fachleute haben nämlich festgestellt, dass für den Bereich zwischen Erlangen Nord und dem Autobahnkreuz die Verkehrsprognosen für 2030 bereits jetzt überholt sind und die aktuellen Zahlen diese Prognosen weit übersteigen. Beispielsweise waren die durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärken (DTV) in der Verkehrsprognose für 2030 zwischen Erlangen Bruck und dem Autobahnkreuz mit 77 000 angenommen worden, dort sind aber jetzt schon 84 200 Autos pro Tag unterwegs. Im Jahre 2035 werden das, so eine Prognose aus dem letzten Jahr, voraussichtlich 111 000 sein. Ein vierstreifiger Querschnitt einer Autobahn, wie er jetzt im Bereich Erlangen vorhanden ist, kann laut Arndt aber nur 70 000 Fahrzeuge in 24 Stunden aufnehmen. Daraus resultiert: Die Autobahn A73 bei Erlangen muss sechsstreifig ausgebaut werden. Dann kann sie 103 000 Fahrzeuge in 24 Stunden bewältigen.

Ein solcher Ausbau aber würde neuen Lärmschutz mit hohen Wänden wie in Forchheim zwingend erforderlich machen. Da eine solche Mauer den Brucker Bürgern aber nicht zumutbar ist, wäre ein Deckel die richtige Lösung. Über diese Argumentation, so hoffen der Innenminister, der Oberbürgermeister und die Autobahndirektion, könnte der Ausbau der A 73 in den Verkehrswegeplan aufgenommen werden. Wenn alles gut läuft, sei für den Baubeginn das Jahr 2030 "ein Horizont, der nicht schlecht ist", meinte Arndt.

Der Deckel könnte derart begrünt werden, dass ein kleiner Park entsteht, der laut der Landschaftsarchitektin Christiane Eberts, die sich bereits um die Grünplanungen gekümmert hat, die Erlanger Parkfläche um 51 Hektar und damit ein Drittel vergrößern würde. Zudem würde Bruck über den Grünzug wieder zusammenwachsen, und neue Wege für den Fuß- und Radverkehr könnten darauf auch entstehen. Alle benötigten Flächen für den sechsstreifigen Ausbau mit Deckel seien im Besitz des Bundes, erläuterte sie.

Auch wenn der Deckel laut Janik wohl "einen dreistelligen Millionenbetrag" kosten wird, meint er: "Es lohnt sich, uns mit Planungsrecht auszustatten". Das meinten auch die rund 60 Bürgerinnen und Bürger, die zu der Vorstellung des Projekts gekommen worden. Alle hoben sie die Hand, als der Oberbürgermeister fragte, wer dafür sei. Nur wenige kritische Bemerkungen gab es, doch wurde gefordert, mit dem Deckel nicht erst an der Tennenloher Straße zu beginnen, sondern bereits am Kreuz. Das aber lehnt die Autobahndirektion ab, weil im Zuge des Ausbaus des Autobahnkreuzes bereits massiv in Lärmschutz bis zur Tennenloher Straße investiert wird. Die Ausführung dieses Lärmschutzes ist in den Augen einiger Bürger allerdings nicht das, was sie sich vorgestellt haben. Die Experten versprachen, sich darum zu kümmern.

KLAUS-DIETER SCHREITER

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