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Die Feuerwehr im Jahr 2021: Was Schutzkleidung aushalten muss

Temperaturen von bis zu 1000 Grad und Einsatz rund um die Uhr - Materialien werden immer besser - 11.03.2021 14:14 Uhr

Schlicht und definitiv von gestern: „Bayern 2“.

10.03.2021 © Foto: FFW Möhrendorf


Wir haben uns von den Möhrendorfer Rettungskräften erklären lassen, was sich in den letzten rund 50 Jahren allein in Sachen Schutzkleidung getan hat.

"Bayern 2", erzählt Kommandant Bernd Schlee, war mit seinem strapazierfähigen Baumwollgewebe seit den 1970er Jahren lange Zeit die Arbeitskleidung schlechthin, bei der ein Feuerwehrmann in eine olivfarbene Latzhose samt Jacke schlüpfte. Doch mit den Gefahren am Einsatzort wuchsen auch die Ansprüche an die Schutzbekleidung. "Deshalb musste ,Bayern 2‘ Platz machen für innovativere Materialien", sagt Schlee.

Flammfeste Klettverschlüsse und Knieverstärkung

Also investierten Gemeinden Ende der 1990er Jahre in: "Bayern 2000". Strapazierfähig, hautsympathisch, flammfeste Klettverschlüsse, waschfester Aufdruck "Feuerwehr", Knieverstärkung . . . – Mit diesem Schutzanzug konnten erstmals Feuerwehren in ganz Bayern ausgestattet werden. "Schon damals wurden Rettungskräfte immer öfter für technische Hilfe auf Straßen gerufen", sagt Schlee. "Bayern 2000" bestand aus Latzhose und Jacke mit silberfarbenen Reflexstreifen sowie fluoreszierenden, also nachtleuchtenden, Streifen. Außerdem hatte die neue Kleidung einen leuchtorangenen Schulterbereich, was alles in allem eine gute Signalwirkung im Straßenverkehr, vor allem bei Nacht, bedeutete."

Viel Kunststoff erzeugt viel Hitze

In der heutigen Zeit, sagt Schlee, brauche es etwas mehr, um den hohen Ansprüchen an die Einsätze der Feuerwehr gerecht zu werden. "Bei einer Brandbekämpfung zum Beispiel in einer Wohnung entstehen Temperaturen von bis zu 1000 Grad Celsius. Das liegt unter anderem an der Vielzahl an Kunststoffen, die es in vielen Haushalten gibt. Diesen Temperaturen muss die Schutzkleidung zumindest für kurze Zeit standhalten.

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Die Erfindung des Schlauchs im 17. Jahrhundert war für die neuzeitliche Feuerwehr sicher ein großer Gewinn. Einer, der seitdem stets und ständig übertrumpft wurde von noch nützlicheren Dingen. Und weil sich das Rad ständig weiterdreht, könnten Feuerwehren ständig shoppen gehen, denn immer gibt es ein Gerät, das noch effektiver misst, ein Fahrzeug mit noch mehr Raffinesse oder eine Jacke, mit der nichts mehr schief gehen dürfte. Wir haben uns von den Möhrendorfer Rettungskräften erklären lassen, was sich in den letzten rund 50 Jahren allein in Sachen Schutzkleidung getan hat.


Doch der Schutz von außen heißt auch, dass die eigene Körpertemperatur unter der Kleidung eingeschlossen bleibt. "Also braucht es wärme- und feuchtigkeitsregulierende Kammern in Form von Stofflagen und Luftpolstern, so dass bei schweißtreibender Arbeit eine Zirkulation stattfinden kann" erklärt Schlee. "Alles andere wäre lebensgefährlich."

Eine Wissenschaft für sich

Die perfekte Schutzausrüstung ist also fast schon eine eigene Wissenschaft. Keine ganz billige. Ständig angepasst würden übrigens auch die Ergonomie und Bewegungsfreiheit.

Das Möhrendorfer Rettungsteam hat übrigens gerade erst wieder getestet und anschließend die zum Teil schon 20 Jahre alte Schutzkleidung in einen neuen Schutzanzug getauscht.

Atmungsaktiv und hitzebeständig

Was der kann? "Durch geringeres Gewicht, die optimierte Passgenauigkeit und eine bessere Polsterung ist er spürbar angenehmer zu tragen und ermöglicht im Innenangriff ein besseres Wärmeempfinden bei gleichzeitig besserem Schutz gegen Flammen" schwärmt Schlee. Im Anzug steckten Materialien, die für höchste Atmungsaktivität sorgen, gleichzeitig aber auch beste Hitzebeständigkeit bieten.

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"Mit Sicherheit das auffälligste Merkmal ist die Farbe des Schutzanzuges." Statt in dunklem Blau kommt er gold- beziehungsweise sandfarben daher. "Gerade in der Dämmerung erhöht die hellere Farbe die Sichtbarkeit", erklärt Schlee. Bei Sonneneinstrahlung ist die Wärmeaufnahme geringer, außerdem sind Verschmutzungen wesentlich besser zu erkennen. "Dadurch kann eine, wie wir es nennen, Kontaminationsverschleppung von schädlichem Brandschmutz oder sonstigen Substanzen besser vermieden werden."

Gummistiefel wie auf der Baustelle und enge Helme

Auch beim Schutz der Hände hat sich viel getan. Statt einfacher Lederhandschuhe, die sich bei Hitze oft verformt haben, trägt der Feuerwehrmann von heute leistungsfähige Handschuhe, die hohe Temperaturen aushalten und atmungsaktiv sind.

Bleiben noch Schuhe und Helm. Früher, erzählt Schlee, wurden herkömmliche Gummistiefel getragen, als sei man auf einer Baustelle. "Heutzutage werden Schnürstiefel mit atmungsaktiven Membranen genutzt. Zusätzlich verfügen die Stiefel über durchtrittsichere Sohlen und Kappen für einen Zehenschutz." Wer mit der Motorsäge hantieren muss, kann sogar Treter tragen, die diesen Schnittschutz bis hoch zur Wade haben.

Gepolstertes Kopfband macht den Unterschied

Der Standard-Helm wiederum war bis vor einigen Jahren aus Aluminium. Ein Gesichtsschutz in Form eines klappbaren Visiers wurde optional am Helm befestigt. Inzwischen gebe es verschiedene Formen von speziellen Kunststoffhelmen. "Diese sind geringer im Gewicht und verfügen oft über integriertes Zubehör." Neue Helme ließen sich deutlich angenehmer tragen, erlaubten es, dass sich der richtige Sitz einstellen lässt und verfügten über ein gepolstertes Kopfband.

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Bleibt zum Schluss die Frage nach den Kosten. Das, was die Möhrendorfer Truppe aktuell trägt, sei für rund 1800 Euro zu haben. Pro Mann . . .

 

EVA SÜNDERHAUF

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