Die Suche nach dem neuen Gegenstand

30.7.2014, 19:07 Uhr

Vor vielen Jahren waren sie die „Junge Gruppe“ des Kunstvereins. Und schon vor langer Zeit ist das Attribut „jung“ dem Altersdurchschnitt zum Opfer gefallen. Nun firmiert die „Gruppe plus“ erweitert als „GRUPPE PLUS: ANDERSARTIG“.

Natürlich bräuchte man von einer Namensänderung kein Aufhebens zu machen. Schließlich geht es um Kunst, und Name ist bekanntlich Schall und Rauch. Das Ziel ist aber seit der Gründung der Gruppe, sich von der größeren Mutter abzusetzen, ein erkennbar schwieriges Unterfangen, da auch die Künstlerschaft des Kunstvereins schon eine bunte Mischung von Stilen und Richtungen darstellt.

Unverkennbar ist freilich, trotz der trotzigen Versalien, dass die Differenzen eher nivelliert worden sind. Die Antithese Experiment gegen Establishment funktioniert immer weniger. Die neue Ausstellung präsentiert sich unter dem Titel „Reizklima“ im Unterschied zu ihren Vorgängern ausgesprochen sortiert: Die Beschränkung auf wenige Aussteller mit jeweils mehreren Arbeiten lässt auf eine rigide Auswahl schließen.

Spielerischer Umgang

Der spielerische Umgang mit dem Material und das oft heterogene Nebeneinander von einzelnen Objekten in früheren Ausstellungen wurde konsequent aufgegeben. An sich muss das kein Nachteil sein, weil das damit verbundene qualitative Gefälle manchmal kaum mehr erträglich war. Allerdings wird damit auch immer fragwürdiger, worin die „Andersartigkeit“ bestehen soll.

Gewiss wird experimentiert, sowohl mit dem Material, wie mit dem Verhältnis von Gegenstand und Abstraktion. Aber das alles bewegt sich durchaus in Bereichen, die heute bereits Konvention sind. Materialmix in der Malerei, Collage und digitale Bildbearbeitung gehören auch hier zum Standard.

Das eigentliche Problem scheint in der Definition des Gegenständlichen zu bestehen. Die fotorealistische Malerei spielt kaum eine Rolle. Dagegen entwickelt die Fotografie mit Hilfe der digitalen Bearbeitung eine deutliche Tendenz zur malerischen Auflösung der gegenständlichen Motive. Die in der abstrakten Tradition übliche radikale Vermeidung jeglicher gegenständlicher Assoziationen gilt aber auch nicht mehr.

Einen Anspruch teilen die ausgestellten Arbeiten: Malerei und Zeichnung, die durch neue Techniken erweiterten traditionellen Medien, scheinen schlicht kompetenter zu sein, wenn es darum geht nach dem Ende des rigorosen Formalismus und der ideologischen Sinnsuche, einen neuen Gegenstand zu erfinden.

GRUPPE PLUS: ANDERSARTIG: „Reizklima“. Galerie des Kunstvereins, Hauptstraße 72. Bis 24. August, geöffnet: freitags 15—18, Sa./So. 11—17 Uhr.

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