Deshalb fürchtet sich ein Erlanger Zahnarzt vor dem Zahnarzt

21.4.2021, 06:00 Uhr
Angst vor dem Gang zum Zahnarzt ist nicht selten. Vielleicht aber eher ungewöhnlich, wenn ein Zahnarzt selbst Angst hat, seinen Mund für die Behandlung zu öffnen.

Angst vor dem Gang zum Zahnarzt ist nicht selten. Vielleicht aber eher ungewöhnlich, wenn ein Zahnarzt selbst Angst hat, seinen Mund für die Behandlung zu öffnen. © Patrick Pleul/dpa

Wolfgang Hübner weiß noch ganz genau, wie es war: "Mit Festhalten und ohne Rücksicht auf Schmerzen, ab da bin ich nicht mehr hingegangen". Ein Loch im Milchzahn war das Problem und sein damaliger Doktor wohl eine Nummer zu grob. Vier Jahre alt war er damals. Den Mund hatte er danach ganze zwölf Jahre geschlossen. Durch gutes Zureden, vorsichtiges Annähern und wahrscheinlich auch wegen akuter Zahnschmerzen entschied er sich schließlich, seinem neuen Zahnarzt zu vertrauen und den Mund wieder zu öffnen. Angstschweiß hatte er dennoch. "Schlimmer als vor dem Besuch beim Urologen" urteilt Hübner. Einen Vorzeigepatienten nennt er sich nicht.

Trotzdem wurde Wolfgang Hübner Zahnarzt. Lange hatte er drei Wünsche. Er wollte Pfarrer werden, aber als er eine Freundin hatte, verabschiedete er sich von dieser Idee. Kunstgeschichte und Archäologie hatte er bereits studiert. Zahnmedizin folgte darauf. "Das war schon ewig ein Ziel von mir gewesen", sagt er.

Er stammt aus einer Ärztefamilie, wollte aber nie in die internistischen Fußstapfen seines Vaters treten. Zahnärzte interessierten ihn, denn anders als bei der Praxis seines Vaters "gab es dort keinen Wochenenddienst".

Natürlich spielten auch das Interesse und die Faszination mit, aber es war kein Rachefeldzug oder eine Mission, den Menschen den Zahnarzt zu bringen, den sie verdient haben.

Verständnis und Geduld

Heute entgegnet er den Patienten, die Angst vor dem Zahnarztbesuch haben, mit Verständnis. Er erzählt ihnen von seiner Angst. Die Solidarität hilft. Wolfgang Hübner versteht, was in den Patienten vorgeht und wo das Unbehagen und die Abneigung herkommen. Er selber hat viele solcher "Angstpatienten" – "da muss man viel Zeit aufwenden, um die Angst in den Griff zu kriegen". In seiner Praxis, sagt er, bemüht man sich deswegen sehr, auf die Patienten einzugehen.

Selber röntgt er sich alle zwei Jahre, merkt aber gleich, wenn etwas irgendwo nicht stimmt. Zur Kontrolle geht er nur zu seinem Praxiskollegen und langjährigen Studienfreund Dr. Franz Rutscheid. Auch da öffnet er aber den Mund nicht gerne. 

Keine Kommentare