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"Die Krise trifft uns ins Mark"

Umsatzeinbußen bis zu 90 Prozent: Gaststätten wurden vom zweiten Corona-Lockdown hart getroffen. - 11.12.2020 10:30 Uhr

Den Blick über die Stadt an Silvester können Stammgäste des „Alten Brunnen“ heuer nicht genießen. Dafür aber das Silvestermenü – zum Mitnehmen.

10.12.2020


Den Blick über die Stadt an Silvester können Stammgäste des „Alten Brunnen“ heuer nicht genießen. Dafür aber das Silvestermenü – zum Mitnehmen.

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Den Blick über die Stadt an Silvester können Stammgäste des „Alten Brunnen“ heuer nicht genießen. Dafür aber das Silvestermenü – zum Mitnehmen.

10.12.2020 © Foto: Harald Sippel


Der Dezember war immer der stressigste Monat: jeden Tag Weihnachtsfeiern, auf Heilig Abend hin die Stammgäste, an den Feiertagen volles Haus. Durch Corona aber bleiben die Gaststätten auch in Erlangen gähnend leer. "Die Krise", sagt etwa Fritz Striegel, Juniorchef in fünfter Generation beim "Alten Brunnen" in Marloffstein, "trifft uns Gastronomen bis ins Mark."

Vier bis fünf Weihnachtsfeiern gab es im "Alten Brunnen" in den vergangenen Jahren im Dezember täglich, manchmal sechs. Das Uni-Klinikum kam zum Weihnachtsessen, Siemens schaute mit über 60 Gästen vorbei – "die kleinen Feiern mit bis zu zehn Personen noch gar nicht mal mit eingerechnet", sagt Fritz Striegel. Doch in der Pandemie mussten sie nicht nur in Marloffstein jede einzelne Feier ersatzlos streichen.

Nicht viel besser sieht es beim traditionsreichen Gasthof Güthlein in Büchenbach aus. "Die Stammgäste haben noch am Tisch für das gleiche Datum im kommenden Jahr reserviert", erzählt Junior-Chefin Jana Güthlein. Doch auch hier mussten sie Weihnachtsfeiern und Stammgästen absagen: Nichts geht mehr seit Beginn des zweiten Lockdowns. Das Weihnachtsgeschäft, einer der umsatzstärksten Monate in der Gastronomie, ist regelrecht zusammengebrochen.

"Uns hilft da das Standbein Metzgerei", sagt Jana Güthlein. Die Nachfrage an der "heißen Theke" hat zugenommen, die Menschen holen sich das Güthlein-Mittagessen ins Homeoffice. "Aber die Verluste der Gaststätte und des Hotels fängt das natürlich nicht annähernd auf."

Auch das dritte Unternehmen des Hauses, das Hotel, macht in der Pandemie keine Gewinne: Ein paar Handwerker auf Montage schliefen bei den Güthleins. Nun aber herrscht Winter, die Baustellen nehmen ab. "All die internationalen Gäste bleiben aus, Geschäftsreisen sind gestrichen worden", sagt Jana Güthlein.

Soldaten in Marloffstein

Ähnlich ergeht es dem Alten Brunnen in Marloffstein – wenngleich da über das Landratsamt Erlangen-Höchstadt wenigstens Hilfe kam: Neun Bundeswehr-Soldaten, die im Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung helfen, sind seit 1. November bis voraussichtlich Ende Januar im Hotel untergebracht – inklusive Frühstück und Abendessen. "Das tut gut, weil es ein wenig Normalität und Alltag schenkt. Das ist vor allem für den Kopf wichtig", sagt Fritz Striegel. Wirtschaftlich aber helfe es gerade einmal, fünf Prozent des riesigen Verlustberges abzutragen: 80 bis 90 Prozent des Umsatzes sind in der Gastronomie eingebrochen. "Es geht schon länger an die Reserven", sagt Striegel. Aber er gibt sich kämpferisch, wenngleich die Verluste schmerzen: "Ohne das Ersparte der vergangenen 30 Jahre meiner Eltern wäre es schwierig. So aber bin ich mir sicher, dass wir es durch die Krise schaffen." Wenngleich die bereits für November vollmundig angekündigten Hilfen der Regierung noch in weiter Ferne sind: Die Plattform, auf der die Steuerberater die Unterstützung beantragen können, stehe noch nicht zur Verfügung, berichtet Fritz Striegel.

Auch das Ende der Krise ist weiter schwer abzusehen. Ulrike Oberle von der Fischküche Oberle aus Kosbach hat schon Resignation bei manchen Kunden ausgemacht: "Sie halten uns die Treue, holen sich ihr Essen nach Hause – aber auch das wird immer weniger." Zwar bewirtschaften die Oberles kein Hotel – dafür aber eine Fischzucht und eine Brauerei. Ihnen hilft der Karpfen in der schweren Zeit, "die Gäste sind hier sehr einfallsreich", sagt Ulrike Oberle, manche kommen mit Wärmflaschen, manche mit Thermobehältern. Im Frühjahr, sagt sie, während des ersten Lockdowns, war das Geschäft besser.

Bestmöglich arrangiert mit der schwierigen Situation wegen Corona – das Virus nehmen alle drei Gastronomen sehr ernst – haben sich ihre Unternehmen: Sie bieten alle Essen "To go", also zum Mitnehmen, an. Allerdings nur die Güthleins an sieben Tagen – der Alte Brunnen und die Oberles einzig am Wochenende. Unter der Woche lohne sich das Geschäft kaum, finden sie. "Das Fränkische Essen", sagt Jana Güthlein, "ist vorrangig ein Wochenend- beziehungsweise ein Sonntagsessen."

Küchen sind geöffnet

Die Nachfrage nach Schäuferla, Sauerbraten, Karpfen oder Schnitzel sei nach wie vor groß. Und für die Kunden möchten alle gerade an den besonderen Tagen wie gewohnt da sein: "Für viele gehört ein Güthlein-Essen zur Weihnachtstradition", sagt Jana Güthlein. Daher wird die Küche an Heilig Abend und an den Weihnachtsfeiertagen für Abholessen bereit stehen.

Die Oberles haben Mitarbeiter mit kleinen Kindern, darauf wollen sie trotz Corona an den Feiertagen Rücksicht nehmen. Aber am Heiligen Abend und an Silvester, verspricht Ulrike Oberle, gibt es Mahlzeiten zum Mitnehmen. Auch der Alte Brunnen kocht – bis auf Heilig Abend – an den Feiertagen "to go" und an Silvester wird es ein Vier-Gänge-Menü zum Abholen geben. "Nur den Blick von Marloffstein herunter auf die Stadt, den muss man sich heuer dann leider erstmals dazudenken", sagt Fritz Striegel.

CHRISTOPH BENESCH

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