Montag, 18.11.2019

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Die Radikale Ästhetik der Bianca Schelling

Malerin stellt in der Neuen Galerie des Kunstvereins Erlangen aus - 07.05.2014 18:11 Uhr

Die Raumfluchten der Fürtherin sind Durchgangsräume, die ausweglos in die Bildtiefe führen, ohne dass ein Ziel der Bewegung erkennbar wird: Bianca Schelling in ihrer Ausstellung beim Kunstverein Erlangen. © Harald Hofmann


Mit dem „Mezzanin“ hielt das Prinzip der Klassengesellschaft seinen Einzug in die ästhetische Erscheinung des Bauwerks. In diesem Zwischengeschoss unterhalb der Beletage des 1. Stocks war das Personal untergebracht, abgesondert von der Herrschaft. Im Hausinnern spiegelt die Architektur die soziale Ordnung, die nach außen unter der einheitlichen ästhetischen Ordnung der Fassade verborgen bleibt.

In den Zwischengeschossen Bianca Schellings gibt es kein derart übersichtliches Gestaltungsprinzip mehr. Verglichen mit dem historischen Vorbild ist das Ordnungssystem mit Marx vom Kopf auf die Füße gestellt. Das Mezzanin ist als einziger Ort der Handlung übrig geblieben: es ist der ästhetisch gestaltete Zwischenraum, während das Gebäude darüber – sei es ein Flughafen oder anderer Zweckbau — als vollständig bedeutungslos verschwunden ist.

Die Raumfluchten der Fürtherin sind Durchgangsräume, die ausweglos in die Bildtiefe führen, ohne dass ein Ziel der Bewegung erkennbar wird. Die Bogenreihen der Tragkonstruktion, die, von einer verborgenen Lichtquelle erhellt, sich in dunklen Schattenräumen verlieren, erinnern an die Architektur von Kathedralen. Einige Studien von den Kreuzgängen des Klosters Kremsmünster legen eine solche Analogie zusätzlich nahe.

Fast unnötig der Hinweis, dass alle diese Zwischenräume vollkommen menschenleer sind. In einer Tiefgarage stehen keine Autos, und die Leere von Kellerräumen ist durch zufällige Ausschnitte hervorgehoben. Bianca Schelling interessiert sich auch für die Gestalt der Maschinen, die für den Betrieb des Gebäudes benötigt werden. Aber sie wirken eher wie ein fremdartiger Wandschmuck ohne funktionalen Zusammenhang.

Die Bilder scheinen von einer radikalen Ästhetik beherrscht, die keine Gebrauchsspuren zulässt, als sei soeben eine Putzkolonne durch die Räume gezogen. Insofern ist auch der fotografische Realismus der Malerei, betont durch die Beschränkung auf Schwarz, Weiß, Grau und sparsamste Farbigkeit, eine Täuschung.

Die Kamera zeichnet unbestechlich jede Unregelmäßigkeit auf und lässt die von der Malerei produzierte Reinlichkeit nicht zu.

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Kurt Jauslin

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