Fleißarbeit

Die Stadtbibliothek Erlangen ganz in Lego

Dominik Beuer in seiner Lego-Bastelstube.

Dominik Beuer in seiner Lego-Bastelstube. © Harald Sippel, NN

Von der klassischen Bücherwand, vor der sich viele bei Video-Telefonaten im Homeoffice präsentieren, ist im Büro von Dominik Beuer keine Spur. Statt Lexika und Sachbüchern zieren Star Wars-Modelle aus Lego den Hintergrund, wenn der 42-jährige seine Bildschirmkamera aktiviert. Die Frage: “Ist das der Millennium Falke?” sichern immer wieder einen kreativen Einstieg in Online-Meetings, berichtet der IT-Projektleiter.

100 Jahre Erlanger Stadtbibliothek: In der Ausstellung zum Jubiläum war auch Dominik Beuers Palais-Stutterheim-Modell aus Lego zu sehen.

100 Jahre Erlanger Stadtbibliothek: In der Ausstellung zum Jubiläum war auch Dominik Beuers Palais-Stutterheim-Modell aus Lego zu sehen. © Harald Sippel, NN

Die armlängengroße Nachbildung des Raumschiffs thront auf einer Glasvitrine, die mit zahlreichen anderen Lego-Konstruktionen der Filmreihe bestückt ist. Dass sich Erwachsene für vermeintliches Kinderspielzeug begeistern, ist längst nichts Außergewöhnliches mehr, doch Dominik Beuer baut nicht nur bei sich zuhause im Keller vor sich hin.

Star-Wars-Welten aus Lego.

Star-Wars-Welten aus Lego. © Harald Sippel, NN

Seit kurzem steht der gebürtige Erlanger, der in Bamberg aufgewachsen ist, mit seinem Hobby im Rampenlicht. Im Rahmen des 100-jährigen Bestehens der Stadtbibliothek war sein Lego-Modell des Palais Stutterheim Teil der Jubiläumsausstellung.

Ein Projekt mit lokalem Bezug

Geplant hatte der zweifache Familienvater dies jedoch zunächst nicht. Zum Jahreswechsel baute Beuer noch am Bamberger Rathaus, seinem ersten größeren Projekt. Doch nach der Fertigstellung des Fachwerk-Abschnitts und des Brückenübergangs stellten sich die Wandbemalungen des dritten Gebäudeteils als zu kompliziert heraus und Dominik Beuer suchte nach einem Projekt, dass er auch zu Ende bringen kann. “Ich wollte gerne was mit lokalem Bezug bauen”, erinnert er sich.

Das Erlanger Schloss war seine erste Intention, doch das “wäre nur eine Materialschlacht gewesen”, lacht er. “Das ist riesig und alle Seiten sehen gleich aus. Und für den Himbeerpalast gibt es bei Lego nicht das richtige Rot.”

Da vom Bamberger Rathaus noch zahlreiche weiße und sandsteinfarbene Legosteine übrig waren, versuchte sich der 42-Jährige im Februar dieses Jahres schließlich an der Außenfassade des Eingangsbereichs des Palais Stutterheim. “Und dann lag das Modell erstmal Monate rum”, gibt der Vater von zwei Töchtern zu.

Dann ging die Arbeit richtig los

Doch im Juni stößt er auf einen Post in den sozialen Medien, mit dem Aufruf, im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums Ideen und Einfälle zur Stadtbibliothek einzuschicken. Dominik Beuer versendete ein Foto seiner bisherigen Konstruktion und erhielt daraufhin eine Anfrage der Bibliothek, ob sie das Modell für die geplante Ausstellung nutzen dürfen. Dann ging die Arbeit richtig los.

“Das Erste, was ich nach dem Lockdown gemacht habe, war in die Stadtbibliothek zu gehen und den Innenbereich des Gebäudes zu fotografieren, damit ich nichts falsch mache und die Farben passen”, berichtet er. Dabei blieb die ein oder andere Überraschung nicht aus.

“Ich bin total erschrocken als ich gesehen habe, dass das Vordach über dem Haupteingang grün gedeckt ist. Das ist mir vorher noch nie aufgefallen und ich hatte kein einziges passendes Teil zu Hause.”

Rund 70 Stunden hat er in das Projekt investiert und 7300 Steine verbaut. Die waren nicht immer ganz einfach zu besorgen. “Zum Glück gibt es inzwischen viel Mädchenlego”, verrät der Familienvater. Die goldenen Verzierungen am Giebel des Lego-Modells stammen beispielsweise von Prinzessinnenschlössern und Feenschiffen.

Die notwendigen Teile online bestellt

Die notwendigen Teile bestellt Beuer online. Dafür gibt es im Internet zahlreiche private Anbieter, die Sets von Lego in großer Zahl aufkaufen und die Einzelteile weiter vertreiben. Das Bauen beschreibt Beuer als einen anspruchsvollen Prozess: “Man muss einen Blick dafür kriegen, wie man mit den begrenzten Möglichkeiten der Teile etwas realitätsnah herstellen kann. Lego ist ja keine Knete.”

Dass man es aber trotz viel Übung nicht immer schafft, alles eins zu eins abzubilden, musste der 42-Jährige im Verlauf des Bauprozesses des Palais Stutterheim erst akzeptieren lernen. “Am Anfang war ich sehr streng, aber das konnte ich nicht durchziehen.” Vor allem der moderne Teil des Stadtbibliothek-Gebäudes war eine Herausforderung.

“Die Glas- und Stahlüberdachung des Innenhofs und die Brücke finde ich klasse, aber ich habe die zehnmal gebaut und zehnmal wieder weggenommen. Ich habe es nicht hinbekommen, dass man damit noch in das Innere schauen konnte”, gibt er zu. “Da habe ich mir viel künstlerische Freiheit rausgenommen.”

Doch trotz einiger Abweichungen bei der Architektur ist Beuer stolz auf sein Werk und auch die Reaktionen waren durchweg positiv, berichtet der Familienvater. “Aber ich habe das nicht gemacht für den Applaus. Das ist nicht meine Motivation dahinter”, betont er. “Das Bauen und das Kreativsein, das ist das, was mir Spaß macht.

"Das war der Wiedereinstieg"

Die Begeisterung für Lego hat er erst durch seine Töchter wiederentdeckt. “Ich stand im Spielzeugladen und war fasziniert, wie viele neue Farben und Formen es inzwischen gibt. Das hatte ich in meiner Kindheit alles nicht”, erinnert er sich. Von seiner Frau bekam Dominik Beuer dann vor zehn Jahren ein Lego-Set zu Weihnachten, natürlich von Star Wars. “Das war der Wiedereinstieg”, schmunzelt er.

Die Ritterburgen und Piratenschiffe, die er noch aus Kindertagen hatte, wurden ihm schnell zu langweilig und er suchte online nach Erweiterungen. Doch er musste feststellen, dass die alten Sets alles andere als Schnäppchen sind. “Hunderte Euro kostet das Zeug von früher”, staunte er.

Für das kleine Piratenschiff aus den 90ern, das bei Beuer im Keller im Regal steht, zahlt man rund 250 Euro; für ein fingernagelgroßes Schild mit einem Hirschkopf, das zu einem Robin-Hood-Versteck gehört, sind es 20 Euro.

“Bei Lego gibt es zwei extreme Seiten”, so der 42-Jährige. “Leute, die was Schönes bauen wollen und Leute, die ihr Geld darin anlegen.” Von Letzterem hält der Familienvater nicht viel. “Mir ist es wichtiger, dass meine Kinder damit begeistert spielen, als dass das in einer Vitrine verstaubt”.

Dennoch fällt es ihm nicht immer leicht zu akzeptieren, wenn bei den Lego-Ritter-Spielen seiner Töchter auch mal ein Teil in die Brüche geht. “Dabei ist es so viel mehr wert, dass die Sachen wieder so schön genutzt werden.”

Über die Jahre ist im Kellerraum bei Familie Beuer eine richtige Lego-Werkstatt entstanden. Hunderte kleine Schubladen sind mit Lego-Steinen in allen erdenklichen Formen und Farben gefüllt; Schiffe, Flugzeuge und Raumschiffe bedecken die Regale. Doch an den meisten Modellen hängt sein Herz schon lange nicht mehr. Nach der Fertigstellung wird der Großteil der Projekte fotografiert und dann wieder auseinandergenommen, denn inzwischen baut er lieber ohne Anleitung, so der zweifache Vater.

Ein teures Hobby

“Ich will kreativ mit meinen Händen was tun und mir tolle Sachen ausdenken.” Doch er gibt auch zu: “Es ist ein teures Hobby. Es gibt einfach nichts Gebrauchtes, was billig zu haben ist.”

Für Beuer bedeutet Lego-Bauen aber vor allem Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Denn seine Frau und vor allem die beiden Töchter können sich ebenfalls für das Bauen mit den bunten Steinen begeistern. “Und wenn ich abends fertig bin, dann entspannt mich das unglaublich, wenn ich vor mich hin bauen kann. Aber das bestimmt mein Leben nicht mehr als bei jemand anderem eine Netflix-Serie.”

Wandern mit dem Deutschen Alpenverein, soziales Engagement beim CVJM Erlangen, Karate und Gitarre spielen nehme viel mehr Zeit in seinem Leben ein als Lego, betont er. “Ich finde es toll, wenn ich mit Lego eine gute Zeit habe und wenn ich mich in ein paar Jahren von den Sachen trenne und dann damit noch etwas Geld verdienen kann, dann ist das auch schön.”

Das Modell vom Palais Stutterheim könnte hier jedoch eine Ausnahme werden. “Das war das Erste, was ich wirklich fertig gestellt habe und das zu zerlegen, dass bringe ich glaube ich nicht übers Herz. Das bekommt einen Ehrenplatz.”

Vermutlich sorgt die Stadtbibliothek im Hintergrund von Dominik Beuer künftig in zahlreichen Online-Meetings für neuen Gesprächsstoff.

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