Sonntag, 07.03.2021

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DSDS als Therapie: Erlangerin stellt sich Jury um Dieter Bohlen

Olga Jung hat in ihrem 26-jährigen Leben schon viel ertragen müssen - 23.01.2021 12:27 Uhr

Die Erlangerin Olga Jung macht bei DSDS mit.

22.01.2021 © TVNOW / Stefan Gregorowius


Nach dem erfolgreichen Auftritt der 19-jährigen Anna Klenz wird sich am Samstagabend ab 20.15 Uhr bei RTL die nächste Erlangerin der Jury um Dieter Bohlen stellen. Es wird bereits die zweite Bewerbung von Olga Jung (26) bei Deutschland sucht den Superstar sein.

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Dieter Bohlen war nicht da, dafür aber rund 500 Superstars in spe, die in einer Fernsehsendung ihren Traum vom Singen verwirklichen möchten. Am Donnerstag machte der "Casting Truck" von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) vor den Erlanger Arcaden Station.


An ihren ersten Versuch erinnert sie sich mit Grauen: Als sie 18 Jahre alt war und in den Arcaden eine Ausbildung absolvierte, hielt der DSDS-Bus für ein offenes Casting vor dem Haupteingang. "Ich hab’ zu meinem Chef gesagt, bitte lass’ mich da raus. Das lief ganz spontan." Dann stand Jung vor RTL-Produzenten und versuchte sich durch ein Vorcasting zu singen – erfolglos. "Meine Stimme war so zittrig, dass es krasser nicht ging. Jede Zwölfjährige war besser als ich."

Olga Jung: Sie singt auf Instagram

Nun, über acht Jahre später, probiert sie es erneut. Dass ihre Stimme nicht mehr zittrig ist, kann man auf Jungs Instagram-Account hören. Dort covert sie bekannte Pop-Songs in Liveaufnahmen, manchmal sehen nicht mal eine Hand voll User zu. Jung ist das egal. "Ich brauche Publikum. Es ist nicht entscheidend, wie viele es sind." Ohne zu viel zu verraten darf man aber davon ausgehen, dass es nach ihrem Auftritt am Samstagabend bei RTL einige Menschen mehr sein werden, die Jung zuhören möchten.


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Was man auf Jungs Instagram-Account ebenfalls erfährt: Sie macht sich viele Gedanken, vor allem um sich selbst. Ihren Zuschauern rät sie etwa, immer sie selbst zu bleiben und durch den Blick in den Spiegel nicht nur ihr Äußeres zu betrachten. Eine junge Frau, die gut singen kann und Weisheiten für die User hat – auf Instagram ist das nicht ungewöhnlich. Jung unterscheidet aber von der Masse, dass es bei ihr keine auswendig gelernten Sprüche sind.

Sängerin Jung: "26 Jahre verplempert"

Wer mit Jung ein längeres Telefongespräch führt, lernt eine Mitte Zwanzigjährige kennen, die unglaublich selbstreflektiert ist. Sie referiert über Selbstoptimierung und Selbstreflexion als ob sie Psychologie studiert hat. Dabei gibt sie eigentlich nur Stationen ihres bisherigen Lebens wieder und welche Lehren sie daraus gezogen hat: "Ich habe 26 Jahre meines Lebens verplempert." Aber damit ist jetzt Schluss.

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Jung ist gebürtige Ukrainerin und kommt aus einer Kleinstadt bei Kiew. 1999 heiratete ihre Mutter einen Erlanger, die Familie baute sich hier ein neues Leben auf. Jung hat einen Hauptschulabschluss ohne Quali, aber einen IQ von 120. "Ich habe oft nicht aufgepasst. Man musste schon immer interessant sein, damit ich zuhöre."

Gewalt in der Beziehung

Sie selbst hörte vor allem den falschen Menschen zu. Trauriger Höhepunkt war eine vierjährige Beziehung, in der Jung Gewalt erlebte und sich trotzdem nicht trennen konnte. "Lieber ist man zu zweit als alleine." Das hat ihr mit ähnlichen Worten auch ihr damaliger Freund gesagt – es mache keinen Sinn, sich von ihm zu trennen, denn dann habe sie ja niemanden mehr. Doch irgendwann verließ Jung ihn, es blieben massive Zweifel an der eigenen Person und Mitleid für den Peiniger. "Ich bedauere ihn. Dass er sich zu mir so verhalten hat, zeigt nur, dass er schwach ist."

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Es gibt noch einige einschneidende Erlebnisse mehr in Jungs jungem Leben, die sie in einem Buch verarbeitet. Es trägt den Titel "Anders" und soll 2022 erscheinen, einen Verlag sucht die 26-Jährige noch. Auch über DSDS wird es ein Kapitel geben. Eine Show, die Jung schon als Kind verfolgt hat. "Ich dachte mir immer, da könntest auch du stehen." Das wird sie am Samstag tun.

"Ich finde die Nadel im Heuhaufen"

Ihre Gesangeskünste kennen bislang nur ihre Instagram-Follower und ihr enges Umfeld. Auf einer Bühne stand Jung nie zuvor, sie glaubt auch nicht, dass ihr Weg sie zwingend dorthin führt. Stattdessen ist Motivationscoach das Berufsziel. Sie will Menschen "motivieren, Fehler finden und korrigieren", so wie sie es mit sich selbst auch macht. "Ich finde die Nadel im Heuhaufen und sehe mich selbst noch genauer als andere an."

 

 

Ist die DSDS-Teilnahme Teil ihrer persönlichen Therapie? Die Antwort der extrem redegewandten Jung fällt kurz aus: "Eindeutig ja." Millionen von Menschen werden am TV live dabei sein, wenn sie der Jury und gleichzeitig sich selbst beweisen möchte, dass sie etwas kann.

MARCEL STAUDT

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